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Kognitives und affektives Screening in der Demenz-Diagnostik

Holzbuchstaben mit der Aufschrift "Demenz" auf einer offenen Hand.

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Kognitives und affektives Screening in der Demenz-Diagnostik

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Erschienen in: neuro aktuell

Demenz betrifft in Deutschland etwa 2,8 % der Bevölkerung ab 40 Jahren. Kognitives und affektives Screening spielt eine zentrale Rolle in der Früherkennung und Verlaufskontrolle. Dieser Leitfaden stellt bewährte Screening-Verfahren vor und gibt praxisnahe Empfehlungen für den klinischen Alltag. 

Derzeit sind in Deutschland etwa 2,8 % der Bevölkerung ab 40 Jahren und 6,9 % in der Altersgruppe ab 65 Jahren von einer Demenz betroffen. Neben Demenzerkrankungen gehen Schätzungen für Deutschland davon aus, dass circa 9,7 % respektive 16,8 % aller Personen ≥ 65 Jahre eine leichte kognitive Beeinträchtigung (Mild Cognitive Impairment, MCI) aufweisen. 

Bei einem MCI handelt es sich um einen möglichen – aber nicht zwangsläufig eintretenden – Vorläufer einer Demenz, und es stellt eine Übergangsphase zwischen altersgerechter normaler Kognition und leichter Demenz dar. Beim MCI liegen subjektiv wahrgenommene und objektivierbare geistige Leistungseinbußen vor, die anders als bei der Demenz nicht die Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL) beeinträchtigen. 

Neuropsychiatrische Symptome bei Demenz 

Neben den typisch kognitiven Symptomen wie Gedächtnisverlust, Konzentrationsproblemen oder einer reduzierten Verarbeitungsgeschwindigkeit, weist auch der Großteil der Demenz-Patientinnen und -Patienten neuropsychiatrische Symptome auf: 

  • Angst
  • Depressivität
  • Apathie

Besonders ausgeprägt sind sie in mittleren Krankheitsstadien, nehmen jedoch mit dem Fortschreiten der Erkrankung weiter zu. Für Betroffene und Angehörige gehen sie oft mit einer erheblichen emotionalen und alltäglichen Belastung einher. Bei Personen mit neu auftretender MCI können bestimmte Muster neuropsychiatrischer Symptome die Wahrscheinlichkeit eines Übergangs zur Demenz erhöhen. 

Als sehr hilfreich haben sich auch Biomarker erwiesen, insbesondere bei der Alzheimer-Demenz. Diese sind derzeit im Liquor nachweisbar und werden in absehbarer Zeit voraussichtlich auch im Blut messbar sein. 

Werden Demenzen in der Primärversorgung erkannt? 

Trotz der hohen Prävalenz und erheblichen Auswirkungen von Demenzen mit ihren kognitiven und affektiven Symptomen auf Betroffene und Angehörige, werden diese häufig nicht gut in der Hausarztpraxis erkannt. In Deutschland erhalten 60 % der an Demenz-Erkrankten keine formale Diagnose

Dies liegt unter anderem daran, dass kognitive Beeinträchtigungen oft subtil beginnen und von Betroffenen sowie Angehörigen zunächst als normale Alterserscheinungen interpretiert werden. Zudem fehlt es in vielen Praxen an Zeit und strukturierten Screening-Verfahren. 

Dabei ist eine frühzeitige Diagnose entscheidend:

  • Sie ermöglicht den rechtzeitigen Einsatz therapeutischer Maßnahmen 
  • Sie unterstützt die Planung der Versorgung 
  • Sie ermöglicht die Aufklärung von Betroffenen und Angehörigen 

Kognitive Screenings sind dabei ein unverzichtbares Instrument, um erste Hinweise auf kognitive Defizite zu erhalten und den Verlauf zu dokumentieren. 

Kognitive Screenings im deutschsprachigen Raum: Die „großen Drei” 

Die am weitesten verbreiteten kognitiven Screeningverfahren basieren nach wie vor überwiegend auf klassischen Papier-und-Stift-Tests. Zu den national am häufigsten eingesetzten kognitiven Screenings gehören: 

  • Mini-Mental-Status-Test (MMST) 
  • DemTect 
  • Montreal Cognitive Assessment (MoCA) 

Diese werden oft als die „großen Drei” bezeichnet. 

Während der DemTect und MoCA insbesondere für die Früherkennung leichter kognitiver Störungen als sehr sensitiv gelten, weist der MMST aufgrund seiner Einfachheit hierfür eine geringere Sensitivität auf und ist daher für die Frühdiagnostik nur bedingt geeignet. Dafür spielt er eine wichtige Rolle beim sogenannten „Staging”, also bei der Beschreibung des Krankheitsverlaufs, auch in fortgeschritteneren Demenzstadien. 

Korrektur für soziodemographische Variablen 

Der DemTect hat seit Neuestem eine Alters-, Bildungs- und Geschlechtskorrektur, der MoCA korrigiert lediglich für Bildung (+ 1 Punkt, wenn ≤ 12 Jahre Ausbildung). Der MMST berücksichtigt keine soziodemographischen Variablen, obwohl hierzu Publikationen vorliegen. 

Darüber hinaus liegen im Gegensatz zum MMST für den DemTect und MoCA Parallelversionen vor, was Verlaufsuntersuchungen ermöglicht. Während der MMST nur einen Cut-off-Wert für Demenz kennt, bietet der MoCA einen für kognitive Störungen und der DemTect jeweils einen für MCI und Demenz. 

Autoren: I. Ballasch, J. Kessler

Dieser Artikel erschien in der neuro aktuell 2/26. Lesen Sie hier zu kognitiven Domänen im MMST, MoCA und DemTect sowie Praxisempfehlungen für den Einsatz kognitiver Screenings bei MCI.

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