Kardiologie » Amyloidose

»

Transthyretin-Verläufe prognostizieren Überleben bei kardialer Amyloidose

Blutprobe im Labor als Symbol für die Messung von Transthyretin bei Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie.

Quelle: © angellodeco – stock.adobe.com

Transthyretin-Verläufe prognostizieren Überleben bei kardialer Amyloidose

Kongress

Kardiologie

Amyloidose

mgb medizin Redaktion

Verlag

3 MIN

Erschienen in: herzmedizin

Eine Auswertung des französischen HEAR-Registers zeigt, dass sowohl der Ausgangswert als auch der Verlauf des zirkulierenden Transthyretins bei Patientinnen und Patienten mit Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie (ATTR-CM) prognostische Informationen liefern. Sinkende Werte waren mit einer höheren Sterblichkeit verbunden, während ein Anstieg im Verlauf mit einem besseren Überleben einherging. Transthyretin könnte damit als dynamischer Biomarker für Krankheitsverlauf, systemische Belastung und möglicherweise auch Therapieansprechen dienen.

Serielle Transthyretinmessungen bilden Krankheitsverlauf ab

Bei der Transthyretin-kardialen Amyloidose lagern sich fehlgefaltete Transthyretin-Proteine im Herzmuskel ab und können dadurch die Herzfunktion beeinträchtigen. Das im Blut zirkulierende Transthyretin (TTR) könnte dabei nicht nur Hinweise auf die Krankheitsbiologie, sondern auch auf den allgemeinen systemischen Zustand der Betroffenen geben. Während der prognostische Wert eines einzelnen TTR-Messwerts bereits untersucht wurde, war bislang weniger klar, welche Bedeutung Veränderungen im Zeitverlauf haben.

Eine beim ESC-Kongress in München präsentierte Analyse untersuchte deshalb den Zusammenhang zwischen Ausgangswerten und longitudinalen Veränderungen des TTR sowie dem Überleben bei kardialer ATTR-Amyloidose. Grundlage waren Daten von 492 Patientinnen und Patienten aus dem französischen nationalen HEAR-Register. Die statistischen Modelle wurden unter anderem für NT-proBNP und Geschlecht adjustiert. NT-proBNP gilt als etablierter Marker für die kardiale Belastung.

Sinkende Werte mit höherem Sterberisiko verbunden

Bereits ein TTR-Ausgangswert unterhalb des in der Studie ermittelten optimalen prognostischen Schwellenwerts war unabhängig vom NT-proBNP mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko verbunden.

Auch die Veränderung des TTR im Verlauf zeigte einen eigenständigen Zusammenhang mit dem Überleben. Jeder Anstieg des TTR um 10 mg/dl war mit einer um 5 % niedrigeren Mortalitätsrate verbunden (Hazard Ratio [HR] 0,95; 95%-Konfidenzintervall [KI]: 0,92–0,98; p = 0,002). Bei Betrachtung eines Anstiegs um eine Standardabweichung war das Sterberisiko um 29 % niedriger (HR 0,71; 95%-KI: 0,56–0,88; p = 0,002).

Für NT-proBNP zeigte sich weiterhin ein starker Zusammenhang mit der Mortalität (HR 2,10; 95%-KI: 1,64–2,68; p < 0,001). Die adjustierten Überlebenskurven wiesen über 48 Monate auf eine stufenweise bessere Überlebenswahrscheinlichkeit bei stärkerem relativem TTR-Anstieg hin. Die prognostische Trennschärfe des Modells war gut; der C-Index lag bei 0,74.

TTR-Abfall als Hinweis auf systemische Belastung?

Zu den Faktoren, die mit einem Rückgang des TTR verbunden waren, gehörten Marker für einen schwereren Krankheitsverlauf und eine systemische Entzündung. Dies deutet darauf hin, dass sowohl eine Verschlechterung des kardialen Zustands als auch eine zunehmende systemische Belastung zu sinkenden TTR-Werten beitragen können.

Die Ergebnisse sprechen dafür, bei der kardialen Amyloidose nicht nur einen einzelnen TTR-Wert, sondern auch dessen Entwicklung im Verlauf zu berücksichtigen. Serielle Messungen könnten zusätzliche Informationen über die Prognose liefern, die über den etablierten Marker NT-proBNP hinausgehen. Ein Anstieg des TTR war in dieser Analyse mit einem besseren Überleben assoziiert, während ein Abfall offenbar eine ungünstigere Krankheits- und Systemkonstellation widerspiegeln kann.

Allerdings handelt es sich um eine Registerauswertung und damit um eine Beobachtungsstudie. Die Ergebnisse belegen deshalb nicht, dass eine gezielte Erhöhung des TTR die Prognose verbessert. Ebenso bleibt offen, in welchem Ausmaß Therapie, Ernährungszustand, Entzündungsaktivität oder andere Begleiterkrankungen die Veränderungen beeinflussen. Weitere Studien müssen klären, ob serielle TTR-Messungen für die individuelle Risikostratifizierung und zur Beurteilung eines Therapieansprechens in der klinischen Praxis eingesetzt werden können.

Quelle: Kharoubi M et al. Serial transthyretin monitoring captures disease trajectory and predicts survival in cardiac amyloidosis. Präsentation im Rahmen des ESC-Kongresses in München am 29.08.2026

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Arzt hält digitales Display mit Lipidprofil-Tabelle – Cholesterin, Triglyceride, HDL und LDL im Überblick als Illustration zur Lipidforschung und Biomarker-Diagnostik

Neue Plattform beschleunigt Lipidforschung und Biomarker-Suche

Aktuelles

Forschende der TU Dresden und Partneruniversitäten haben eine Plattform entwickelt, die fragmentierte Lipiddaten aus internationalen Datenbanken automatisiert zusammenführt – und damit die Suche nach neuen Biomarkern und Therapien deutlich beschleunigt.

Kardiologie

Dyslipidämien

Beitrag lesen
Kardiologie-Team des Klinikums Hanau unter Leitung von PD Dr. Christof Weinbrenner feiert ersten erfolgreichen Eingriff mit der weltweit dünnsten Defibrillationselektrode OmniaSecure von Medtronic

Weltpremiere in Hanau: Dünnste Defibrillationselektrode erstmals implantiert

Aktuelles

Das Klinikum Hanau hat als erstes Haus die weltweit schlankste Defibrillationselektrode implantiert – ein Durchmesser von nur 1,6 Millimetern eröffnet neue Möglichkeiten in der Behandlung gefährlicher Herzrhythmusstörungen.

Kardiologie

Herzrhythmusstörungen

Beitrag lesen
Zwei Kardiologen im Katheterlabor des Klinikums Wolfsburg bei der Pulsed-Field-Ablation zur Behandlung von Vorhofflimmern

Vorhofflimmern: Klinikum Wolfsburg setzt auf neue Pulsed-Field-Ablation

Aktuelles

Das Klinikum Wolfsburg gehört zu den wenigen Krankenhäusern in Deutschland, die eine neue Katheter-Technologie zur Behandlung von Vorhofflimmern einsetzen. Das Verfahren ist schonender als bisherige Methoden – und verkürzt den Eingriff auf rund 20 Minuten.

Kardiologie

Herzrhythmusstörungen

Beitrag lesen