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Anorexia nervosa und Komorbiditäten

Anorexia nervosa und Komorbiditäten

Kongress

Neurologie und Psychiatrie

Psychische Erkrankungen

Anorexia Nervosa

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Erschienen in: neuro aktuell

Prof. Dr. Ulrich Voderholzer, Ärztlicher Direktor und Chefarzt im Fachzentrum für Psychosomatik & Psychotherapie in der Schön Klinik Roseneck, ging in seinem Vortrag im Rahmen des DGPPN-Kongresses auf das Zusammenspiel von Komorbiditäten der Anorexia nervosa mit der Erkrankung ein. 

Mit einer langen Behandlungslatenz von 2,5–6 Jahren, wobei nach 3–7 Jahren ein sehr hohes Risiko der Chronifizierung besteht, hohen Rückfallraten und einer Mortalitätsrate von ca. 10 % ist die Anorexie eine sehr ernstzunehmende psychische Erkrankung. Bei Patienten und Patientinnen mit dem Purging-Verhalten ist die Mortalitätsrate besonders hoch.

Durch die Starvation könnten auch somatische Probleme wie Haarausfall, Durchblutungsstörungen, Ödeme, Perikarderguss, Bradykardie, Hypothermie, Osteoporose, Spontanfrakturen, reversible Hirnatrophie und Fertilitätsstörungen auftreten. Laborwerte zeigen häufig einen Rückgang der Leukozyten, Glucose und Sexualhormone und einen Cortisol- und Transaminasenanstieg. Durch die Aufklärung der Patienten über die körperlichen Folgen und Risiken kann ggf. die Behandlungsbereitschaft gefördert werden.

Auch genetische Zusammenhänge zwischen Anorexia nervosa und anderen psychischen Erkrankungen können eine Rolle bei der Entstehung von Komorbiditäten spielen. Insbesondere zwischen Zwangsstörungen und Anorexie besteht eine genetische Korrelation. Das erklärt die hohe Anzahl an komorbid auftretendem zwanghaften Verhalten bei Essstörungen: 10–15 % der Patienten mit Anorexie haben eine Zwangsstörung unabhängig vom Essen, 60–80 % weisen zwanghafte Verhaltensweisen in Bezug auf Essen und ihr Gewicht auf [1, 2]. 

Einige komorbide Symptome und Störungen, wie zum Beispiel Depressivität, bessern sich bei der Wiederernährung. Insbesondere bei Zwangsstörungen ist jedoch – auch wenn sich hier ebenso eine Symptomlinderung bei einer Besserung der Anorexie zeigen kann – eine separate Therapie angezeigt. Es ist wichtig, die komorbiden Störungen zu erkennen, da sie den Verlauf und die Prognose beeinflussen können. So zeigte sich beispielsweise, dass bei vielen Anorexie-Patienten auf Depressivität mit Nahrungsrestriktion reagiert wird.

Bei der Anorexie bietet sich insbesondere die Gruppentherapie und das peer counseling an: „Es hat sich gezeigt, dass gerade bei der Anorexie Patienten, die die Krankheit bereits überwunden haben, eine große Rolle bei der Genesung spielen können, da sie einen ganz anderen Zugang haben“, so Prof. Dr. Voderholzer.

Michelle Mück

Literatur:

  1. Levinson et al. J Affect Disord 2018
  2. Mandelli et al. J Affect Disord 2020

Quelle: Wissenschaftliches Symposium „Neue Forschungsergebnisse bei Anorexia nervosa“ im Rahmen des DGPPN Kongresses am 30.11.2023 in Berlin

Bildquelle: © Africa Studio – stock.adobe.com

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