Bereits vor der Pressekonferenz zum diesjährigen DGGG-Kongress betonte das Kongresspräsidium der Veranstaltung: Frauenheilkunde und Geburtshilfe brauchen verlässliche Strukturen. Kongresspräsident Beckmann fordert eine dauerhafte Forschungsarchitektur statt befristeter Förderprogramme. Co-Kongresspräsidentin von Versen will reproduktive Gesundheit über den gesamten Lebensverlauf denken. Co-Kongresspräsidentin Strizek fordert verbindliche Standards, qualifizierte Teams und ein nationales Geburtenregister.
Forschungsförderung braucht langfristige Strukturen
Deutschland verfügt über international konkurrenzfähige Forschung in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Für Kongresspräsident Prof. Dr. Matthias Beckmann, Erlangen, fehlt jedoch eine übergeordnete Struktur, die diese Leistungen sichtbar macht, vernetzt und langfristig absichert. Zeitlich begrenzte Förderprogramme allein reichen dafür nicht aus. Universitätsfrauenkliniken benötigen auch qualifiziertes Personal, geschützte Forschungszeiten sowie belastbare Studien-, Daten- und Biobankstrukturen. „Deutschland hat die wissenschaftliche Exzellenz. Was wir jetzt brauchen, ist eine Forschungsarchitektur in der Frauenheilkunde, die diese Exzellenz dauerhaft sichtbar und wirksam macht“, erklärte Beckmann bereits in seinem vorab vorgelegten Statement.
Die Frau über den gesamten Lebensverlauf im Blick
Co-Kongresspräsidentin Prof. Dr. Frauke von Versen, Basel, beschrieb den Wandel in der gynäkologischen Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. Reproduktive Gesundheit ist eng mit der metabolischen, kardiovaskulären und psychischen Gesundheit verbunden. Entsprechend wichtig ist eine Versorgung, die über einzelne Erkrankungen und Lebensphasen hinausgeht.
Neue nicht-hormonelle Therapieansätze gegen Wechseljahresbeschwerden verdeutlichen, wie Erkenntnisse über neuroendokrine Mechanismen das Behandlungsspektrum erweitern. Förderinitiativen etwa zu Endometriose, Menopause, Kontrazeption und reproduktiver Gesundheit bieten zugleich Chancen, Wissenslücken zu schließen. Entscheidend ist aus Sicht von Versens, diese Impulse nachhaltig in Versorgung, Forschung und Lehre zu verankern.
Geburtshilfe: Sicherheit und individuelle Betreuung verbinden
Sinkende Geburtenzahlen, Fachkräftemangel und medizinisch komplexere Schwangerschaften stellen die Geburtshilfe vor große Aufgaben. Co-Kongresspräsidentin Prof. Dr. Brigitte Strizek, Bonn, forderte in ihrem vorab vorgelegten Statement verbindliche Standards, qualifizierte Teams und ein nationales klinisches Geburtenregister. Gute Daten sollen helfen, Versorgungsqualität zu vergleichen und Strukturen weiterzuentwickeln.
Das Leitbild „Alles unter einem Dach“ verbindet hebammengeleitete Betreuung mit unmittelbar verfügbarer ärztlicher Unterstützung und spezialisierter Perinatalmedizin. Ziel ist eine risikoadaptierte Versorgung mit nahtlosen Übergängen – auch außerhalb großer Zentren.
Quelle: PRESSEMAPPE zum 66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V.





