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S3-Leitlinie Mammakarzinom komplett neu strukturiert

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S3-Leitlinie Mammakarzinom komplett neu strukturiert

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mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: gyne

Die neue S3-Leitlinie Mammakarzinom wurde komplett überarbeitet und als „lebendes Dokument“ strukturiert. Prof. Dr. Achim Wöckel vom Uniklinikum Würzburg koordinierte die Entwicklung. Die Leitlinie umfasst nun fünf Kapitel mit 27 Modulen und ermöglicht schnellere Aktualisierungen. Erstmals wurden Module zu Brustkrebs bei Transgender-Personen und zur Brustrekonstruktion aufgenommen. Die Empfehlungen berücksichtigen verstärkt Psychoonkologie, Lebensstil und komplementäre Maßnahmen für eine personalisierte Versorgung.

Goldstandard der medizinischen Versorgung

Die neue S3-Leitlinie zum Mammakarzinom (AWMF-RegisterNr.: 032 – 045OL) wurde komplett überarbeitet und nach dem Prinzip eines „lebenden Dokuments“ strukturiert.

Prof. Dr. Achim Wöckel, hauptverantwortlicher Leitlinienkoordinator, spricht über das Dokument selbst und darüber, wie umfassend die Überarbeitung war.

Diese S3-Leitlinie ist in ihrem Erstellungsprozess die komplexeste aller S3-Leitlinien. Wir haben die Leitlinie komplett neu strukturiert und erstmals alle neuen Therapieformen integriert.

Prof. Dr. Achim Wöckel, Direktor der Frauenklinik am Uniklinikum Würzburg (UKW)

Neue Struktur ermöglicht schnellere Aktualisierungen

Statt sieben gibt es nun fünf klar gegliederte Kapitel mit insgesamt 27 Modulen. Diese decken alle wichtigen Themen rund um Brustkrebs ab – von der Früherkennung über moderne Behandlungsverfahren bis hin zur Nachsorge und psychoonkologischen Begleitung.

Durch die neue Struktur ist die Leitlinie übersichtlicher und einfacher nutzbar. Zudem können nun einzelne Teile der Leitlinie schneller aktualisiert werden – nach dem Prinzip einer ‚lebenden Leitlinie‘, die sich laufend weiterentwickelt

Prof. Dr. Achim Wöckel, Direktor der Frauenklinik am Uniklinikum Würzburg (UKW)

Prof. Achim Wöckel
© Thomas Berberich
Prof. Achim Wöckel
© Thomas Berberich

Bei der Entwicklung kooperierte Wöckel eng mit mehr als 100 nationalen Expertinnen und Experten. Die Autorinnen und Autoren sichteten regelmäßig die neuesten Daten und besprachen ihre Evidenz-Recherchen in einer Konsens-Konferenz. Um neue Erkenntnisse künftig noch zügiger in die Versorgung zu integrieren, wurden Forschungsfragen neu formuliert, ergänzt und anhand aktueller klinischer und wissenschaftlicher Entwicklungen angepasst.

Neue Themen und erweiterte Zielgruppen

Die Leitlinie greift nicht nur neue Entwicklungen, sondern auch neue Zielgruppen auf. Erstmals wurden eigene Module zu Brustkrebs bei Transgender-Personen, zur Brustrekonstruktion mit modernen Operationsmethoden sowie zu seltenen Tumorformen aufgenommen. Umfassend überarbeitet wurden die Abschnitte zu früh erkanntem Brustkrebs sowie zu Rückfällen oder Metastasen. Dabei fanden neue Empfehlungen zu zielgerichteten Medikamenten Eingang, die es in der vorherigen Version noch nicht gab.

In den Bereichen Operation und Strahlentherapie wurde ergänzt, welche Schritte vor oder nach einer medikamentösen Therapie sinnvoll sind. Ebenfalls aktualisiert wurden die Empfehlungen zur Früherkennung und Mammographie, zur Diagnose bei auffälligen Befunden und zur Abklärung bei familiärem Risiko. Auch bei den Gewebeuntersuchungen helfen neue Erkenntnisse, die passende Therapie zu wählen und die Heilungschancen besser einzuschätzen.

Ganzheitliche und personalisierte Versorgung

Brustkrebs ist die weltweit am häufigsten diagnostizierte Krebsart. Allein in Deutschland erhalten jedes Jahr rund 70.000 Frauen und Männer die Diagnose. Jede achte Frau in Deutschland erkrankt im Laufe ihres Lebens am Mammakarzinom. Dank umfangreicher Vorsorgemaßnahmen liegen die Heilungschancen inzwischen bei über 90 %.

Mithilfe der überarbeiteten Leitlinie können Ärztinnen und Ärzte Entscheidungen treffen, die noch individueller auf jede Patientin und jeden Patienten abgestimmt sind. Die neue S3-Leitlinie berücksichtigt nun verstärkt Themen wie Psychoonkologie, Lebensstil inklusive Ernährung und Bewegung sowie komplementäre und integrative Maßnahmen wie Akupunktur. Auch für ältere Patientinnen sowie für die Palliativmedizin und Supportivtherapie bei fortgeschrittener Erkrankung wurden die Empfehlungen spezifiziert. Neu aufgenommen wurden zudem Informationen zur Gesundheitskompetenz, etwa im Umgang mit digitalen Gesundheitsangeboten.

Koordination durch das Uniklinikum Würzburg

Die S3-Leitlinie wurde unter der Federführung der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie der Deutschen Gesellschaft für Senologie erarbeitet. Zahlreiche weitere Fachgesellschaften, Berufsverbände sowie Vertreterinnen von Patientinnenorganisationen waren beteiligt.

Aus Würzburg war neben Prof. Dr. Achim Wöckel auch Prof. Dr. Ute-Susann Albert an der Leitlinienkoordination beteiligt. Die methodische Beratung erfolgte maßgeblich durch Prof. Dr. Peter Heuschmann und Dr. Steffi Jiru-Hillmann vom Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie. Das Institut führt derzeit gemeinsam mit der Universitätsfrauenklinik Würzburg die BETTER-CARE-Studie in ganz Deutschland durch. Hierbei steht speziell die Nachsorge im Fokus, die laut Wöckel dem Therapiefortschritt noch hinterherhinkt und viel individualisierter werden müsste.

Am UKW werden im zertifizierten Brustkrebs- und Brustzentrum jedes Jahr mehr als 300 Betroffene mit der Neudiagnose Brustkrebs behandelt. Fünf bis zehn Prozent der Brustkrebsfälle beruhen auf einer ererbten Veranlagung, oft bereits vor dem 50. Lebensjahr.

Cover der S3-Leitlinie
Cover der S3-Leitlinie

Quelle: Pressemitteilung des UKW vom 22.01.2026: https://www.ukw.de/aktuelle-meldungen/

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