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Epstein-Barr-Viren: Antivirale Therapien als Hoffnungsträger

Epstein-Barr-Viren: Antivirale Therapien als Hoffnungsträger

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Neurologie und Psychiatrie

Demyelinisierende Erkrankungen

Multiple Sklerose

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Erschienen in: neuro aktuell

Zum Beitrag von Infektionen mit Epstein-Barr-Viren (EBV) zur Pathogenese der Multiplen Sklerose (MS) sucht man weiterhin nach Antworten zu zentralen Fragen der Immunologie. Expertinnen und Experten der beiden Forschungs-Konsortien EBV-MS und BEHIND-MS sehen aber Fortschritte bei antiviralen Therapiekonzepten.

Mehr als 90% der Menschen infizieren sich in ihrem Leben mit EBV, aber nur wenige erkranken an einer MS, obwohl das Virus bei allen Menschen lebenslang im Körper verbleibt. Zur Frage, wie sich gesunde EBV-Träger und MS-Betroffene unterscheiden, untersuchte eine Arbeitsgruppe das Spektrum antiviraler Antikörper im Blut von 30 MS-Patientinnen und -patienten, berichtete Prof. Jan Lünemann, Münster. Die Analyse zeigte, dass sich beide Gruppen nur durch eine deutliche antivirale Antikörperantwort auf EBV-Viren bei MS-Betroffenen unterschieden. Die Antikörperantwort erfolgte vor allem bei dem nukleären EBV-Antigen EBNA1 (Epstein-Barr nuclear antigen 1).

Das Risiko, eine MS zu entwickeln, steigt mit dem EBNA1-Titer im Plasma. EBNA-1381-452-IgG-Antikörper-Titer steigen nach einer Serokonversion signifikant, lange vor der MS-Diagnose. EBNA-1381-452-IgG-Antikörper könnten als prognostischer Biomarker zur Identifikation von Risikopatienten dienen. EBNA1 wird vor allem in Memory-B-Zellen nachgewiesen. Letztendlich induziert EBV das Einwandern dieser B-Zell-Subsets ins ZNS mit Aktivierung proinflammatorischer T-Zellen.

Lünemann: „Was wir sicher wissen ist, dass EBV-Infektionen das Risiko erhöht, eine MS zu entwickeln. Ob EBV-Infektionen ein Treiber der MS-Rezidive und der Progression sind, das ist noch offen und muss weiter untersucht werden.“

Klinische Studien laufen

Antivirale Wirkstoffe könnten einen Beitrag zur MS-Therapie leisten, meinte Prof. Øivind Torkildsen, Oslo. Valomaciclovir, Tenofovir Alafenamide (TAF), Valacyclovir, Acyclovir und andere klassische Anti-Herpes-Medikamente wurden in kleineren Studien getestet. Hoffnungen setzt Torkildsen jetzt in die laufenden antiviralen Studien TARGET-EBV, TAF- Delta und TAF-1. In TAF-Delta werden verschiedene TAF-Dosierungen von gegen Placebo bei jeweils 30 Patienten mit schubförmig-remittierender MS getestet. Erste „gute Ergebnisse“ sollen 2026 vorgestellt werden, versprach Torkildsen.

Dr. Alexander Kretzschmar, München

Quelle: Educational Session 1: Epstein-Barr Virus in multiple sclerosis – where are we? where should we go? 41. Jahrestagung des European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis (ECTRIMS) am 24. September 2025 in Barcelona.

Bildquelle: © ProArt Studios – stock.adobe.com

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