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Carl-Kaufmann-Medaille 2026

Carl-Kaufmann-Medaille 2026

Kongress

Gynäkologie

Senologie

Mammakarzinom

mgb medizin Redaktion

Verlag

4 MIN

Erschienen in: gyne

Prof. Dr. Marion Kiechle ist mit der Carl-Kaufmann-Medaille ausgezeichnet worden. Die höchste Auszeichnung der Frauenheilkunde im deutschsprachigen Raum wurde ihr im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung des DGGG-Kongresses 2026 in München verliehen. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG) würdigte damit eine herausragende Ärztin, Wissenschaftlerin und Impulsgeberin, die die gynäkologische Onkologie und die Frauenmedizin weit über die Klinik hinaus geprägt hat.

Erbliche Krebserkrankungen und individualisierte Behandlung im Fokus

Im Zentrum der wissenschaftlichen Arbeit von Kiechle steht die gynäkologische Onkologie. Ihre Forschung gilt insbesondere erblichen Krebserkrankungen der Frau sowie der Identifizierung und Etablierung von Zielstrukturen für individualisierte Krebstherapien. In der klinischen Forschung widmet sie sich der Diagnostik, Therapie und Prävention von Tumorerkrankungen der Frau.

Die Verbindung von Forschung und Versorgung prägt auch ihre klinische Arbeit: An der von ihr geleiteten Frauenklinik am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München (TUM) wurden interdisziplinäre, international zertifizierte Zentren für Brustkrebs und gynäkologische Krebserkrankungen etabliert.

Im Rahmen der Laudatio betonte Prof. Dr. Thorsten Fischer, dass Kiechle die Auszeichnung nicht nur für ihre Exzellenz erhalte, sondern auch für ihr Wirken über das Fachliche hinaus. Sie habe gezeigt, dass Fortschritt mit ethischer Verantwortung Hand in Hand gehen müsse, habe gesundheitspolitisches Engagement bewiesen und mache immer wieder deutlich, dass neben dem Beruf auch Platz für Leidenschaft und Spaß am Leben sein müsse.

Kiechle dankte allen, die sie über die Jahre hinweg begleitet haben, und betonte, dass Erfolg nur im Team möglich sei. Die Ehrung betrachte sie als Ansporn dafür, sich auch weiterhin bestmöglich zu engagieren, so Kiechle.

Eine Laufbahn zwischen Klinik, Wissenschaft und Politik

Die 1960 geborene Medizinerin studierte in Freiburg, erhielt dort 1986 ihre Approbation und wurde 1987 promoviert. Von 1987 bis 1989 war sie Stipendiatin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). In dieser Zeit verbrachte sie ein Forschungsjahr am Cancer Center des Southwest Biomedical Research Institute in den USA.

Nach ihrer Tätigkeit als wissenschaftliche Assistentin und ihrer Habilitation in Freiburg im Jahr 1995 wechselte Kiechle nach Kiel. Dort war sie von 1996 bis 2000 als leitende Oberärztin an der Universitäts-Frauenklinik tätig. Seit Oktober 2000 leitet sie als Direktorin die Frauenklinik am Klinikum rechts der Isar der TUM. Darüber hinaus ist sie Vorstandsmitglied der DGGG und außerplanmäßige Professorin an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Von März bis November 2018 übernahm sie als Bayerische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst auch politische Verantwortung.

Höchste Auszeichnung der Frauenheilkunde im deutschsprachigen Raum

Die Carl-Kaufmann-Medaille wurde 1985 anlässlich des 100-jährigen Bestehens der DGGG geschaffen. Sie wird alle zwei Jahre auf dem wissenschaftlichen Kongress der Fachgesellschaft an besonders herausragende Klinikerinnen und Kliniker oder Forscherinnen und Forscher der Frauenheilkunde verliehen. Sie gilt als höchste Auszeichnung, die einer Gynäkologin oder einem Gynäkologen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz zugesprochen werden kann.


Blick in die Forschung: Seltene Genvarianten und Brustkrebsrisiko
Welche seltenen Veränderungen in proteinkodierenden Genabschnitten sind mit Brustkrebs assoziiert? Dieser Frage ging eine 2023 veröffentlichte Studie nach. Für die Metaanalyse führten die Forschenden drei große Datensätze aus Ganzexom-Sequenzierungen zusammen. Diese erfassen die proteinkodierenden Abschnitte des Erbguts. Untersucht wurden Daten von 26.368 Frauen mit Brustkrebs und 217.673 weiblichen Kontrollen.
Die wichtigsten Ergebnisse: Varianten, die zu verkürzten Proteinen führen, waren in sechs Genen mit Brustkrebs assoziiert und erreichten die strenge, für exomweite Analysen festgelegte Signifikanzschwelle: Neben den fünf bekannten Risikogenen ATM, BRCA1, BRCA2, CHEK2 und PALB2 gehörte dazu MAP3K1. Hinweise auf weitere Zusammenhänge zeigten sich für LZTR1, ATR und BARD1; sie erreichten diese Schwelle jedoch nicht. Für CDKN2A ergab sich ebenfalls eine exomweit signifikante Assoziation, wenn als schädlich vorhergesagte seltene Missense-Varianten – Veränderungen, die einen einzelnen Proteinbaustein austauschen – oder proteinverkürzende Varianten berücksichtigt wurden.
Einordnung: Die Ergebnisse erweitern das Wissen über genetische Faktoren des Brustkrebsrisikos. Den zusätzlichen Gesamtbeitrag proteinkodierender Varianten in Genen jenseits der bereits bekannten Risikogene schätzen die Forschenden jedoch als gering ein.


Quellen:

  1. Wissenschaftliche Laufbahn und Forschungsgebiete von Prof. Dr. Marion Kiechle, Zugegriffen am 20.10.2026
  2. Auszeichnungen der DGGG, Zugegriffen am 20.10.2026
  3. Wilcox N, Dumont M, González-Neira A et al. Exome sequencing identifies breast cancer susceptibility genes and defines the contribution of coding variants to breast cancer risk. Nat Genet 2023; 55(9): 1435–1439

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