Ein systematischer Review mit über 53.000 Teilnehmenden identifiziert 44 Aspekte, die Kontrazeptionspräferenzen beeinflussen. Diese gliedern sich in acht Kategorien: Wirksamkeit, Bequemlichkeit, Kosten, soziale Faktoren, Privatsphäre, Beratung, Lebensstil und Versorgung. Kontrazeptionspräferenzen variieren nach Region, Alter und Rolle. Die Autorinnen und Autoren fordern eine individuellere Beratung, die alle Kategorien konsequent berücksichtigt, sowie robustere Präferenzforschung.
Kontrazeptionspräferenzen: Was die Methodenwahl wirklich beeinflusst
Bei der Kontrazeptionsberatung steht oft die Schwangerschaftsrate im Fokus. Ein systematischer Review mit 22 Studien und über 53.000 Teilnehmenden zeigt jedoch: Patientinnen und Patienten denken viel differenzierter und berücksichtigen weit mehr Faktoren bei ihrer Entscheidung.
44 Aspekte in acht Kategorien
Die Forschenden identifizierten 44 verschiedene Aspekte, die Kontrazeptionspräferenzen beeinflussen. Diese lassen sich in acht Kategorien gliedern: Wirksamkeit und Sicherheit, Bequemlichkeit und Eignung, Kosten, soziale und interpersonelle Faktoren, Privatsphäre und Kontrolle, Information und Beratung, Lebensstil sowie Versorgung und Unterstützung.
Am häufigsten genannt wurden Wirksamkeit und Sicherheit (14 Studien), Nebenwirkungen (14 Studien), Kosten (11 Studien), Handhabung (6 Studien) und Privatsphäre (4 Studien). Die Analyse umfasste Frauen und Männer im reproduktiven Alter aus den USA, Europa, Australien, Indien und mehreren afrikanischen Ländern.
Regionale und gruppenspezifische Unterschiede bei Kontrazeptionspräferenzen
Die Kontrazeptionspräferenzen variieren deutlich nach Region und Lebensphase. In den USA spielen Kosten und Versicherungsschutz eine zentrale Rolle. In afrikanischen Ländern gewichten Nutzerinnen Privatsphäre, Zugang zu Information und die Haltung des medizinischen Personals besonders stark.
Adoleszente legen grundsätzlich mehr Wert auf Privatsphäre und niedrige Zugangshürden. Erwachsene Frauen fokussieren stärker auf Wirksamkeit, Sicherheitsprofil und Vereinbarkeit mit ihren Lebensplänen. Für Gynäkologinnen und Gynäkologen stehen häufig Wirksamkeit und Sicherheit noch stärker im Fokus als für die Nutzerinnen, die zusätzlich Nebenwirkungen im Alltag, Handhabung und Beziehungskontext berücksichtigen.
Konsequenzen für die gynäkologische Praxis
Die Autorenschaft der Studie fordert eine strukturierte Beratung, die alle acht Kategorien aktiv anspricht und individuelle Kontrazeptionspräferenzen erfragt. Standardisierte Beratungskonzepte greifen zu kurz und gehen zu wenig auf die Individualität der Nutzerinnen ein. Entscheidungsunterstützungstools sollten medizinische, praktische, ökonomische, soziale und emotionale Aspekte sowie Versorgungsmerkmale abbilden.
Für die weitere Forschung empfehlen sie robustere, methodisch vergleichbare Präferenzstudien mit stärkerer Einbeziehung psychologischer und soziokultureller Faktoren sowie Längsschnittdaten über verschiedene Lebensphasen.
Quelle: Kearns RJ, Kyayeva A, Singh S et al. Epidural analgesia in labour and neonatal and childhood outcomes: national population based cohort study. BMJ 2026; 394: e343320





