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Gehirnschaltkreise hinter der angstlösenden Wirkung von Psychedelika identifiziert

Gehirnschaltkreise hinter der angstlösenden Wirkung von Psychedelika identifiziert

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Erschienen in: neuro aktuell

Ein Forschungsteam der University of California hat unterschiedliche neuronale Schaltkreise für die angstlösenden und halluzinogenen Wirkungen von Psychedelika identifiziert. Mithilfe des Psychedelikums DOI bei Mäusen konnte gezeigt werden, dass die angstlösende Wirkung weit über das Abklingen der halluzinogenen Effekte hinaus anhält. Durch das Mapping aktivierter Gehirnzellen mittels molekularer Markierung und deren Reaktivierung mit Licht konnten spezifische Neuronen im präfrontalen Kortex ausfindig gemacht werden, die für die Angstreduktion verantwortlich sind. Diese Ergebnisse eröffnen neue Perspektiven für die Entwicklung zielgerichteter Therapien gegen Angststörungen, die auf halluzinogene Effekte verzichten könnten.

Die Forschenden untersuchten die Wirkungen des Psychedelikums 2,5-Dimethoxy-4-Iodamphetamin (DOI) in Mausmodellen. Dabei zeigte sich, dass die Angstreduktion bis zu sechs Stunden nach der Verabreichung anhielt, während halluzinationsähnliche Effekte, wie durch Kopfschütteln gemessen, bereits abgeklungen waren.  Die Messung des angstbezogenen Verhaltens erfolgte mit zwei etablierten Tests: 

– Im erhöhten Plus-Labyrinth verbrachten Mäuse mit reduziertem Angstverhalten mehr Zeit in offenen, ungeschützten Bereichen. 

– Im Murmelvergrabungstest vergruben Mäuse mit geringerem Angstniveau seltener Murmeln in ihrer Einstreu. 

Neurale Mechanismen im Fokus 

Um die für die Angstreduktion verantwortlichen neuronalen Netzwerke genauer zu untersuchen, nutzte das Team das molekulare Markierungswerkzeug scFLARE2. Damit konnten spezifische Neuronen im medialen präfrontalen Kortex sichtbar gemacht werden, einer Region, die eine zentrale Rolle bei der Regulierung von Angst spielt.  Durch den Einsatz von Optogenetik, einer lichtbasierten Methode zur Aktivierung spezifischer Neuronen, gelang es, die durch DOI aktivierten Zellen erneut zu stimulieren. Durch die Messung des Mäuseverhaltens konnte gezeigt werden, dass die Reaktivierung der Zellen auch am Folgetag noch angstlösend wirkte, was darauf hindeutet, dass psychedelische Effekte durch komplexe neuronale Netzwerke vermittelt werden und nicht auf einzelne Zelltypen beschränkt sind.  

Ausblick auf potenzielle Therapien 

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass es möglich sein könnte, auf Psychedelika basierende Behandlungen zu entwickeln, die Angst lindern, ohne Halluzinationen hervorzurufen. Die Studie unterstreicht zudem die Komplexität psychedelischer Effekte, die sowohl direkte als auch nachgelagerte neuronale Netzwerke einbeziehen.

Die Studie wurde vom Center for Neuroscience und dem Institute for Psychedelic Neuroscience (IPN) unterstützt und im Rahmen eines interdisziplinären Forschungsprogramms durchgeführt. Ziel ist es, die neuronalen Mechanismen von Psychedelika systematisch zu entschlüsseln, um langfristig innovative Therapien für psychiatrische Erkrankungen zu ermöglichen. 

Autorin: Julina Pletziger

Originalstudie: J. Muir et al. Isolation of psychedelic-responsive neurons underlying anxiolytic behavioral states. Science 2024; 386: 802–10

Bildquelle: © YouraPechkin – stock.adobe.com

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