Die Wechseljahre verändern den Stoffwechsel. Sinkende Östrogenspiegel begünstigen Bauchfett und Insulinresistenz. Zum Weltmenopausentag am 18. Oktober empfiehlt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) einen gezielten Stoffwechsel-Check in der Lebensmitte.
Hitzewallungen, Schlafstörungen und Gewichtszunahme gelten als typische Beschwerden der Menopause. Weniger im Blick ist oft, dass sich in dieser Lebensphase auch der Stoffwechsel verändert. Schwankende Östrogenspiegel, bereits in der Perimenopause, können viszerales Fett fördern und die Insulinempfindlichkeit verringern. Diese Veränderungen treten häufig auf, bevor Cholesterin- oder Blutdruckwerte auffällig werden.
Für Behandelnde in Diabetologie, Endokrinologie, Gynäkologie und Hausarztpraxis ergibt sich daraus ein klarer Auftrag: Die Lebensphase Menopause sollte gezielt in Prävention und Therapieplanung einbezogen werden.
Risiko für Typ-2-Diabetes steigt schrittweise
Die Menopause verursacht keinen Typ-2-Diabetes im engeren Sinne. Sie kann aber Faktoren verstärken, die das Risiko erhöhen: geringere Muskelmasse, mehr Bauchfett, sinkende Insulinempfindlichkeit, steigender Blutdruck und ungünstigere Blutfette. Die DDG verweist auf internationale Studien, nach denen Frauen mit einer Menopause vor dem 45. Lebensjahr ein rund 30 Prozent höheres Typ-2-Diabetes-Risiko haben. Die Pressemitteilung nennt dafür allerdings keine konkrete Primärquelle; diese sollte vor einer Verwendung in Patientenmaterialien gesondert geprüft werden.
Die DDG empfiehlt, Blutglukose, Herz- und Leberwerte in der Perimenopause routinemäßig zu prüfen. Besonders relevant ist dies bei Übergewicht, familiärer Diabetesbelastung oder früherem Gestationsdiabetes. Als Parameter nennt die Fachgesellschaft Nüchternglukose oder HbA1c, Blutdruck, Blutfette, Gewicht, Taillenumfang und Leberwerte.
Gestationsdiabetes als dauerhafter Risikomarker
Frauen mit einem Gestationsdiabetes in der Schwangerschaft tragen auch nach der Geburt ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes. Die Anamnese zum Schwangerschaftsdiabetes sollte deshalb spätestens in der Perimenopause aktiv abgefragt und in die Risikoeinschätzung einbezogen werden.
Bewegung und Lebensstil als wirksame Hebel
Regelmäßige körperliche Aktivität gilt als wirksamster Ansatzpunkt. Muskeltraining verbessert die Insulinempfindlichkeit, unterstützt den Erhalt von Muskel- und Knochenmasse und kann einer Gewichtszunahme entgegenwirken. Ergänzend sind ausreichender Schlaf, Stressreduktion und eine ballaststoffreiche Ernährung mit wenig stark verarbeiteten Lebensmitteln sinnvoll. Die DDG empfiehlt 2–3 gezielte Krafttrainingseinheiten pro Woche, ergänzt durch Ausdauerbelastung.
Menopause bei Frauen mit Typ-1-Diabetes
Bei Frauen mit Typ-1-Diabetes steht weniger das Erkrankungsrisiko im Vordergrund als die Glukoseregulation. Hormonelle Schwankungen können den Insulinbedarf verändern. Eine aktuelle niederländische Querschnittsbefragung unter Frauen mit Typ-1-Diabetes nach der Menopause zeigte, dass viele Teilnehmerinnen veränderte Glukoseverläufe wahrnahmen. (siehe Literatur unten) Die Befragung basiert auf subjektiven Angaben der Teilnehmerinnen, liefert aber einen Hinweis darauf, dass Glukosedaten in dieser Phase genauer ausgewertet werden sollten. Therapieanpassungen sollten gemeinsam mit den Betroffenen erfolgen.
Hypoglykämie oder Wechseljahresbeschwerden?
Herzrasen, Schwitzen und Unruhe können sowohl Ausdruck von Hitzewallungen als auch Zeichen einer Unterzuckerung sein. Manche Patientinnen nehmen daher vorsorglich Kohlenhydrate zu sich, obwohl keine Hypoglykämie vorliegt. Andere deuten eine Hypoglykämie als Wechseljahresbeschwerde und unterschätzen sie. Häufigere Blutglukosemessungen helfen, beides zu unterscheiden. Behandelnde sollten Betroffene gezielt auf diese Verwechslungsgefahr hinweisen.
Handlungsempfehlungen für die Praxis
- Stoffwechselstatus in der Perimenopause erheben: Glukose bzw. HbA1c, Blutdruck, Blutfette, Taillenumfang und Leberwerte
- Gestationsdiabetes in der Anamnese gezielt erfragen
- Glukoseprofile in der Menopause enger auswerten und Therapie bei Bedarf anpassen
- Bewegungs- und Ernährungsberatung als alltagstaugliche Prävention anbieten
- Frauen aktiv auf die Differenzialdiagnose Hypoglykämie versus Hitzewallung hinweisen
- Menopause in der interdisziplinären Zusammenarbeit (Hausarzt, Gynäkologie, Diabetologie) berücksichtigen
Quellen:
Pressemitteilung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) vom 15.10.2026: Weltmenopausentag am 18. Oktober: Warum Frauen in den Wechseljahren jetzt ihr Diabetesrisiko kennen sollten
diaINFO: Factsheet „Diabetes in den Wechseljahren – Was Ihre Patientinnen wissen sollten“ (2023). PDF
Literatur: Speksnijder EM, Simsek S, Bisschop PH, Stenvers DJ, Siegelaar SE; MenoPause Consortium. Perceived blood glucose regulation after menopause: a cross-sectional survey in women with type 1 diabetes in the Netherlands. Diabetologia. 2025 Nov;68(11):2499-2510. doi: 10.1007/s00125-025-06518-z. Paper





