Kardiologie » Koronare und Gefäßerkrankungen

»

Chronisches Koronarsyndrom – Konservative Therapie rettet Leben

Röntgenaufnahme einer Koronarangiographie zur Diagnose des chronischen Koronarsyndroms

Quelle: © Belezapoy – stock.adobe.com

Chronisches Koronarsyndrom – Konservative Therapie rettet Leben

Fachbeitrag

Kardiologie

Koronare und Gefäßerkrankungen

mgb medizin Redaktion

Verlag

16 MIN

Erschienen in: herzmedizin

Die konservative Therapie des chronischen Koronarsyndroms bietet eine wirksame Alternative zur invasiven Behandlung. Dieser multimodale Ansatz umfasst medikamentöse Strategien, Lebensstiländerungen und Risikofaktorenmanagement. Prof. Dr. Marcus Hennersdorf und Dr. Lukas Kruck erklären, wann konservative Therapie indiziert ist und wie sie optimal umgesetzt wird.

Was ist das chronische Koronarsyndrom?

Das chronische Koronarsyndrom (CCS) beschreibt verschiedene Verlaufsformen der koronaren Herzkrankheit außerhalb akuter Ereignisse. Die Therapie erstreckt sich multimodal über mehrere Bereiche und betrifft sowohl invasive als auch nicht-invasive Behandlungsprinzipien.

Zentrale Therapieziele beim chronischen Koronarsyndrom:

  • Verbesserung der Lebensqualität durch Symptomkontrolle
  • Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse
  • Senkung der Mortalität
  • Verlangsamung der Krankheitsprogression

Die konservative Therapie kommt vor allem dann infrage, wenn eine koronare Herzkrankheit vorliegt, aber keine Ischämien detektierbar sind. Die Frage, ob auch bei nachgewiesenen Ischämien ein konservativer Ansatz sinnvoll ist, wurde in mehreren Studien analysiert.

Insgesamt wird die Frage zu beantworten sein, inwieweit die medikamentöse Therapie eine Ergänzung zur invasiven Therapie darstellt und damit zur Mortalitätssenkung beiträgt oder sogar als Alternative eingesetzt werden kann. Dabei ist auch die Frage von Bedeutung, inwieweit eine rein symptomatische Therapie ausreichend sein kann oder ein besonderer Wert auf eine prognosewirksame Behandlung zu legen ist.

Lifestyle als Basis der konservativen Therapie

Neben den therapeutischen Maßnahmen ist ein besonderes Gewicht auf die Möglichkeiten der gesunden Lebensführung zu legen. Dies bedeutet auch, dass die Betroffenen informiert und in die therapeutischen Schritte mit einbezogen sind. Ein Verständnis für die Therapie und das Umsetzen der empfohlenen Maßnahmen ist ein elementarer Bestandteil der konservativen Therapie.

Antithrombotische Therapie beim chronischen Koronarsyndrom

Ein wesentlicher Pfeiler der konservativen Therapie ist die antithrombotische Behandlung. Bei einer gesicherten Diagnose einer koronaren Herzkrankheit kommt mindestens ASS in einer Dosis von 100 mg pro Tag zum Einsatz. Dabei scheint es gleichbedeutend, ob die Dosierung 85 mg oder 325 mg gewählt wird. Bei Unverträglichkeit kann Clopidogrel gegeben werden.

Kombinationstherapie nach akutem Koronarsyndrom

Nur bei einem akuten Koronarsyndrom oder nach Koronarintervention kommt eine Kombinationstherapie über einen definierten Zeitraum infrage. Bei einem konservativ behandelten akuten Koronarsyndrom sollen alle Patienten ASS bekommen und über 12 Monate Clopidogrel oder Ticagrelor. Prasugrel soll bei einer invasiven Behandlungsstrategie zum Einsatz kommen.

Die Kombinationstherapie richtet sich also nach dem klinischen Ereignis und den Charakteristika des betroffenen Patienten. Entsprechend sind das Alter, die Blutungsgefahr, aber auch das ischämische Risiko von Bedeutung. Nach einem interventionell oder konservativ behandelten NSTEMI oder STEMI wird standardmäßig über 12 Monate eine duale Plättchenhemmung verabreicht.

