Gynäkologie » Sonstiges

»

Beckenvenensyndrom als Ursache chronischer Unterleibsschmerzen

3D-Visualisierung des weiblichen Beckens mit hervorgehobenen Blutgefaessen – Beckenvenensyndrom als Ursache chronischer Unterleibsschmerzen

Quelle: © AH Creation – stock.adobe.com

Beckenvenensyndrom als Ursache chronischer Unterleibsschmerzen

Aktuelles

Gynäkologie

Sonstiges

mgb medizin Redaktion

Verlag

3 MIN

Erschienen in: gyne

Das Beckenvenensyndrom ist eine oft übersehene Ursache chronischer Unterleibsschmerzen bei Frauen. Erweiterte Beckenvenen mit undichten Venenklappen führen zu einem Blutrückstau, der Schmerzen verursacht. Besonders betroffen sind Frauen nach Schwangerschaften. Die Symptome ähneln anderen Erkrankungen und werden häufig fehlgedeutet. Bei unauffälligen gynäkologischen Befunden sollte eine Überweisung zur Radiologie oder Gefäßmedizin erfolgen. Therapieoptionen reichen von medikamentöser Behandlung bis zur Embolisation.

Was ist das Beckenvenensyndrom?

Das Beckenvenensyndrom (Pelvic Congestion Syndrome, PCS) ist eine Erkrankung der Venen im Becken, die häufig unerkannt bleibt. Betroffen ist meist die Ovarialvene, die das Blut aus den Eierstöcken und der Gebärmutter ableitet. Mehrere Schwangerschaften, oft in Kombination mit einer Bindegewebsschwäche, können dazu führen, dass sich die Vene dauerhaft erweitert. In der Folge schließen die zugehörigen Venenklappen nicht mehr zuverlässig.

„Venenklappen funktionieren am besten in eher schmalen Venen. Weitet sich die Ovarialvene im Laufe der Zeit und insbesondere nach einer oder mehrerer Geburten deutlich, können die Klappensegel nicht mehr zuverlässig schließen. Das Blut fließt dann nicht mehr vollständig Richtung Herz ab, sondern teilweise zurück ins Becken. Insbesondere im Stehen oder unter körperlicher Belastung führt dieser Rückfluss zu einem Stau bis in die Beckenvenen, der Schmerzen verursachen kann“

PD Dr. Michael Moche, Chefarzt der Klinik für Interventionelle Radiologie und Leiter des Interdisziplinären Gefäßzentrums im Herzzentrum und Helios Park-Klinikum Leipzig.

Der erhöhte Druck in den Beckenvenen kann umliegendes Gewebe und Nerven reizen und so die typischen Unterleibsschmerzen auslösen.

Typische Symptome erkennen

Das Leitsymptom des Beckenvenensyndroms sind chronische Unterleibsschmerzen. Sie werden häufig als dumpf, ziehend oder drückend beschrieben und bestehen über Monate oder Jahre. Typisch ist weniger die Stärke der Schmerzen als ihr Verlauf. Viele Frauen berichten, dass die Beschwerden im Stehen oder Sitzen zunehmen, sich im Tagesverlauf verschlimmern und vor oder während der Periode stärker werden. Oft treten sie nach Schwangerschaften erstmals auf oder nehmen dann zu.

Daneben können weitere Beschwerden auftreten: ein Druck- oder Schweregefühl im Becken, Krampfadern im Intimbereich (Vulvavarizen), Blasenbeschwerden wie häufiger Harndrang, Schmerzen beim oder nach dem Geschlechtsverkehr sowie Rücken- oder Beckenschmerzen.

Warum bleibt das Beckenvenensyndrom oft unerkannt?

Die Symptome ähneln denen vieler anderer Erkrankungen und werden häufig als zyklusabhängige Beschwerden, Endometriose oder psychosomatische Beschwerden eingeordnet. Hier ist die Aufmerksamkeit der behandelnden Gynäkologinnen und Gynäkologen gefragt. Wenn Untersuchungen wiederholt keine Erklärung liefern, lohne es sich stets, eine venöse Ursache gezielt abklären zu lassen, so PD Dr. Moche, Leipzig.

Welche Patientinnen sind besonders betroffen?

Besonders häufig betroffen sind Frauen nach einer oder mehreren Schwangerschaften. Mit jeder weiteren Geburt steigt die Wahrscheinlichkeit für dauerhaft erweiterte Beckenvenen. Auch Frauen mit Bindegewebsschwäche, Krampfadern oder familiärer Vorbelastung haben ein höheres Risiko. Das Beckenvenensyndrom tritt überwiegend vor den Wechseljahren auf, da Östrogene die Gefäßwände dehnbarer machen und den venösen Druck erhöhen.

Überweisung und Therapieoptionen

Kein einzelner Befund allein ermöglicht die Diagnose „Beckenvenensyndrom“. Entscheidend ist die Kombination von Beschwerden, Verlauf und Bildgebung. Wenn gynäkologische Untersuchungen ohne Befund bleiben, können Patientinnen an die Radiologie, Interventionelle Radiologie oder Gefäßmedizin (Phlebologie, Angiologie) überwiesen werden. Die Behandlung richtet sich nach dem Leidensdruck. Medikamentös können entzündungshemmende Schmerzmittel oder hormonelle Präparate die Beschwerden lindern. Bei starken Beschwerden ist die Embolisation ein etabliertes Verfahren. Dabei werden die erweiterten Beckenvenen über einen Katheter gezielt verödet und verschlossen.

Quelle: Gesundheitsmagazin der Helios Kliniken GmbH vom 25.02.2026: Beckenvenensyndrom: Eine oft übersehene Ursache chronischer Unterleibsschmerzen

Weitere Beiträge zu diesem Thema

DGGG-Kongress fordert mehr Wissenschaft in der Versorgung

Kongress

Wie verändert sich die Frauenheilkunde zwischen Forschung und Gesundheitsreform? Der DGGG-Kongress in München liefert Antworten zu Geburtshilfe, Nachwuchsförderung und künftiger Versorgungssicherheit.

Gynäkologie

Sonstiges

Beitrag lesen

Postpartale Hämorrhagie frühzeitig erkennen und behandeln

Kongress

Welche Schritte retten bei einer Postpartalen Hämorrhagie wertvolle Zeit? Fachleute erklären beim DGGG-Kongress, wie Kliniken Risikopatientinnen früh erkennen und eine Eskalation sicher vermeiden.

Gynäkologie

Geburtshilfe

Postpartale Komplikationen

Beitrag lesen

Frauenheilkunde und Geburtshilfe brauchen neue Strukturen

Kongress

Wie lassen sich Frauenheilkunde und Geburtshilfe zukunftsfest machen? Das DGGG-Kongresspräsidium fordert verlässliche Forschungsstrukturen, klare Standards und ein nationales Geburtenregister für mehr Sicherheit.

Gynäkologie

Sonstiges

Beitrag lesen