E-Paper

Neurologie und Psychiatrie » Kopfschmerzerkrankungen

»

Akuttherapie und Prophylaxe bei Migräne

Akuttherapie und Prophylaxe bei Migräne

Aktuelles

Neurologie und Psychiatrie

Kopfschmerzerkrankungen

3 MIN

Erschienen in: neuro aktuell

Als häufigste neurologische Erkrankung stellt die Migräne ein wichtiges Thema im klinischen Alltag dar. Neben Fortschritten in der Prophylaxe gibt es auch neue Ansätze bei der Akuttherapie. Ein Update.

Ziel der prophylaktischen Therapie der Migräne ist, eine zentrale Sensitivierung und eine folgende Chronifizierung zu vermeiden, rief PD Dr. med. Charly Gaul, Frankfurt, in Erinnerung. Der Cut, wer eine Prophylaxe benötige, liege bei acht Kopfschmerztagen [1]. „Die Auswahl sollte individuell erfolgen und muss Leidensdruck, Komorbiditäten und Verordnungsvoraussetzungen berücksichtigen“, so Gaul. Ein wichtiger Bestandteil sei zudem eine adäquate Patienten-Edukation. Die Auswahl der Prophylaktika hat sich vergrößert – so können monoklonale Antikörper vermehrt eingesetzt werden. Besonders hervor hob Gaul den aktuellen Rote-Hand-Brief zu Topiramat: Hier wurde eine Teratogenität berichtet, weshalb Frauen im gebärfähigen Alter verpflichtet sind vor Therapiebeginn einen Schwangerschaftstest zu machen und hochwertige Verhütungsmethoden anzuwenden. Tritt eine Schwangerschaft ein, muss die Migräneprophylaxe abgebrochen werden.

Monoklonale Antikörper gegen CGRP und CGRP-Rezeptoren sind in der Migränetherapie wirksam bei schnellem Wirkeintritt und guter Verträglichkeit. Bei Therapieversagen oder Nebenwirkungen kann ein Switch der Antiköper sinnvoll sein, wie Studiendaten zeigen [2]. Für schwer Betroffene scheint eine Kombination aus Antikörpern und Botulinumtoxin eine Option zu sein, die jedoch mit gewissen Kosten verbunden ist, berichtete Gaul. Derzeit werden in klinischen Studien PACAP-Antikörper für die Migräne-Prophylaxe untersucht.

Die neue Leitlinie zur Therapie der Migräneattacke empfiehlt nach wie vor die Kaskade von NSAR, gefolgt von Triptan, und letztlich die Kombination aus beidem, berichtete Dr. med. Robert Fleischmann, Greifswald [3]. Bei NSAR zählen Naproxen und Metamizol zu den beliebtesten Substanzen [4]. Triptane sind NSAR in der Wirksamkeit überlegen, hinsichtlich der subjektiv berichteten Patientenzufriedenheit ist es jedoch andersherum [4]. Bezüglich einer Non-Response auf Triptane bei einer Attacke sei zum einen ein Zeitfenster von zwei Stunden bis Wirkeintritt zu berücksichtigen. Zudem empfehle sich ein Wechsel auf ein anderes Triptan bzw. der Verabreichungsform [5]. Insbesondere bei berichteter Übelkeit sollte eine Gastroparese bedacht und eine nasale bzw. subkutane Gabe probiert werden, empfahl der Experte.

Neue Therapieoptionen stellen Ditane und Gepante dar. Gepante seien laut Leitlinien im direkten Vergleich mit Triptanen und Ditanen eher wenig wirksam [3]. Bei Triptanversagen erwies sich Lasmiditan als wirksam [6]. „Mit den bestehenden Therapieoptionen sind wir gut aufgestellt, weitere Targets werden bereits untersucht“, so Fleischmann.

Martha-Luise Storre

Literatur:

  1. Rosignoli C et al. Applying a biopsychosocial model to migraine: rationale and clinical implications . J Headache Pain 2022;23:100
  2. Overeem LH et al. Effect of antibody switch in non-responders to a CGRP receptor antibody treatment in migraine: A multi-center retrospective cohort study. Cephalalgia 2022;42:291–301
  3. Diener HC, Förderreuther S, Kropp P. et al., Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne, S1-Leitlinie, 2022, DGN und DMKG, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am 09.11.2023)
  4. Ruscheweyh R et al. Triptan non-response in specialized headache care: cross-sectional data from the DMKG Headache Registry. J Headache Pain. 2023 Oct 10;24(1):135.
  5. Sacco S et al. European Headache Federation (EHF) consensus on the definition of effective treatment of a migraine attack and of triptan failure. J Headache Pain. 2022 Oct 12;23(1):133
  6. Reuter U et al. Lasmiditan efficacy in the acute treatment of migraine was independent of prior response to triptans: Findings from the CENTURION study. Cephalalgia. 2022;42(1):20–30

Quelle: Wissenschaftliches Symposium „Medikamentöse und nicht-medikamentöse Kopfschmerzbehandlung“ im Rahmen des DGN-Kongresses am 9. November 2023 in Berlin

Bildquelle: © Drobot Dean – stock.adobe.com

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Fatigue bei Multipler Sklerose

Fachbeitrag

Die Multiple Sklerose (MS) ist mit über 300.000 Betroffenen in Deutschland die häufigste chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS) und wird durch eine fehlgeleitete Immunreaktion autoreaktiver Zellen gegenüber den Myelinscheiden, aber auch den Axonen ausgelöst; zusätzlich spielen neurodegenerative Veränderungen eine Rolle.

Neurologie und Psychiatrie

Demyelinisierende Erkrankungen

Multiple Sklerose

Beitrag lesen

Für eine schnelle und bessere Versorgung chronischer Schmerzpatienten

Aktuelles

Das Münchner Biopharmaunternehmen VERTANICAL hat heute den Abschluss einer Co-Promotion-Vereinbarung mit Viatris Inc. (Nasdaq: VTRS), einem global tätigen Gesundheitsunternehmen, zur Markteinführung von Exilby® in Deutschland bekannt gegeben. Gemeinsam wollen die Partner das Arzneimittel nach dem Marktstart am 01.09. in die Versorgung bringen.

Neurologie und Psychiatrie

Schmerz

Beitrag lesen

Charta der Rechte für eine lückenlose Versorgung bei Epilepsie

Aktuelles

Die „Charta der Rechte für eine lückenlose Versorgung bei seltenen und komplexen Epilepsien (The Rare and Complex Epilepsies Continuity of Care Rights Charter)“ wurde heute vorgestellt und unterstreicht die dringende Notwendigkeit einer besseren Versorgungskontinuität für Menschen, die mit seltenen und komplexen Epilepsien leben.

Neurologie und Psychiatrie

Epilepsie

Beitrag lesen