Die Postpartale Hämorrhagie (PPH) ist weltweit die häufigste mütterliche Todesursache. Beim DGGG-Kongress in München diskutierten Expertinnen und Experten, wie sich Blutungskomplikationen nach der Geburt frühzeitig erkennen und behandeln lassen. Dr. Bettina Hollwitz betonte die rasche Identifikation von Risikopatientinnen, Prof. Christian Haslinger die Vorteile der Vakuumtamponade bei Atonie. Prof. Stefan Hofer stellte das Gerinnungsmanagement der Postpartalen Hämorrhagie vor.
Die Postpartale Hämorrhagie
Die Postpartale Hämorrhagie (PPH) ist weiterhin die häufigste mütterliche Todesursache weltweit. Das machte eine Vortragssession beim DGGG-Kongress in München deutlich. Die Expertinnen und Experten waren sich einig: Eine gute Vorbereitung, eine frühe Diagnostik und eine leitliniengerechte Therapie sind bei der Postpartalen Hämorrhagie entscheidend.
Dr. Bettina Hollwitz aus Hamburg betonte, dass alle Kliniken auf den Ernstfall einer schweren PPH vorbereitet sein müssen. Die Identifikation von Risikopatientinnen ist dabei extrem wichtig. Prophylaxemaßnahmen sollten bereits unmittelbar während der Geburt beginnen. Zeitverzögerungen gilt es laut Hollwitz unbedingt zu vermeiden, um eine Eskalation zu verhindern. Liegt der gemessene Blutverlust bei über 300 Millilitern und zeigt sich gleichzeitig eine gestörte Hämodynamik, ist die Falldefinition erfüllt. Dann ist die niedrige Schwelle zur Einleitung therapeutischer Maßnahmen erreicht. Ärztinnen und Ärzte sollten multidisziplinär vorgehen und frühzeitig die Anästhesie hinzuziehen. Die „Toolbox“ sei heute prall gefüllt, man könne anhand der angenommenen Ursache optimal auswählen, so Hollwitz. Ihr Fazit: Eine Hysterektomie wegen alleiniger Atonie sollte heute kaum mehr vorkommen.
Besser Vakuum statt Ballon bei Atonie
Prof. Dr. Christian Haslinger aus Zürich beschäftigte sich mit einem scheinbaren Widerspruch bei der Postpartalen Hämorrhagie durch Atonie: Eine Ballontamponade kann das Zusammenziehen des Uterus eher verhindern. Bei Blutungen aus dem Plazentabett, nach Placenta praevia oder bei traumatischen Blutungen ergibt die Ballontamponade dagegen durchaus Sinn, so Haslinger. Bei einer Atonie sei eine Vakuum-induzierte Uterustamponade der logischere Ansatz. Die gängigen Katheter lassen sich unkompliziert, rasch und einfach einlegen und sind zudem unterschiedlich kostengünstig. Bei der Uterusatonie wirkt die Vakuumtamponade sofort. Fördert der Katheter weiterhin kontinuierlich Blut, sollte das Team die Strategie hinterfragen. Haslinger fordert zudem mehr randomisierte kontrollierte Studien zu bestehenden Systemen.
Gerinnungsmanagement bei Postpartaler Hämorrhagie
Prof. Stefan Hofer aus Kaiserslautern erläuterte, wie wichtig die frühzeitige Erkennung und ursächliche Behandlung der Postpartalen Hämorrhagie ist. Dabei sollten Ärztinnen und Ärzte auch eine akute obstetrische Koagulopathie erkennen. Die Gabe von Tranexamsäure muss bei diagnostizierter PPH frühzeitig erfolgen, innerhalb von drei Stunden nach der Geburt. Eine routinemäßige vorbeugende Anwendung empfiehlt Hofer dagegen nicht. Fibrinogen sollte gemessen werden. Bei anhaltender schwerer Blutung und nachgewiesenem Mangel ist eine Substitution sinnvoll, mit einem Zielwert von 2g/l. Niedrige Werte zeigen zwar ein erhöhtes Risiko, belegen aber keinen Nutzen einer pauschalen Gabe. Faktor XIII stabilisiert das Gerinnsel und sollte differenziert eingesetzt werden. Eine gezielte Substitution bei schwerer Blutung und entsprechendem Mangel ist laut Leitlinie plausibel. Einen gesicherten klinischen Nutzen bei Routinegabe gibt es bisher nicht, so der Experte. rFVIIa ist bei therapierefraktärer schwerer PPH eine klar definierte Eskalationsoption und damit eine Rescue-Therapie. Entscheidend ist am Ende das vorbereitete Team. Klare Zuständigkeiten, trainierte Abläufe und ein lokales Eskalationsprotokoll verbinden eine schnelle Gerinnungsdiagnostik mit gezielter Therapie und wiederholter Erfolgskontrolle, fasst Hofer zusammen.
Quelle: Vortragssitzung „Postpartale Hämorrhagie“ der AGG e.V. Sektion Klassische Geburtshilfe anlässlich des 66. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V., München, 22. Oktober 2026





