Diabetologie » Sport und Diabetes

»

Cochrane Review: Mehr Intensität, mehr Nutzen durch HIIT?

Eine junge Frau und ein junger Mann trainieren ihre Balance in einem Fitnessstudio.

Quelle: © AnnaStills - stocke.adobe.com

Cochrane Review: Mehr Intensität, mehr Nutzen durch HIIT?

Aktuelles

Diabetologie

Sport und Diabetes

mgb medizin Redaktion

Verlag

2 MIN

Erschienen in: diabetes heute

Hochintensives Intervalltraining (HIIT) gilt als zeiteffiziente Alternative zum klassischen Ausdauertraining. Ein aktueller Cochrane Review bewertet nun erstmals systematisch den Nutzen für gesunde, aber bislang inaktive Erwachsene – mit relevanten Erkenntnissen auch für die Beratung von Menschen mit erhöhtem Diabetesrisiko.

Körperliche Inaktivität ist einer der bedeutendsten modifizierbaren Risikofaktoren für Typ-2-Diabetes. Fast ein Drittel der Weltbevölkerung erfüllt die Bewegungsempfehlungen der WHO nicht. HIIT – kurze, intensive Belastungsintervalle mit Erholungspausen – wird zunehmend als praktikable Alternative diskutiert. Ein aktueller Cochrane Review fasst die Evidenz aus 58 Studien mit über 2.000 Teilnehmenden zusammen und bewertet, welche kardiometabolischen Effekte HIIT bei bisher inaktiven, gesunden Erwachsenen erzielt.

Kardiorespiratorische Fitness: HIIT hat Vorteile – aber begrenzte

Gegenüber keiner Trainingsintervention verbessert HIIT die maximale Sauerstoffaufnahme (VO₂max) wahrscheinlich deutlich. Im Vergleich zu moderatem Ausdauertraining fällt der Vorteil möglicherweise vorhanden, aber gering aus (GRADE: niedrig). Eine Subgruppenanalyse deutet darauf hin, dass Frauen stärker profitieren könnten als Männer. Beim Bauchumfang zeigten sich im Vergleich zu keiner Intervention durchschnittlich rund 3,6 cm Reduktion – ein relevanter Befund mit Blick auf das kardiometabolische Risiko.

Blutdruck und Triglyceride: Kein klarer Vorteil gegenüber moderatem Training

Bei wichtigen Herz-Kreislauf-Markern wie Blutdruck und Triglyceridwerten ergaben sich im Vergleich zu klassischem Ausdauertraining möglicherweise keine relevanten Unterschiede (GRADE: niedrig). Das bedeutet: HIIT ist nicht zwingend überlegen – aber es ist eine gleichwertige, für manche Patientengruppen potenziell motivierendere Alternative, da es abwechslungsreicher und zeiteffizienter ist.

Evidenzlücken – besonders zu Sicherheit und Langzeiteffekten

Kritisch anzumerken: Keine der 58 Studien berichtete systematisch über unerwünschte Ereignisse. Ob HIIT ohne Aufsicht sicher durchführbar ist, bleibt ungeklärt. Klinisch relevante Endpunkte wie Herzinfarkt, Diabetes-Inzidenz oder Mortalität wurden in den eingeschlossenen Kurzzeit-Studien (4–16 Wochen) nicht untersucht. Für die Beratung im Praxisalltag gilt daher: HIIT kann – insbesondere unter Anleitung – eine sinnvolle Ergänzung sein, ersetzt aber nicht die Empfehlung zu regelmäßiger moderater Bewegung als gesicherter Basismaßnahme.

Quelle: Pressemitteilung der Cochrane Deutschland vom 07.04.2026 : Cochrane Review: Was bringt hochintensives Intervalltraining für gesunde, aber bisher inaktive Menschen?

Originalpublikation: Strauss JA, Kirwan R, Ranasinghe C, Schwingshackl L et al. High-intensity interval training for reducing cardiometabolic syndrome in healthy but sedentary populations. Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, Issue 3. Art. No.: CD013617.

Weitere Beiträge zu diesem Thema

3D-Grafik eines menschlichen Körpers von der Seite mit Organen und illustriertem viszeralen Fett.

ACC1-Hemmung: Mögliche Folgen für die Immunbalance im Fettgewebe

Aktuelles

Eine Mausstudie zeigt, wie ACC1 die Funktion von Immunzellen im Fettgewebe erhält. Die Ergebnisse erklären mögliche Entzündungsmechanismen bei Adipositas – ändern aber noch keine Therapie bei Diabetes.

Diabetologie

Komorbiditäten von Diabetes

Beitrag lesen
Ein Krankenschwester misst bei einem jungen Mädchen in der Fingerkuppe den Blutzuckerspiegel.

Typ-1-Diabetes: DDG sieht noch keine Grundlage für ein bundesweites Screening

Aktuelles

Ein Inselautoantikörper-Screening kann Typ-1-Diabetes vor der klinischen Manifestation erkennen. Die DDG sieht jedoch noch keine ausreichende Grundlage für ein bundesweites Angebot an alle Kinder. Entscheidend sind Testqualität, Beratung und strukturierte ...

Diabetologie

Typ-1-Diabetes

Beitrag lesen

Typ-2-Diabetes: 5-Jahresrisiko für Nieren-, Herzinsuffizienz oder Tod bei 33 %

Aktuelles

Eine US-Analyse mit mehr als 1,6 Millionen Menschen mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes beziffert das kombinierte Fünfjahresrisiko für Nierenerkrankung, Herzinsuffizienz oder Tod auf 33 Prozent.

Diabetologie

Typ-2-Diabetes

Beitrag lesen