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Diabetes verläuft bei Frauen anders

Diabetes verläuft bei Frauen anders

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mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: gyne

Diabetes verläuft bei Frauen anders als bei Männern. Hormone wie Östrogen und Progesteron beeinflussen den Insulinbedarf während des Zyklus, in der Schwangerschaft und in den Wechseljahren. PMOS und Gestationsdiabetes erhöhen das Typ-2-Diabetes-Risiko erheblich, bleiben aber oft unerkannt. Automatisierte Insulinsysteme berücksichtigen hormonelle Schwankungen bislang nicht. Gynäkologinnen und Gynäkologen spielen eine wichtige Rolle bei Früherkennung und Prävention.

Hitzewallung oder Hypoglykämie?

Plötzlich Herzklopfen, Schwitzen, innere Unruhe: Handelt es sich um eine Hitzewallung – oder um eine Hypoglykämie? Für Patientinnen mit Diabetes kann diese Unterscheidung entscheidend sein. Anlässlich einer Online-Pressekonferenz machte der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) im Juni 2026 deutlich: Diabetes ist eine zutiefst geschlechtsspezifische Erkrankung – mit Konsequenzen für Diagnostik, Therapie und Beratung.

Zyklus und Insulinbedarf bei Diabetes

Östrogen und Progesteron greifen unmittelbar in den Glukosestoffwechsel ein. In der zweiten Zyklushälfte kann der Insulinbedarf bei Frauen deshalb um bis zu 15 Prozent steigen. Moderne automatisierte Insulindosiersysteme (AID) berücksichtigen diese Schwankungen bislang jedoch nicht. Patientinnen müssen demnach manuell nachsteuern, häufig ohne gezielte Anleitung.

PMOS und Gestationsdiabetes: Unterschätzte Risikofaktoren

Besonders relevant für die gynäkologische Praxis ist das Polyendokrine Metabolische Ovarialsyndrom (PMOS, ehemals PCOS). Die aktualisierte Namensgebung verdeutlicht, dass es sich um eine Multisystemerkrankung handelt. Betroffen ist etwa jede achte Frau und kardiometabolische Risiko ist erheblich: viermal häufiger Typ-2-Diabetes, doppelt so häufig Gestationsdiabetes. Dennoch bleibt PMOS bei bis zu 70 Prozent der Betroffenen lange unerkannt [1].

Auch nach einem Gestationsdiabetes (GDM) – der rund 10 Prozent der Schwangeren betrifft – besteht ein bis zu zehnfach erhöhtes Typ-2-Diabetes-Risiko. Trotzdem nehmen nur etwa 40 Prozent der betroffenen Frauen den empfohlenen oralen Glukosetoleranztest (oGTT) sechs bis zwölf Wochen post partum wahr [2]. GDM und PMOS teilen pathophysiologische Mechanismen und beide sind frühe Präventionsfenster, die in der Versorgungsrealität zu wenig genutzt werden.

Diabetes in den Wechseljahren

In den Wechseljahren wird Diabetes für viele Frauen noch unberechenbarer. Der Östrogenspiegel sinkt, die Insulinwirkung verändert sich und die Werte schwanken permanent. Rund zwei Drittel der Frauen mit Typ-1-Diabetes berichteten in einer Untersuchung nach der Menopause über instabilere Glukosewerte [3]. Besonders tückisch: Schwitzen, Zittern und Herzklopfen können sich anfühlen wie eine menopausal bedingte Hitzewallung – oder wie eine Unterzuckerung.

Prof. Dr. med. Susanne Reger-Tan, Klinikdirektorin am Herz- und Diabeteszentrum NRW, Ruhr-Universität Bochum, betonte:

„Im Zweifel sollte immer zuerst der Glukosewert geprüft werden – eine Unterzuckerung darf nicht übersehen werden!“

Literatur:
  1. Teede HJ et al. Polyendocrine metabolic ovarian syndrome. Lancet. 2026 May 12; doi: 10.1016/S0140-6736(26)00717-8
  2. Linnenkamp U et al. Postpartum screening of women with GDM in specialised practices. Diabet Med 2022; doi: 10.1111/dme.14861
  3. Speksnijder EM et al. Perceived blood glucose regulation after menopause: a cross-sectional survey in women with type 1 diabetes in the Netherlands. Diabetologia. 2025;68(11):2499–2510

Quelle: Online-Pressekonferenz der VDBD vom 18. Juni 2026

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