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Von der Theorie zur Tat – „Jede Bewegung zählt“

Eine übergewichtige Frau sitzt im Sportoutfit in einer Turnhalle auf dem Boden und lächelt in die Kamera

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Von der Theorie zur Tat – „Jede Bewegung zählt“

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Erschienen in: diabetes heute

Im Rahmen der DDG-Herbsttagung 2025 stand die praktische Umsetzung von Präventionsmaßnahmen im Mittelpunkt der Session »Prävention aus der Praxis für die Praxis«. Die Integration von Lebensstilinterventionen in den diabetologischen Alltag ist herausfordernd. Besonders praxisnah war der Vortrag von Dr. Ulrike Becker aus Bonn, Mitglied der AG Sport und Bewegung der DDG, zum Thema Sportintervention.

Empfehlungen und neue Wege der Bewegungsförderung

Dr. Becker erinnerte daran, dass alle Menschen – unabhängig von Diabetes – mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche anstreben sollten.

„Wir müssen jede Gelegenheit nutzen, um Menschen in Bewegung zu bringen.“

Dr. Ulrike Becker

Die Initiative »Rezept auf Bewegung«, eine Kooperation des DOSB und der Bundesärztekammer, ermöglicht es, gezielt an Sportvereine mit zertifiziertem Präventionsangebot zu vermitteln. Über ein neu gestaltetes Formular erhalten Betroffene Zugang zu einer Bewegungslandkarte mit transparenten Sportangeboten.

Allerdings sind viele dieser Programme bislang nicht abrechnungsfähig, so dass Teilnehmende die Kosten oft selbst tragen müssen. Digitale Hilfsmittel wie Bewegungs-Apps und Online-Programme gewinnen daher zunehmend an Bedeutung.

WHO-Empfehlungen

Die WHO unterstreicht mit ihrer Kampagne »Every Move Counts«, dass jede Form von Aktivität einen gesundheitlichen Mehrwert bietet. Die Empfehlungen lauten: Sitzende Zeit begrenzen und durch Bewegung ersetzen, mindestens 150 bis 300 Minuten pro Woche für Erwachsene und ältere Menschen, 60 Minuten täglich für Kinder und Jugendliche. Muskelkräftigende Aktivitäten sollten mindestens an zwei Tagen pro Woche erfolgen. Im höheren Alter sollte zusätzlich ein Balancetraining absolviert werden. Die Botschaft lautet: „Any is better than none“ und „More is better“ – mehr Bewegung bringt mehr Nutzen für alle Menschen, unabhängig von Alter oder Gesundheitsstatus.

Strukturierte Bewegungsprogramme:

Das Phasenmodell für Bewegungsprogramme gliedert sich in 4 Abschnitte:

  1. Intensiv starten: Drei Tage ganztägig ambulant oder fünf Tage stationär, wobei die Teilnehmenden von der Arbeit freigestellt werden.
  2. Regelmäßig trainieren: Über drei Monate hinweg ein- bis zweimal pro Woche, berufsbegleitend (morgens oder abends).
  3. Motiviert dranbleiben: Drei Monate selbstständig trainieren, ebenfalls berufsbegleitend.
  4. Auffrischen: Ein Tag ganztägig ambulant oder drei Tage stationär, erneut mit Freistellung von der Arbeit.

Die Dauer der Phasen kann je nach Einrichtung und Bundesland variieren. Dieses strukturierte Vorgehen erleichtert die nachhaltige Integration von Bewegung in den Alltag und unterstützt die Motivation.

Kassenleistungen und Rehasport:

Die gesetzlichen Krankenkassen sind gemäß § 20 SGB V verpflichtet, Präventionsangebote zu fördern. Dazu gehören zertifizierte Kurse zu Bewegung, Ernährung und Stressmanagement, die nach regelmäßiger Teilnahme zu ca. 75 % rückerstattet werden. Gefördert werden Gruppenkurse, die sich über etwa drei Monate erstrecken und in der Regel 8 bis 12 Einheiten à 45 bis 90 Minuten umfassen. Die Kurse finden entweder vor Ort, beispielsweise in Volkshochschulen, Gesundheitszentren oder Sportvereinen, oder alternativ online statt.

