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Leitliniengerechte Therapie bleibt bei Hochrisikopatienten häufig aus

Illustration zum kardiometabolischen Syndrom mit Herz, Niere, Bauchspeicheldruese und Fettgewebe

Quelle: © freshidea – stock.adobe.com

Leitliniengerechte Therapie bleibt bei Hochrisikopatienten häufig aus

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mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: herzmedizin

Nur jeder dritte Patient mit Herzinsuffizienz, Nierenerkrankung und Diabetes erhält eine SGLT2-Inhibitor-Therapie – das zeigt eine aktuelle Real-World-Analyse aus über 1.200 deutschen Hausarztpraxen. Die Ergebnisse offenbaren eine besorgniserregende Lücke zwischen medizinischem Wissensstand und Versorgungsrealität.

Drei Erkrankungen, ein hohes Risiko

Herzinsuffizienz (HF), chronische Nierenkrankheit (CKD) und Typ-2-Diabetes (T2D) treten häufig gemeinsam auf und bilden zusammen das sogenannte kardiorenal-metabolische Syndrom. Betroffene Patienten haben ein deutlich erhöhtes Risiko für schwere Komplikationen, Krankenhauseinweisungen und Tod. Die Mehrzahl dieser Patienten wird in der Hausarztpraxis betreut – einem Versorgungsumfeld, das für eine strukturierte, leitliniengerechte Behandlung zentral ist.

Sodium-Glucose-Cotransporter-2-Inhibitoren (SGLT2i) gelten heute als Therapie der Wahl: Sie sind bei allen drei Erkrankungen zugelassen, gut belegt und können Sterblichkeit sowie Hospitalisierung nachweislich reduzieren. Dennoch ist ihr Einsatz in Deutschland bislang unzureichend.

Was die Daten aus dem Praxisalltag zeigen

Die WATCH-HF-Subanalyse der InspeCKD-Studie [1] wertete anonymisierte Routinedaten aus 1.244 hausärztlichen Praxen aus dem Zeitraum Januar 2021 bis Juni 2023 aus. Von insgesamt 448.837 eingeschlossenen Patienten wiesen 12,2 % eine dokumentierte Herzinsuffizienz auf. Innerhalb dieser Gruppe hatten 1.891 Personen zusätzlich sowohl eine CKD- als auch eine T2D-Diagnose – also eine Dreifach-Komorbidität mit klarer Indikation für SGLT2i.

Diese Patientengruppe war im Mittel 77,5 Jahre alt, etwas mehr als die Hälfte (51,6 %) waren Frauen. Die Zahlen machen deutlich: Es handelt sich um ältere, vulnerable Patienten mit hohem Behandlungsbedarf.

Gravierende Versorgungslücken

Die Ergebnisse sind alarmierend: Trotz bestehender Mehrfachindikation erhielten über den gesamten Beobachtungszeitraum lediglich 32,4 % der multimorbiden Patienten eine SGLT2i-Verordnung. Vor der Herzinsuffizienz-Diagnose waren es sogar nur 13,7 %, obwohl bei diesen Patienten bereits CKD und T2D dokumentiert waren.

Auch nach der HF-Diagnose besserte sich die Lage kaum: Innerhalb von 26 Wochen wurden lediglich 10 % der bislang unbehandelten Patienten neu auf einen SGLT2i eingestellt – im Mittel erst nach 8,5 Wochen. Hinzu kommt, dass eine NT-proBNP-Bestimmung zur Früherkennung der Herzinsuffizienz vor der Diagnosestellung nur bei 2,6 % der Patienten erfolgt war – obwohl die gemessenen Werte mit durchschnittlich 2.553,7 pg/ml deutlich erhöht waren.

Handlungsbedarf auf mehreren Ebenen

Die Autoren sehen dringenden Handlungsbedarf: Bessere Diagnostik, eine verbindlichere Therapiestandardisierung und eine engere Zusammenarbeit zwischen Haus- und Fachärzten sind notwendig, um die Versorgung dieser komplexen Patientengruppe zu verbessern. Gleichzeitig müssen Wissen und Ressourcen in der Hausarztpraxis flächendeckend verfügbar gemacht und die entsprechenden Leistungen adäquat vergütet werden.

Die Studie liefert damit erstmals umfangreiche Real-World-Evidenz zur Versorgungssituation multimorbider Patienten in der deutschen Hausarztpraxis – und zeigt, wie groß die Lücke zwischen Leitlinie und gelebter Praxis noch immer ist.

Referenz:

1. Wanner C et al. MMW Fortschr Med 2024; 166:9–17

Quelle: Reibis RK et al. Versorgungsdiskrepanz bei der Behandlung des kardiorenal-metabolischen Syndroms: Real-World-Analyse der SGLT2-Inhibitor-Nutzung bei Herzinsuffizienz, chronischer Nierenkrankheit und Typ-2-Diabetes. Clin Res Cardiol (2026). DOI 10.1007/s00392-026-02870-1

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