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Neurologie trifft Psyche

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Neurologie trifft Psyche

Kongress

Neurologie und Psychiatrie

Psychosomatik

mgb medizin Redaktion

Verlag

3 MIN

Erschienen in: neuro aktuell

Anlässlich des diesjährigen EAN-Kongress gingen Celso Arango, Madrid, designierter Präsident der European Psychiatric Association (EPA), Umberto Volpe, Ancona, und Justyna Paprocka, Katowice, auf die biologischen und sozialen Determinanten neurologischer Erkrankungen und psychischer Gesundheit ein. Dabei wurde klar, dass Prävention, Diagnostik und Versorgung künftig stärker gemeinsam gedacht werden müssen.

Celso Arango betonte, wie wichtig der Stellenwert der Primärprävention psychiatrischer Erkrankungen sei. Obwohl psychische Erkrankungen häufig bereits in der Adoleszenz beginnen (das mittlere Erkrankungsalter liegt bei rund 14,5 Jahren), spiele Prävention im Vergleich zu anderen Volkskrankheiten bislang eine untergeordnete Rolle. Dabei könnten dem Experten zufolge präventive Maßnahmen nicht nur individuelles Leid reduzieren, sondern auch erhebliche gesundheitliche und ökonomische Vorteile bringen. Arango verwies auf zahlreiche beeinflussbare Risikofaktoren, darunter pränataler Alkohol- und Drogenkonsum, elterlicher Stress, höheres Elternalter, Mobbing sowie Cannabiskonsum. Anhand von Beispielen aus Spanien zeigte Arango, wie sich Primärprävention zunehmend in die klinische psychiatrische Versorgung integrieren lässt.

Umberto Volpe, Ancona, fokussierte seinen Vortrag auf die Versorgung psychischer Erkrankungen in Europa. Die COVID-19-Pandemie habe die Prävalenz psychiatrischer Störungen erhöht, zugleich wirkten sich geopolitische Krisen und wirtschaftliche Unsicherheiten zusätzlich auf die psychische Gesundheit aus. Trotz vergleichbarer Herausforderungen bestehen europaweit weiterhin erhebliche Unterschiede in der psychiatrischen Versorgung, etwa bei Notfallstrukturen oder klinischen Entscheidungsprozessen. Die European Psychiatric Association reagiert Volpe zufolge darauf mit mehreren Arbeitsgruppen, die unter anderem Präzisionspsychiatrie, Public Mental Health, Versorgung vulnerabler Bevölkerungsgruppen und den Abbau von Stigmatisierung vorantreiben.

Justyna Paprocka präsentierte einen Überblick über neuroentwicklungsbedingte Erkrankungen. Deren Entstehung beruht auf einem komplexen Zusammenspiel genetischer, umweltbedingter und entwicklungsabhängiger Faktoren. Besonders kritisch seien Zeitfenster erhöhter Vulnerabilität – von der pränatalen Phase bis in die frühe Kindheit sowie während der Adoleszenz, in denen Umwelteinflüsse die Gehirnentwicklung nachhaltig prägen können. Sichtbare klinische Symptome spiegelten dabei häufig nur einen Teil der zugrunde liegenden Pathophysiologie wider. Gleichzeitig eröffnen genetisch zielgerichtete Therapien neue Perspektiven, sodass auch die Kinderneurologie zunehmend in das Zeitalter der Präzisionsmedizin eintritt. Voraussetzung sei jedoch eine lebenslange, interdisziplinäre Betreuung der Betroffenen.

Fazit der Referenten: Neurologische und psychiatrische Erkrankungen sollten nicht getrennt betrachtet werden. Ein gemeinsames Verständnis biologischer und sozialer Determinanten, konsequente Prävention, frühzeitige Interventionen sowie eine eng verzahnte, lebenslange Versorgung könnten entscheidend dazu beitragen, die Gehirngesundheit nachhaltig zu verbessern.

Elke Engels

Quelle: 12th Congress of the European Academy of Neurology vom 27. -30. Juni 2026 online und in Genf

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