Die Empfehlung erfolgt über das Praxisverwaltungssystem (Muster 36). Besonders gern empfiehlt Dr. Becker Wassergymnastik als Präventionsmaßnahme.

Für Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes und Adipositas bietet Rehasport (Muster 56) eine nachhaltige Möglichkeit, eigenverantwortlich und langfristig Bewegung in den Alltag zu integrieren. Rehasport kann für jede chronische Erkrankung verordnet werden und ist kostenlos für die Patientinnen und Patienten. In der Regel werden 50 Übungseinheiten innerhalb von 18 Monaten bewilligt, wobei die Kosten extrabudgetär übernommen werden. Bei bestimmten Erkrankungen, etwa Diabetes mellitus mit Folgeerkrankungen, ist auch ein erweiterter Leistungsumfang mit bis zu 120 Einheiten in 36 Monaten möglich.

Alltagstaugliche Impulse und Motivation

Ein Highlight aus Dr. Beckers Praxis: Mit kurzen, selbst produzierten Videos im Wartezimmer werden Patientinnen und Patienten zu kleinen Bewegungseinheiten animiert – vom „30 Sekunden im Sitzen auf der Stelle gehen“ bis zu einfachen Kraftübungen. Besonders motivierend sei laut der Diabetologin, dass „die Chefin selbst in den Videos vorturnt“. Niedrigschwellige Angebote wie das »Alltagstrainingprogramm« oder die Bewegungskarten in der »Bewegungspackung« werden als unterstützende Tools empfohlen. Digitale Lösungen wie die App »Bewegungsrevolution« oder »SilberFit« bieten weitere Möglichkeiten.

Statt nur allgemein nach Bewegung zu fragen, lohnt es sich, laut der Expertin, gezielt nach konkreten Aktivitäten, Dauer und Häufigkeit zu erkundigen – ähnlich wie bei der Medikamentenanamnese, bei der Details zu Präparaten und Dosierung wichtig sind. So lassen sich individuelle Ansatzpunkte erkennen und gezielte Tipps zur Verbesserung der Bewegungsroutine geben.

„Es gibt Hinweise dafür, dass medizinische Teams, die selbst ein gesundheitsförderndes Verhalten praktizieren, dies auch häufiger an ihre Patientinnen und Patienten weitergeben.“

Dr. Ulrike Becker (nach Oberg; Frank 2009 und Dresner; Shani 2013)

Fazit

Prävention durch Bewegung ist in der Diabetologie längst mehr als ein Lippenbekenntnis – sie wird zunehmend praktisch, digital und individuell. Die Herausforderung bleibt, strukturelle Hürden zu überwinden und die Motivation im Alltag hochzuhalten. Mit kreativen Ansätzen, interdisziplinärer Zusammenarbeit und der klaren Botschaft „Jede Bewegung zählt“ können Patientinnen und Patienten motiviert werden, Bewegung dauerhaft und mit Freude in ihren Alltag zu integrieren.

Aktueller Winter-Tipp der DGIM

Gerade im Winter sinkt bei vielen Menschen die Lust auf Bewegung – dabei ist sie jetzt besonders wichtig!

Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) betont: Regelmäßige Aktivität wie Spaziergänge, Radfahren oder moderates Joggen stärkt das Immunsystem und senkt das Risiko für Herz- und Stoffwechselerkrankungen. Wer auch in der kalten Jahreszeit aktiv bleibt, kann saisonale Infekte oft abmildern und die Abwehrkräfte stärken.

Wichtig: Bei Fieber, starkem Husten oder Gliederschmerzen ist eine Pause angesagt, um Spätfolgen wie Herzmuskelentzündungen zu vermeiden. Nach einem fieberhaften Infekt sollte der Wiedereinstieg in den Sport frühestens eine Woche nach vollständiger Genesung erfolgen.

Quelle: Pressemitteilung der DGIM (Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V.), Pressemitteilung vom 16.12..2025

Autorin: Birgit Schulze

Quelle: DDG-Herbsttagung 2025; Session: „Prävention aus der Praxis für die Praxis // Prävention ganz praktisch“; 08.11.2025

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