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Insulin in der Pathophysiologie der Depression – ein vernachlässigter Mechanismus?

Insulin in der Pathophysiologie der Depression – ein vernachlässigter Mechanismus?

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Erschienen in: neuro aktuell

Bei Patienten mit Depression, die gleichzeitig an Diabetes leiden, wird ein äußerst schlechter Krankheitsverlauf beobachtet, sagte PD Dr. Sharmili Edwin Thanarajah, Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Universitätsmedizin Frankfurt/Main. Außerdem ist bei Depression das Diabetes-Risiko um 60 % erhöht, und mehr als 25 % der Diabetes-Patienten entwickeln depressive Symptome. Bei beiden Erkrankungen spielen pathophysiologische Mechanismen wie Mikro- und Makroangiopathien sowie periphere Entzündungen eine Rolle. Dennoch wurde dem bidirektionalen Zusammenhang zwischen Depression und Diabetes lange Zeit wenig Beachtung geschenkt. Ein Grund dafür liegt laut Thanarajah vermutlich darin, dass man Insulin früher für ein ausschließlich peripher wirkendes Hormon hielt. Es hat sich jedoch mittlerweile herausgestellt, dass auch das Gehirn ein Insulin-sensitives Organ ist. Im gesamten Gehirn befinden sich zahlreiche Insulinrezeptoren. Eine besonders hohe Dichte besteht in Regionen wie dem präfrontalen und dem limbischen Cortex. Untersuchungen an Tiermodellen haben gezeigt, dass eine Insulinresistenz im Gehirn sowohl die Neurotransmission als auch basalsensorische Funktionen wie das Riechen beeinflussen kann. Darüber hinaus beeinträchtigt sie exekutive Funktionen wie das Arbeitsgedächtnis und trägt zum Abbau der grauen Substanz bei. Zuverlässig nachweisbar war im Tiermodell, dass Insulinresistenz bei Mäusen zu kognitiven und depressiven Symptomen führt. Auch beim Menschen werden auf dem olfaktorischen Bulbus zahlreiche Insulinrezeptoren exprimiert. Untersuchungen belegen, dass es um das Riechvermögen umso schlechter steht, je stärker die Insulinresistenz ausgeprägt ist. Andererseits führte in einer Humanstudie die Gabe des GLP-1-Analogons Liraglutid bei Nichtdiabetikern zu einer Verbesserung der Stimmung und der kognitiven Funktionen. Welche Schlussfolgerungen für die Praxis können aus diesen Erkenntnissen gezogen werden? Laut Thanarajah sollten depressive Patienten bezüglich Gewichtszunahme und anderer metabolischer Veränderungen eng überwacht werden. „Bevor das erste Antidepressivum verordnet wird, sollte bereits auf die Bedeutung von gesunder Ernährung und sportlicher Betätigung verwiesen werden“, betonte die Referentin. Dr. Claudia Bruhn Quelle: Wissenschaftliches Symposium „Lifestyle Psychiatry: Die Bedeutung von Ernährung, Sport, Tabakkonsum und Social Media für die mentale Gesundheit“ im Rahmen des DGPPN-Kongress am 27.11.2024 in Berlin Bildquelle: © Orawan- stock.adobe.com

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