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Adipositastherapie mit Inkretinanaloga: Liraglutid, Semaglutid und Tirzepatid

Adipositastherapie mit Inkretinanaloga Semaglutid und Tirzepatid zur Gewichtsreduktion

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Adipositastherapie mit Inkretinanaloga: Liraglutid, Semaglutid und Tirzepatid

Fachbeitrag

Kardiologie

Adipositas

mgb medizin Redaktion

Verlag

16 MIN

Erschienen in: herzmedizin

Adipositas ist eine chronische Erkrankung, die weltweit epidemische Ausmaße angenommen hat. Zwischen 1999 und 2022 hat sich die Prävalenz bei Erwachsenen verdoppelt und bei Jugendlichen sogar vervierfacht. Die Behandlung dieser komplexen Erkrankung erfordert einen multimodalen Ansatz. Neue Medikamente aus der Diabetologie – die Inkretinanaloga Liraglutid, Semaglutid und Tirzepatid – haben der Adipositastherapie revolutionäre Perspektiven eröffnet und rücken die Behandlung wieder stärker in den Fokus von Medizin und Politik.

Was ist Adipositas und wie wird sie klassifiziert?

Adipositas ist eine wachsende globale Epidemie. Zwischen 1999 und 2022 stieg die Prävalenz bei Erwachsenen um 100 % und bei Jugendlichen um das Vierfache [1]. Adipositas ist kein kosmetisches Problem, sondern eine chronische Erkrankung mit hoher Rezidivrate, die die Betroffenen nicht nur Lebensqualität, sondern auch Lebensjahre kostet und eine dauerhafte Therapie erfordert [2]. Wie bei anderen chronischen Erkrankungen sind Ätiologie, Pathogenese und Komplikationen der Adipositas gut untersucht und bekannt, aber der letzte Schritt hin zur Anerkennung als chronische Erkrankung ist nur politisch erfolgt, nicht versicherungsrechtlich. Damit müssen alle präventiven und therapeutischen Interventionen bislang vom Patienten selbst gezahlt werden [3]. Die neuen Wirkprinzipien aus der Diabetologie, die Inkretinanaloga, haben auch der Adipositastherapie eine neue Perspektive eröffnet, sie wieder mehr ins Bevölkerungsbewusstsein und in den politischen Fokus gerückt.

BMI-Klassifikation nach WHO

Adipositas beschreibt ein Übermaß an Körperfettmasse. Adipositas wird seit Jahrzehnten nach dem Body Mass Index (BMI) klassifiziert (▶ Tab. 1), obwohl er wenig konkrete Information liefert über den tatsächlichen Überschuss an Körperfett und die Gewichtsverteilung. Experten haben deshalb gefordert, die Adipositas bis zu einem BMI von 40 kg/m² durch zusätzliche anthropometrische Messungen zu bestätigen wie z. B. den Taillen/Hüft-Quotienten (waist/hip ratio) oder direkte Körperfettmessung mittels Kernspintomographie oder dual energy X-ray absorptiometry (DXA). Die einfachste anthropometrische Messung ist der Taillenumfang [3].

▶ Tab. 1: BMI-Klassen nach WHO

  • BMI 18,5 – 24,9 kg/m²: Normalgewicht
  • BMI 25,0 – 29,9 kg/m²: Übergewicht
  • BMI 30,0 – 34,9 kg/m²: Adipositas I
  • BMI 35,0 – 39,9 kg/m²: Adipositas II
  • BMI > 40,0 kg/m²: Adipositas III

Ursachen und Pathophysiologie der Adipositas

Adipositas ist eine komplexe multifaktorielle Erkrankung auf genetischer Basis. Wesentlich für die Entwicklung ist der Lebensstil, überkalorische Ernährung und Bewegungsarmut. Zwischen den zentralen Zentren der Energiehomöostase im Hypothalamus, dem Fettgewebe und dem Gastrointestinaltrakt herrscht ein reger crosstalk, der zahlreiche Hormone und Neurotransmitter involviert [4]. Dies erklärt unter anderem die Schwierigkeit, Körpergewicht zu reduzieren und auf dem erreichten niedrigeren Niveau zu stabilisieren.

Komplikationen und Mortalität

Die hohe Morbidität und Mortalität der Adipositas bedingen die zahlreichen assoziierten Komplikationen nicht nur metabolisch und kardiovaskulär, sondern auch mechanisch, neurologisch, mental und die erhöhte Inzidenz verschiedener Tumoren, besonders gastrointestinal, aber auch des Mammakarzinoms [5]. Zwei Drittel der Betroffenen versterben kardiovaskulär [6].

Zusammenhang mit Typ-2-Diabetes

Der Zusammenhang zwischen Adipositas und gestörtem Kohlenhydratstoffwechsel ist gut dokumentiert. Das ektope und dysfunktionale Fettgewebe verändert das zelluläre Milieu, es generiert einen low grade inflammatorischen Zustand des Organismus, der im ersten Schritt eine Insulinresistenz verursacht und im weiteren Verlauf durch Lipo- und Glukotoxizität die Betazellfunktion stört [7]. Adipositas ist ein wesentlicher Risikofaktor für die Entstehung eines Typ-2-Diabetes mellitus. Es ist ausschlaggebend, was wir essen, denn etliche, auch beliebte Nahrungsmittel wie hochverarbeitete Lebensmittel, rotes Fleisch oder kaloriendichte Getränke unterstützen die Entwicklung der low grade Inflammation [8, 9].

Prävention und multimodale Therapie der Adipositas

Nach 10 Jahren wurde im Oktober 2024 in Deutschland eine neue interdisziplinäre S3-Leitlinie zur Prävention und Therapie der Adipositas publiziert [10].

Präventive Maßnahmen

Sie empfiehlt präventiv eine kalorisch bedarfsgerechte, gesunde Ernährung wie z. B. mediterrane oder vegetarische Kost oder auch DASH (dietary approach to stop hypertension).

Ernährungsempfehlungen:

  • Hochverarbeitete Lebensmittel mit hoher Energiedichte sollen gemieden werden
  • Der Flüssigkeitsbedarf bevorzugt mit Wasser oder ungesüßten Getränken gedeckt werden
  • Der Alkoholkonsum ist zu begrenzen [10]
  • Verzicht auf Nikotin
  • Nahrungsergänzungsmittel sind überflüssig [10]

Bewegung und Schlaf:

  • Regelmäßig ausreichend bewegen in Alltag, Freizeit und Beruf
  • Lange Sitzphasen vermeiden
  • Ausreichende Schlafdauer von 6–8 Stunden
  • Regelmäßiger Schlafrhythmus [10]

Therapieindikationen bei Adipositas

Indikationen für eine Adipositastherapie sind ein BMI > 30 kg/m² oder ein BMI zwischen 25 und < 30 kg/m² mit gewichtsassoziierten Komplikationen, eine stammbetonte Fettverteilung (Taillenumfang > 102 cm bei Männern, > 88 cm bei Frauen), die Erkrankungen verschlimmert, oder hoher psychosozialer Leidensdruck (▶ Tab. 2) [10].

▶ Tab. 2: Therapieindikationen bei Adipositas [10]

  • BMI > 30 kg/m²
  • BMI > 25 und < 30 kg/m² und adipositasassoziierte Komplikationen
  • Stammbetonte Fettverteilung (Männer > 102 cm, Frauen > 88 cm)
  • Erkrankungen, die durch Übergewicht verschlimmert werden
  • Hoher psychosozialer Leidensdruck

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