Deeskalationsstrategien in der antithrombotischen Therapie

Deeskalationsstrategien umfassen die verkürzte Dauer der Therapie, die Reduktion der Dosis oder die Reduktion auf ein weniger potentes Medikament (von Prasugrel oder Ticagrelor auf Clopidogrel). Das Blutungsrisiko des individuellen Patienten lässt sich relativ praxisnah mit dem PRECISE-DAPT-Score einschätzen, so dass Werte zur Hand sind, um die Intensität und die Dauer der antithrombotischen Therapie besser entscheiden zu können.

Antiinflammatorische Therapie mit Colchizin

Ein weiterer Ansatz kann die antiinflammatorische Therapie mit Colchizin sein. Die Gabe von Colchizin scheint zwar nicht die Gesamtmortalität zu reduzieren, aber die Rate an Infarkten (Reduktion des relativen Risikos um 26 %) und Ischämie-bedingten Revaskularisationen (Reduktion des relativen Risikos um 28 %), wie aus einer kürzlich publizierten Metaanalyse hervorgeht.

Allerdings verspürten vermehrt Patienten gastrointestinale Nebenwirkungen unter Colchizin, was auch zu einem häufigeren Absetzen des Medikamentes führte. Die Ergebnisse der publizierten Studien hatten auch dazu geführt, dass in der aktuellen Leitlinie die Behandlung mit Colchizin zusätzlich zur Standardtherapie mit einer IIa/A-Empfehlung belegt wurde.

Bedeutung der Impfungen bei koronarer Herzkrankheit

Da eine Influenzainfektion das Risiko eines Infarktes um das 6- bis 16-Fache ansteigen lässt, ergibt sich ein besonderer Vorteil der Impfung gegen Influenza, aber auch gegen Corona und RSV. Insbesondere bei älteren Patienten mit KHK sollte also eine entsprechende Impfung empfohlen werden.

Geschützte Inhalte gemäß Heilmittelwerbegesetz (HWG)

Die Inhalte dieser Seite unterliegen dem Heilmittelwerbegesetz (HWG) und sind daher nur nach Anmeldung zugänglich. Bitte loggen Sie sich ein, um auf alle geschützten Informationen, Materialien und das exklusive E-Paper zugreifen zu können.

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Anatomische Darstellung des Herzens mit vergrößerter Ansicht der Herzmuskelzellen – Illustration zur RBM20-Kardiomyopathie

RBM20-Kardiomyopathie: Ursachenbasierte Therapie in Sicht

Aktuelles

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg haben einen entscheidenden Mechanismus einer erblichen Form der Herzschwäche beschrieben – und damit erstmals die Perspektive auf eine ursachenorientierte Therapie eröffnet. Die Studie von Erstautor Dr. Maarten van den Hoogenhof und seinem Team ist in Nature Cardiovascular Research erschienen.

Kardiologie

Herzmuskelerkrankungen und Herzinsuffizienz

Beitrag lesen
Illustration mit Herz-Anatomie, Stethoskop, Checkliste, Medikamenten sowie HDL- und LDL-Blutwert-Symbolen zur kardiovaskulären Prävention

Prevention Academy 2026: LDL-C früh senken, kardiovaskuläres Risiko stoppen

Aus der Industrie

Reine Reparaturmedizin ist nicht zukunftsfähig – das war die klare Botschaft der 5. Prevention Academy 2026 in Leipzig. Im Mittelpunkt der zweitägigen Veranstaltung stand die Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen, insbesondere von Atherosklerose und Myokardinfarkt. Führende Expertinnen und Experten diskutierten, wie sich das Fortschreiten kardiovaskulärer Erkrankungen im Versorgungsalltag bestmöglich verhindern lässt.

Kardiologie

Prävention und Rehabilitation

Beitrag lesen
Arzt in blauen Schutzhandschuhen zieht COVID-19-Impfstoff aus einem Fläschchen in eine Spritze auf, im Hintergrund eine Patientin

Post-VAC-Syndrom: Symptome, Diagnostik und Therapie nach COVID-19-Impfung

Fachbeitrag

Seit der Einführung der COVID-19-Impfung wurden in Deutschland mehr als 200 Millionen Dosen verabreicht. Das Post-VAC-Syndrom – anhaltende, multisystemische Beschwerden nach der Impfung – rückt dabei zunehmend in den wissenschaftlichen Fokus. Dieser Artikel fasst den aktuellen Stand zu Diagnostik und Therapie zusammen.

Kardiologie

Sonstiges

Beitrag lesen