Cambridge-Forschende haben mit Isthmin-2 einen Biomarker identifiziert, der bereits in der zwölften Schwangerschaftswoche auf ein erhöhtes Risiko für Präeklampsie und fetale Wachstumsrestriktion hinweist. Niedrige Isthmin-2-Werte im Blut korrelieren mit einer gestörten Plazentaentwicklung, bei der Zellen nicht ausreichend in die Gebärmutter einwachsen. Laborversuche zeigen: Ohne Isthmin-2 verlieren Plazentazellen ihre invasive Fähigkeit. Die Erkenntnis könnte neue Tests und Therapien für Risikoschwangerschaften ermöglichen.
Isthmin-2-Protein
Forschende der University of Cambridge haben ein Protein identifiziert, das früh in der Schwangerschaft auf ein erhöhtes Risiko für Präeklampsie und fetale Wachstumsrestriktion hinweisen könnte. Beide Erkrankungen zählen zu den häufigsten Ursachen für Totgeburten und Komplikationen bei Mutter und Kind.
Präeklampsie betrifft weltweit etwa jede zwanzigste Schwangerschaft. Fetale Wachstumsrestriktion tritt in Hocheinkommensländern bei 3 bis 10 Prozent der Schwangerschaften auf, weltweit bei bis zu jeder fünften. Beide Erkrankungen entstehen, wenn sich die Plazenta in der Frühschwangerschaft nicht richtig entwickelt: Spezialisierte Plazentazellen dringen dann nicht ausreichend in die Gebärmutter ein, weshalb keine gesunde Blutversorgung hergestellt werden kann.
Isthmin-2 als Frühwarnzeichen
Das Team um Professor Gordon Smith wertete Serumproben von Schwangeren aus der zwölften Schwangerschaftswoche aus, erhoben im Rahmen der Pregnancy Outcome Prediction Study am Rosie Hospital. Niedrige Werte des Proteins Isthmin-2, kurz ISM2, erwiesen sich zu diesem Zeitpunkt der Schwangerschaft als stärkster Hinweis auf ein späteres Risiko für Präeklampsie oder Wachstumsrestriktion. ISM2 und seine codierende mRNA werden fast ausschließlich in der Plazenta gebildet.
In Laborversuchen schalteten die Forschenden die ISM2-Produktion in Trophoblasten-Stammzellen weitgehend ab. Die Zellen überlebten zwar und zeigten normales Wachstum, sie entwickelten sich aber nicht zu invasiven Zellen. In dreidimensionalen Plazenta-Organoiden stoppte ohne ISM2 das Einwachsen in umgebendes Gewebe. Nierenzellen, die ISM2 normalerweise nicht exprimieren, wurden dagegen invasiver, sobald sie künstlich ISM2 produzierten.
Neue Wege für Diagnose und Therapie
„Isthmin-2 sagt Komplikationen deutlich besser voraus als bestehende Tests. Das könnte helfen, Risikoschwangerschaften zuverlässiger zu erkennen. Gelingt es, die ISM2-Produktion gezielt anzuregen, ließen sich die Erkrankungen womöglich verhindern. Eine Blockade könnte zudem Operationen bei falsch eingenisteter Plazenta überflüssig machen.“
Professor Gordon Smith, Head of the Department of Obstetrics and Gynaecology, University of Cambridge
Professor Steve Charnock-Jones ergänzt:
„Jede Schwangerschaft trägt ein Risiko für Präeklampsie und fetale Wachstumsrestriktion, in einkommensschwachen Ländern noch stärker. Da wir die Ursache kennen, können wir die Gesundheit von Müttern und Kindern künftig besser schützen.“
Das Team untersuchte Proben von über 200 Frauen mit späterer Präeklampsie oder Wachstumsrestriktion sowie über 200 Frauen mit unauffälligem Verlauf. Schwedische Proben bestätigten die Ergebnisse. Die Studie erschien in Nature Medicine, gefördert von Wellcome Leap, dem NIHR Biomedical Research Centre Cambridge und dem Medical Research Council.
Quelle: Research News der University of Cambridge vom 01.09.2026





