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Demenz kostet Europa jährlich über 221 Milliarden Euro

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Demenz kostet Europa jährlich über 221 Milliarden Euro

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mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: neuro aktuell

Die gesellschaftlichen Kosten von Demenz in Europa sind höher als bislang angenommen. Eine aktuelle Analyse zeigt, dass vor allem Angehörige einen Großteil der Versorgung leisten. Die Ergebnisse verdeutlichen den Handlungsbedarf bei Prävention, Diagnostik und Versorgungsstrukturen.

Informelle Pflege verursacht den größten Teil der Demenzkosten

Demenzerkrankungen verursachen in 30 wohlhabenden europäischen Ländern jährliche gesellschaftliche Kosten von rund 221,4 Milliarden Euro. Zu diesem Ergebnis kommt die COIN-Eu-Demenzanalyse der European Academy of Neurology (EAN), die im Journal of Alzheimer’s Disease veröffentlicht wurde.
Besonders auffällig: Mit 128,1 Milliarden Euro entfallen knapp 58 % der Gesamtkosten auf informelle Pflegedurch Angehörige, Freunde und andere nicht vergütete Betreuungspersonen. Die direkten Gesundheits- und Versorgungskosten liegen dagegen bei 93,2 Milliarden Euro und machen rund 42 % der Gesamtausgaben aus. Produktivitätsverluste spielen mit lediglich 0,03 % der Gesamtkosten eine untergeordnete Rolle.

Fast neun Millionen Betroffene in den untersuchten Ländern

Nach Schätzungen der Autoren lebten 2019 in den 30 untersuchten Hochlohnländern Europas etwa 8,8Millionen Menschen mit Demenz. Die durchschnittlichen gesellschaftlichen Kosten beliefen sich auf rund25.200 Euro pro Patient und Jahr.
Deutschland, Italien, Großbritannien, Frankreich und Spanien vereinten gemeinsam rund 68 % der gesamtenwirtschaftlichen Belastung auf sich. Dies ist vor allem auf die hohe Bevölkerungszahl und die große Zahl vonDemenzpatienten in diesen Ländern zurückzuführen.
Die Gesamtkosten entsprechen etwa 1,6 % des Bruttoinlandsprodukts der untersuchten Region. Damit stelltDemenz nicht nur eine medizinische, sondern auch eine erhebliche gesundheitsökonomischeHerausforderung dar.


Systematische Analyse von 45 europäischen Kostenstudien

Für die Untersuchung werteten die Forscher 45 europäische Kostenstudien aus, die zwischen 2010 und 2023veröffentlicht worden waren. Die Daten wurden mithilfe eines standardisierten gesundheitsökonomischenVerfahrens harmonisiert, um Unterschiede zwischen den Studien auszugleichen und die Vergleichbarkeit zuverbessern.
Alle Kostenangaben wurden auf das Preisniveau des Jahres 2019 umgerechnet und kaufkraftbereinigtdargestellt. Berücksichtigt wurden direkte medizinische Kosten, informelle Pflegeleistungen sowie indirekteKosten durch Produktivitätsverluste.

Angehörige tragen eine oft unterschätzte Last

Die Autoren betonen, dass sich die Belastung durch Demenz nicht auf finanzielle Aspekte beschränkt.Angehörige und andere informelle Pflegepersonen übernehmen einen erheblichen Teil der Versorgung undsind häufig selbst gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt.
Mit Fortschreiten der Erkrankung steigen die Anforderungen an Betreuung und Unterstützung deutlich an. Dieskann mit körperlichen Belastungen, psychosozialem Stress sowie Einschränkungen der eigenenLebensqualität einhergehen.
Studienleiter Prof. Richard Dodel von der Universität Duisburg-Essen bezeichnete den Umfang der informellenPflege als eines der bemerkenswertesten Ergebnisse der Analyse. Die Leistungen von Angehörigen seien fürdie Versorgung von Menschen mit Demenz essenziell, würden aber häufig nicht ausreichend berücksichtigt.


Alternde Gesellschaft dürfte Kosten weiter steigen lassen

Angesichts des demografischen Wandels rechnen Experten mit einem deutlichen Anstieg der Demenzprävalenz und der damit verbundenen Kosten in den kommenden Jahrzehnten. Frühere Modellierungen gehen weltweit von einer erheblichen Zunahme der Krankheitslast bis 2050 aus.
Die Autoren sehen daher Handlungsbedarf auf mehreren Ebenen. Neben Investitionen in Versorgungsstrukturen und Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige seien auch Strategien zur Früherkennung sowie Präventionsmaßnahmen gegen modifizierbare Risikofaktoren wie Bewegungsmangel, Rauchen, Adipositas und Hypertonie erforderlich.
Darüber hinaus fordern die Forscher stärker standardisierte Methoden zur Erfassung von Demenzkosten. Insbesondere die Bewertung informeller Pflege sollte vereinheitlicht werden, um internationale Vergleiche zu erleichtern und die gesundheitspolitische Planung zu verbessern.


Autorin: Dr. Christina Sabine Heil

Quelle: https://www.gelbe-liste.de/neurologie/demenz-kosten-europa-221-milliarden-euro-angehoerige

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