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PAD4-Hemmung als Schutz vor Herz- und Nierenschäden bei Diabetes

3D-Grafik eines gläsernen Körpers mit farbig hervorgehobenem Herz sowie Nieren.

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PAD4-Hemmung als Schutz vor Herz- und Nierenschäden bei Diabetes

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mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: diabetes heute

Diabetologinnen und Diabetologen sehen es im Alltag: Trotz optimaler Blutzuckerwerte entwickeln viele Menschen mit Diabetes schwerwiegende Komplikationen wie Herzschwäche und Niereninsuffizienz. Eine jetzt im European Heart Journal publizierte Studie bringt Licht ins Dunkel der Pathogenese und eröffnet neue Therapieansätze. Das internationale Forschungsteam unter Leitung des Universitätsklinikums Freiburg identifiziert den Immunmechanismus rund um das Enzym Peptidylarginin-Deiminase 4 (PAD4) als einen entscheidenden Faktor, der zu diesen Folgeschäden führt.

Wissenschaftlich bewiesen: PAD4 aktiviert das Immunsystem und schädigt Herz und Nieren

Die Forschenden analysierten endomyokardiale Biopsien von 20 Personen mit Herzinsuffizienz sowie mit und ohne Diabetes und führten aufwändige Mausstudien durch.

Das Ergebnis:

  • Menschen mit Diabetes und Herzschwäche zeigten signifikant mehr Ablagerungen neutrophiler extrazellulärer Fallen (NETs) im Herzgewebe.
  • Je mehr NETs nachgewiesen wurden, desto schlechter war die Herzfunktion – ein klarer Zusammenhang zwischen Entzündungsaktivität und Organschäden.

In den Tiermodellen entwickelten nur Mäuse mit funktionsfähigem PAD4 nach diabetesinduzierter Hyperglykämie die typischen kardialen und renalen Schäden. PAD4-defiziente Tiere blieben trotz erhöhtem Blutzucker erstaunlich geschützt: Sie zeigten weder relevante Herz- noch Nierenschäden wie ihre PAD4-intakten Artgenossen.

Mechanistische Details: So verknüpft PAD4 Diabetes mit Entzündung und Organschaden

Hohe Glukosewerte setzen im Blut die Neutrophilen Granulozyten in Alarmbereitschaft:

  • Es kommt zu einer inflammasome-abhängigen Aktivierung und verstärkter NETose (Freisetzung von NETs), vermittelt durch PAD4.
  • Die so initiierte chronische Entzündungsreaktion greift gesundes Gewebe an und ist somit direkt verantwortlich für Funktionseinbußen des Herzens und der Niere.

Diese Erkenntnisse zeigen: Die alleinige Blutzuckerkontrolle reicht in vielen Fällen nicht aus, um Folgeerkrankungen von Diabetes zu verhindern.

Ergebnisse öffnen neue therapeutische und diagnostische Wege

PAD4 fungiert als „biologischer Schalter“ für pathologische Entzündungsvorgänge.
Praktische Konsequenzen für Diabetologinnen und Diabetologen:

  • Eine zukünftige Therapieoption könnte die gezielte Hemmung von PAD4 sein, um kardiovaskuläre und renale Langzeitschäden bei Diabetes-Patienten wirksam zu verhindern.
  • Die Studienergebnisse legen nahe, neue Biomarker (z. B. NET-Belastung, Entzündungsmarker) in die Routinediagnostik aufzunehmen – für eine verbesserte Risikostratifizierung und Verlaufskontrolle.

Interdisziplinarität ist gefragt: Die Verschränkung von Diabetologie, Kardiologie und Nephrologie wird immer wichtiger, da die Pathogenese der Folgeschäden bei Diabetes komplexer ist als bisher angenommen.

Fazit: Mehr Prävention als nur Blutzuckerregulierung

Die Studie fordert ein Umdenken bei der Versorgung von Menschen mit Diabetes:
1. Personen mit einem erhöhten Risiko sollten über klassisches Monitoring hinaus auf immunologische Entzündungsmarker untersucht und behandelt werden.
2. PAD4-Inhibitoren könnten die künftige Versorgung revolutionieren.
3. Behandelnde sind gefordert, die praktische Implementierung neuer Erkenntnisse im Praxisalltag aktiv mitzugestalten.

Originalpublikation: Schommer N, Gendron N, Krauel K, Van Bruggen S, Jarrot PA, Maier A, Chan W, Langer HF, Duerschmied D, Westermann D, Klingel K, Wagner DD, Heger LA. Neutrophil extracellular traps and peptidylarginine deiminase 4-mediated inflammasome activation link diabetes to cardiorenal injury and heart failure. Eur Heart J. 2025 Nov 27:ehaf963. doi: 10.1093/eurheartj/ehaf963. [Paper]

Quelle: Pressemitteilung der Universitätsklinikum Freiburg vom 12.01.2026 : Ursache für Folgeschäden bei Diabetes entdeckt

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