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Erstmals neue Defibrillationselektrode in Deutschland eingesetzt

Team der Universitätsklinik Bielefeld bei der Erstimplantation der OmniaSecure Defibrillationselektrode

Quelle: © Klinikum Bielefeld gem. GmbH / Klinikum Bielefeld

Erstmals neue Defibrillationselektrode in Deutschland eingesetzt

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mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: herzmedizin

Als erstes Krankenhaus in Deutschland implantiert das Klinikum Bielefeld die OmniaSecure™-Elektrode von Medtronic – die weltweit dünnste kathetergeführte Defibrillationselektrode für Patientinnen und Patienten mit Risiko für einen plötzlichen Herztod.

Das Klinikum Bielefeld hat einen bedeutenden Schritt in der modernen Elektrophysiologie vollzogen: Als erstes Krankenhaus in Deutschland wurde dort die OmniaSecure™ Defibrillationselektrode des Medizintechnikherstellers Medtronic zur Behandlung potenziell lebensbedrohlicher Herzrhythmusstörungen implantiert. Der Eingriff fand am 20. April 2026 um 08:24 Uhr in der Universitätsklinik für Kardiologie und Internistische Intensivmedizin statt und verlief komplikationslos.

Die dünnste Defibrillationselektrode der Welt

Die OmniaSecure™-Elektrode ist mit einem Durchmesser von lediglich 4,7 French (1,55 mm) die weltweit dünnste kathetergeführte Defibrillationselektrode auf dem Markt. Zum Vergleich: Herkömmliche transvenöse Defibrillationselektroden, wie sie in implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) oder Defibrillatoren zur kardialen Resynchronisationstherapie (CRT-D) eingesetzt werden, weisen deutlich größere Durchmesser auf.

Der reduzierte Elektrodendurchmesser bringt klinisch relevante Vorteile mit sich: Er verringert das Risiko für Venenverschlüsse und eine Trikuspidalklappeninsuffizienz – zwei bekannte Spätkomplikationen bei konventionellen transvenösen Elektroden.

Wie die Elektrode funktioniert

Eine Defibrillationselektrode erfasst kontinuierlich den Herzrhythmus und übermittelt die Signale an das implantierte Aggregat. Erkennt das System einen lebensbedrohlichen, abnorm schnellen Herzrhythmus, gibt es automatisch eine Therapie ab – etwa einen Elektroschock oder eine antitachykarde Stimulation –, um den normalen Rhythmus wiederherzustellen und einen plötzlichen Herztod (Sudden Cardiac Arrest, SCA) zu verhindern.

Zukunftsweisend für das Conduction System Pacing (CSP)

Besondere Bedeutung erlangt die neue Elektrode auch im Hinblick auf das sogenannte Conduction System Pacing (CSP): Dabei wird nicht wie bisher das Myokard stimuliert, sondern das natürliche Reizleitungssystem des Herzens – was eine physiologischere und effizientere Herzstimulation ermöglicht. Die OmniaSecure™-Elektrode erhielt im März 2026 als erste Elektrode ihrer Art die FDA-Zulassung speziell für die Anwendung beim Left Bundle Branch Area Pacing (LBBAP), einer Form des CSP.

Univ.-Prof. Dr. med. Christoph Stellbrink, Direktor der Universitätsklinik für Kardiologie und Internistische Intensivmedizin am Klinikum Bielefeld, betont die Bedeutung der Innovation:

„Diese neue Elektrode ist ein maßgeblicher Entwicklungsschritt für unsere Patientinnen und Patienten. In Zukunft wird sich die bisherige Implantationstechnik dahingehend verändern, dass das Reizleitungssystem direkt stimuliert wird. Dazu ist eine hochpräzise Platzierung mit speziellen Führungskathetern erforderlich. Diese nun erstmals implantierte spezielle Elektrode ist zudem deutlich dünner und vorteilhaft für den venösen Zugang. Wir rechnen zudem mit einer sehr guten Langlebigkeit.“

Der Eingriff wurde von Frank-Holger Güldner, Oberarzt und Leiter der Rhythmuschirurgie an der Universitätsklinik, durchgeführt.

Starke klinische Datenbasis: Die LEADR-Studie

Die OmniaSecure™-Elektrode ist nicht nur technologisch innovativ – sie ist auch klinisch gut belegt. In der globalen LEADR Global Pivotal Trial, an der die Universitätsklinik Bielefeld beteiligt war, wurden Sicherheit, Wirksamkeit und Zuverlässigkeit der Elektrode über einen Langzeitverlauf untersucht. Die Ergebnisse wurden in Circulation: Arrhythmia and Electrophysiology publiziert und zeigen:

  • Hohe Defibrillationseffektivität (100 % Implantationserfolg)
  • Niedrige Komplikationsrate (2,1 % Major-Komplikationen nach 3 Monaten)
  • Zuverlässige Therapieabgabe über den gesamten Beobachtungszeitraum
  • Keine Elektrodenfrakturen in der Langzeitnachbeobachtung (Heart Rhytm J 2025)

Die Studie übertraf damit alle vorab definierten Zielkriterien. Die Elektrode verfügt sowohl über die CE-Kennzeichnung als auch die FDA-Zulassung.

Einordnung

Mit der Erstimplantation der OmniaSecure™-Elektrode in Deutschland positioniert sich das Klinikum Bielefeld einmal mehr als führendes Zentrum für innovative Herzrhythmustherapie. Die neue Technologie könnte mittelfristig die Standardimplantationstechnik bei ICD- und CRT-D-Systemen maßgeblich verändern – insbesondere mit Blick auf die wachsende Bedeutung des Conduction System Pacing in der modernen Kardiologie.

Quellen: Pressemitteilung Klinikum Bielefeld; Medtronic Pressemitteilung (März 2026); LEADR Trial, Circulation: Arrhythmia and Electrophysiology; Heart Rhythm Journal

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