Eine Auswertung des französischen HEAR-Registers zeigt, dass sowohl der Ausgangswert als auch der Verlauf des zirkulierenden Transthyretins bei Patientinnen und Patienten mit Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie (ATTR-CM) prognostische Informationen liefern. Sinkende Werte waren mit einer höheren Sterblichkeit verbunden, während ein Anstieg im Verlauf mit einem besseren Überleben einherging. Transthyretin könnte damit als dynamischer Biomarker für Krankheitsverlauf, systemische Belastung und möglicherweise auch Therapieansprechen dienen.
Serielle Transthyretinmessungen bilden Krankheitsverlauf ab
Bei der Transthyretin-kardialen Amyloidose lagern sich fehlgefaltete Transthyretin-Proteine im Herzmuskel ab und können dadurch die Herzfunktion beeinträchtigen. Das im Blut zirkulierende Transthyretin (TTR) könnte dabei nicht nur Hinweise auf die Krankheitsbiologie, sondern auch auf den allgemeinen systemischen Zustand der Betroffenen geben. Während der prognostische Wert eines einzelnen TTR-Messwerts bereits untersucht wurde, war bislang weniger klar, welche Bedeutung Veränderungen im Zeitverlauf haben.
Eine beim ESC-Kongress in München präsentierte Analyse untersuchte deshalb den Zusammenhang zwischen Ausgangswerten und longitudinalen Veränderungen des TTR sowie dem Überleben bei kardialer ATTR-Amyloidose. Grundlage waren Daten von 492 Patientinnen und Patienten aus dem französischen nationalen HEAR-Register. Die statistischen Modelle wurden unter anderem für NT-proBNP und Geschlecht adjustiert. NT-proBNP gilt als etablierter Marker für die kardiale Belastung.
Sinkende Werte mit höherem Sterberisiko verbunden
Bereits ein TTR-Ausgangswert unterhalb des in der Studie ermittelten optimalen prognostischen Schwellenwerts war unabhängig vom NT-proBNP mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko verbunden.
Auch die Veränderung des TTR im Verlauf zeigte einen eigenständigen Zusammenhang mit dem Überleben. Jeder Anstieg des TTR um 10 mg/dl war mit einer um 5 % niedrigeren Mortalitätsrate verbunden (Hazard Ratio [HR] 0,95; 95%-Konfidenzintervall [KI]: 0,92–0,98; p = 0,002). Bei Betrachtung eines Anstiegs um eine Standardabweichung war das Sterberisiko um 29 % niedriger (HR 0,71; 95%-KI: 0,56–0,88; p = 0,002).
Für NT-proBNP zeigte sich weiterhin ein starker Zusammenhang mit der Mortalität (HR 2,10; 95%-KI: 1,64–2,68; p < 0,001). Die adjustierten Überlebenskurven wiesen über 48 Monate auf eine stufenweise bessere Überlebenswahrscheinlichkeit bei stärkerem relativem TTR-Anstieg hin. Die prognostische Trennschärfe des Modells war gut; der C-Index lag bei 0,74.
TTR-Abfall als Hinweis auf systemische Belastung?
Zu den Faktoren, die mit einem Rückgang des TTR verbunden waren, gehörten Marker für einen schwereren Krankheitsverlauf und eine systemische Entzündung. Dies deutet darauf hin, dass sowohl eine Verschlechterung des kardialen Zustands als auch eine zunehmende systemische Belastung zu sinkenden TTR-Werten beitragen können.
Die Ergebnisse sprechen dafür, bei der kardialen Amyloidose nicht nur einen einzelnen TTR-Wert, sondern auch dessen Entwicklung im Verlauf zu berücksichtigen. Serielle Messungen könnten zusätzliche Informationen über die Prognose liefern, die über den etablierten Marker NT-proBNP hinausgehen. Ein Anstieg des TTR war in dieser Analyse mit einem besseren Überleben assoziiert, während ein Abfall offenbar eine ungünstigere Krankheits- und Systemkonstellation widerspiegeln kann.
Allerdings handelt es sich um eine Registerauswertung und damit um eine Beobachtungsstudie. Die Ergebnisse belegen deshalb nicht, dass eine gezielte Erhöhung des TTR die Prognose verbessert. Ebenso bleibt offen, in welchem Ausmaß Therapie, Ernährungszustand, Entzündungsaktivität oder andere Begleiterkrankungen die Veränderungen beeinflussen. Weitere Studien müssen klären, ob serielle TTR-Messungen für die individuelle Risikostratifizierung und zur Beurteilung eines Therapieansprechens in der klinischen Praxis eingesetzt werden können.
Quelle: Kharoubi M et al. Serial transthyretin monitoring captures disease trajectory and predicts survival in cardiac amyloidosis. Präsentation im Rahmen des ESC-Kongresses in München am 29.08.2026





