Eine bundesweite Analyse zeigt eine niedrigere Krankenhaussterblichkeit und kürzere Liegedauer für Menschen mit Diabetes in DDG-zertifizierten Kliniken. Für Behandelnde unterstreichen die Daten den Stellenwert standardisierter Abläufe und diabetologischer Expertise.
Im Krankenhaus treffen bei Menschen mit Diabetes häufig mehrere Risikofaktoren aufeinander: akute Infektionen, operative Eingriffe, Nüchternheit, veränderte Mahlzeiten, Kortikosteroidtherapien oder Anpassungen der Medikation. Besonders bei Insulintherapie, Diabetes Typ 1, Insulinpumpen und kontinuierlicher Glukosemessung können unklare Verantwortlichkeiten die Versorgung gefährden.
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) weist deshalb auf die Bedeutung einer frühzeitigen Einbindung diabetologischer Kompetenz hin. Neue Routinedaten aus Deutschland liefern zusätzliche Hinweise darauf, dass zertifizierte Versorgungsstrukturen mit besseren stationären Behandlungsergebnissen verbunden sind.
Große Zahl stationärer Fälle mit Diabetes
Für die Jahre 2021 bis 2023 wurden bundesweit 43,4 Millionen stationäre Fälle ausgewertet. Bei rund 8,1 Millionen Fällen – entsprechend 18,5 Prozent – war ein Diabetes als Haupt- oder Nebendiagnose dokumentiert. Die Analyse umfasste 300 diabeteszertifizierte und 1.103 nicht zertifizierte Krankenhäuser. 60,7 Prozent der stationären Fälle mit Diabetes wurden in nicht zertifizierten Kliniken behandelt.
Nach statistischer Adjustierung lag die Krankenhaussterblichkeit in zertifizierten Kliniken bei 3,11 Prozent gegenüber 3,16 Prozent in nicht zertifizierten Häusern. Zudem war die mittlere Liegedauer mit 7,93 gegenüber 8,96 Tagen kürzer. Die Unterschiede waren besonders deutlich, wenn Diabetes der Hauptaufnahmegrund war. Für Fälle mit Typ-1-Diabetes betrug die adjustierte Odds Ratio für die Sterblichkeit 0,59, für Typ-2-Diabetes 0,87.
Auch bei akuten Stoffwechselentgleisungen zeigten sich Vorteile: Bei diabetischer Ketoazidose lag die Odds Ratio für die Sterblichkeit bei 0,88, bei Hypoglykämie bei 0,79. Die Studie untersuchte allerdings Routinedaten und kann daher keinen kausalen Effekt der Zertifizierung beweisen. Möglich ist beispielsweise, dass zertifizierte Kliniken sich zusätzlich durch andere Struktur- oder Qualitätsmerkmale unterscheiden.
Diabetesmanagement muss frühzeitig geklärt werden
Für Behandelnde ergeben sich dennoch klare praktische Konsequenzen. Bereits bei der Aufnahme sollten Diabetesform, aktuelle antidiabetische Therapie, Insulinschema, Pumpeneinstellungen und der Umgang mit CGM- oder FGM-Systemen dokumentiert werden. Ebenso wichtig ist die Festlegung, wer während des Aufenthalts für die Stoffwechseleinstellung verantwortlich ist.
Besondere Aufmerksamkeit erfordern Infektionen. Bei einer Pneumonie, einer Pyelonephritis oder anderen akuten Erkrankungen kann der Insulinbedarf deutlich steigen. Nach erfolgreicher Behandlung und rückläufiger Stressreaktion kann sich der Bedarf dagegen wieder reduzieren. Ohne engmaschige Reevaluation besteht dann ein relevantes Hypoglykämierisiko.
Auch perioperativ müssen Insulin, Nahrungsaufnahme, Untersuchungen und OP-Zeitpunkt aufeinander abgestimmt werden. Bei Personen mit Insulinpumpe oder Glukosesensor sollte vorab geklärt werden, ob die Systeme weitergeführt werden können, wer die Werte beurteilt und welche Kriterien bei technischen oder klinischen Problemen gelten.
Zertifizierung als Strukturmerkmal – nicht als alleinige Qualitätsgarantie
Die DDG führt als Orientierung an, dass zertifizierte Kliniken über diabetologisch geschulte Fachkräfte, qualifiziertes Pflegepersonal und definierte Abläufe verfügen sollten. Für geplante Aufenthalte kann die Frage nach einer DDG-Zertifizierung daher sinnvoll sein. Sie ersetzt jedoch nicht die individuelle Prüfung, ob das konkrete Krankenhaus über ausreichende Erfahrung mit komplexen Therapien, Pumpen, Sensoren und akuten Stoffwechselentgleisungen verfügt.
Die DDG fordert verbindliche klinische Prozesse und mehr diabetologische Expertise in Krankenhäusern. Für die Versorgungspraxis bedeutet dies: Diabetes sollte unabhängig vom eigentlichen Aufnahmegrund systematisch in Aufnahme, Diagnostik, Therapieplanung, Übergaben und Entlassmanagement berücksichtigt werden.
Fazit für die Praxis
Die vorliegenden Daten sprechen dafür, diabetologische Kompetenz als festen Bestandteil der stationären Qualitätssicherung zu betrachten. Entscheidend sind klare Zuständigkeiten, standardisierte Insulin- und Hypoglykämieprozesse sowie eine sichere Kommunikation beim Übergang zwischen ambulanter und stationärer Versorgung.
Quelle:
Pressemitteilung der Deutschen Diabetes Gesellschaft vom 14.09.2026: Patientensicherheit im Klinikalltag.
Pressemitteilung der Deutschen Diabetes Gesellschaft vom 14.06.2026: Neue Daten zeigen niedrigere Krankenhaussterblichkeit und kürzere Liegedauer von Menschen mit Diabetes in DDG-zertifizierten Zentren
Originalpublikation:
Auzanneau M, Fritsche A, Eckert AJ, Seidel-Jacobs E, Heni M, Lanzinger S. In-hospital outcomes of adults with diabetes treated in certified vs. non-certified hospitals: a nationwide analysis of German DRG statistics. Front Health Serv. 2026 May 21;6:1782882. [Paper]





