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Ernährungssystem im Wandel: Chancen für Diabetesprävention durch Agrarwende

Frau trägt eine Kiste voller Gemüse über ein Feld

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Ernährungssystem im Wandel: Chancen für Diabetesprävention durch Agrarwende

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mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: diabetes heute

Eine neue Studie in Nature zeigt: Würde die Welt bis 2050 auf eine gesündere, nachhaltigere Ernährung umstellen, könnten Millionen vorzeitige Todesfälle vermieden – und die Landwirtschaft grundlegend verändert werden. Für die Diabetesversorgung liefern die Daten wichtige Hintergründe.

Ernährung ist eine der stärksten Stellschrauben in der Prävention und Therapie von Typ-2-Diabetes. Was Menschen essen, beeinflusst nicht nur ihren individuellen Glukosestoffwechsel, sondern ist eingebettet in globale Produktions- und Versorgungssysteme. Eine neue, international breit abgestützte Modellierungsstudie, die am 15. Juli 2026 in Nature veröffentlicht wurde, stellt nun die strukturelle Dimension dieser Frage in den Vordergrund: Wie würde sich eine weltweite Ernährungswende auf Landwirtschaft, Klima und letztlich die Gesundheit der Bevölkerung auswirken?

Weniger Tierhaltung, mehr pflanzliche Produkte

Die Ergebnisse sind eindeutig: Im Transformationsszenario würde die weltweite landwirtschaftliche Flächennutzung um 9 Prozent sinken, der Produktionswert der Tierhaltung um 60 Prozent zurückgehen und die gesamte landwirtschaftliche Produktion läge um 17 Prozent unter dem Business-as-usual-Niveau. Demgegenüber stiege der wirtschaftliche Produktionswert von Gemüse, Obst, Nüssen und Hülsenfrüchten um rund 23 Prozent.

Für das Klima wären die Effekte erheblich: Die Netto-CO_2-Emissionen aus landwirtschaftlich bedingten Landnutzungsänderungen würden um 76 Prozent sinken, die direkten Methan- und Lachgasemissionen aus der Landwirtschaft um rund ein Drittel.

Relevanz für Diabetes: Was die Planetary Health Diet leistet

Der EAT-Lancet-Bericht 2025, auf den die Studie Bezug nimmt, belegt: Eine Umstellung auf die Planetary Health Diet könnte weltweit jährlich bis zu 15 Millionen vorzeitige Todesfälle verhindern – darunter explizit Todesfälle durch Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmte Krebserkrankungen. Eine 2024 erschienene Übersichtsarbeit zu 28 Studien bestätigte, dass die PHD mit signifikant niedrigeren Raten von Diabetes, kardiovaskulären Erkrankungen, Krebs und Gesamtmortalität assoziiert ist .

Die Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE, 2024) decken sich weitgehend mit den PHD-Prinzipien: pflanzenbasiert, ballaststoffreich, arm an gesättigten Fettsäuren und verarbeiteten Lebensmitteln. Sie senken nachgewiesenermaßen das Risiko für die Entstehung von Typ-2-Diabetes und reduzieren ernährungsbedingte Treibhausgasemissionen um bis zu 45 % .

Einordnung für die Praxis

Für Behandelnde im diabetologischen Alltag unterstreicht diese Studie die Bedeutung struktureller Rahmenbedingungen für das Ernährungsverhalten ihrer Patientinnen und Patienten. Individuelle Ernährungsberatung findet stets im Kontext von Verfügbarkeit, Preisniveau und gesellschaftlichen Normen statt – Faktoren, die maßgeblich durch Agrar- und Ernährungspolitik geprägt werden.

Die Studie macht deutlich: Eine proaktive Politik – Subventionen für Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte, gepaart mit Lenkungsmaßnahmen bei ungesunden Lebensmitteln – könnte den Rahmen schaffen, in dem gesündere Ernährungsweisen auch für einkommensschwächere Bevölkerungsgruppen realistisch werden. Dies wäre auch für die Diabetesprävention und -therapie ein substanzieller Gewinn.

Quelle: Pressemitteilung der Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung vom 15.07.2026

Literatur: 

Gibson, M. et al. (2026): Food systems transformation would reshape global agriculture. Nature. Paper

Rockström, J., Thilsted, S. H., Willett, W. C. et al. (2025): The EAT–Lancet Commission on healthy, sustainable, and just food systems. The Lancet, 406 (10512): 1625–1700. DOI: 10.1016/S0140-6736(25)01201-2

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Planetary Health Diet.

Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Update für die Planetary Health Diet.

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