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Noonan-Syndrom: UMG-Forschende entdecken zentralen Mechanismus für Herzschäden

Fluoreszenzmikroskopie: Kardiomyozyten (orange), kardiale Fibroblasten (grün) und Endothelzellen (magenta) aus patientenspezifischen Stammzellen, Noonan-Syndrom-Forschung, UMG Göttingen

Quelle: © umg/stem cell; Foto: (V.l.n.r.) Herzmuskelzellen (Kardiomyozyten), Bindegewebszellen (kardiale Fibroblasten) und Gefäßzellen (Endothelzellen), die aus patient*innenenspezifischen induzierten pluripotenten Stammzellen hergestellt wurden.

Noonan-Syndrom: UMG-Forschende entdecken zentralen Mechanismus für Herzschäden

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Herzmuskelerkrankungen und Herzinsuffizienz

mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: herzmedizin

Wissenschaftler der Universitätsmedizin Göttingen haben einen entscheidenden Prozess aufgedeckt, der bei der Erbkrankheit Noonan-Syndrom zu schweren Herzveränderungen führt – und einen vielversprechenden Therapieansatz identifiziert.

Häufige Erbkrankheit mit ernsthaften Herzfolgen

Das Noonan-Syndrom ist eine genetisch bedingte Erkrankung, die laut den amerikanischen National Institutes of Health (NIH) bei etwa einem von 1.000 bis 2.500 Neugeborenen auftritt. Viele Betroffene entwickeln im Verlauf eine sogenannte hypertrophe Kardiomyopathie: Der Herzmuskel verdickt sich, die Pumpfunktion des Herzens wird beeinträchtigt. Besonders bei frühem Krankheitsbeginn droht Herzversagen. Bislang sind die Behandlungsoptionen begrenzt und rein symptomatisch.

Ursächlich für das Noonan-Syndrom sind Mutationen im sogenannten RAS-MAPK-Signalweg, der grundlegende zelluläre Prozesse wie Wachstum und Teilung steuert. Wie diese genetischen Veränderungen jedoch die charakteristischen strukturellen Umbauprozesse im Herzen auslösen, war bisher nicht vollständig verstanden.

Bindegewebszellen als zentraler Treiber

Ein Forschungsteam der Stem Cell Unit der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) unter der Leitung von Dr. Lukas Cyganek hat nun eine entscheidende Antwort gefunden: Herzspezifische Bindegewebszellen – sogenannte kardiale Fibroblasten – spielen eine zentrale krankheitsverursachende Rolle.

Bei erkrankten Personen produzieren diese Zellen vermehrt den Entzündungsbotenstoff Interleukin-8, der normalerweise nur bei Entzündungsprozessen aktiv wird. Im Herzgewebe wirkt Interleukin-8 dabei unabhängig vom Immunsystem: Es stört die Kommunikation zwischen Bindegewebszellen und Herzmuskelzellen und löst so zwei pathologische Prozesse aus:

  • Fibrose: Verstärkte Bildung von Bindegewebe führt zur Versteifung des Herzgewebes.
  • Hypertrophie: Krankhafte Vergrößerung der Herzmuskelzellen verschlechtert die Herzfunktion.

Stammzell-Modelle machen Krankheit sichtbar

Für ihre Untersuchungen nutzten die Göttinger Forschenden induzierte pluripotente Stammzellen (iPSCs) – aus Körperzellen von Patientinnen und Patienten gewonnen und im Labor in verschiedene Herzzelltypen umprogrammiert. Damit ließ sich das Krankheitsgeschehen realitätsnah nachbilden: sowohl in einfachen Zellkulturen als auch in dreidimensionalen Gewebemodellen, die menschlichem Herzgewebe nachempfunden sind.

Gezielte Blockade zeigt Wirkung

Das entscheidende Ergebnis: Durch die Hemmung des Interleukin-8-Rezeptors mit dem Wirkstoff Reparixin konnten in den Modellen sowohl die Fibrose als auch die krankhafte Vergrößerung der Herzmuskelzellen deutlich reduziert werden. Auch funktionelle Eigenschaften des Herzgewebes normalisierten sich.

„Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass sich der krankhafte Prozess gezielt aufhalten lässt. Durch die Hemmung eines spezifischen Andockpunkts von Interleukin-8 mit dem Wirkstoff Reparixin konnten sowohl die Veränderungen des Bindegewebes im Herzen als auch die krankhafte Vergrößerung der Herzmuskelzellen deutlich reduziert werden.“

Dr. Lukas Cyganek, Leiter der Stem Cell Unit, UMG

Weg in die Klinik könnte kurz sein

Da Wirkstoffe, die den Interleukin-8-Signalweg blockieren, bereits in anderen klinischen Kontexten erprobt wurden, sieht Dr. Cyganek gute Chancen für eine zügige Weiterentwicklung: „Da entsprechende Wirkstoffe bereits in anderen klinischen Zusammenhängen untersucht wurden, könnte eine Überführung in frühe klinische Studien für erste Untersuchungen an Patient*innen mit Noonan-Syndrom vergleichsweise schnell erfolgen.“

Die Studie wurde in der renommierten Fachzeitschrift Circulation veröffentlicht.

Originalpublikation:

Fell J et al. Targeting Interleukin-8 mediated cellular crosstalk reverses hypertrophic cardiomyopathy and cardiac fibrosis in Noonan syndrome. Circulation 2026 Apr 16; doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.125.074155

Quelle: Pressemitteilung der Universitätsmedizin Göttingen

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