Neurologische Manifestationen onkologischer Erkrankungen und Therapien stellen eine wachsende diagnostische Herausforderung dar. Welche Rolle die Liquordiagnostik in der Neuroonkologie spielt, erörterten Fachmediziner unter anderem anhand möglicher Liquor-Veränderungen beim paraneoplastischen neurologischen Syndrom (PNS) und bei Immuncheckpoint-Inhibitor (ICI)-assoziierter Neurotoxizität.
Neurologische Symptome bei Tumorerkrankungen können im Wesentlichen in Tumor-assoziierte Beschwerden und Therapie-assoziierte Nebenwirkungen gegliedert werden, berichtete Prof. Dr. med. Herwig Strik, Facharzt für Neurologie in Bamberg. Unter den Mechanismen der Neurotoxizität nannte Strik eine durch ICI-induzierte Autoimmunität und bei CAR-T-Strategien induzierte T-Zell-Toxizität und Zytokinausschüttung. Tumor-bedingte neurologischen Symptome können durch Tumorrezidive und Metasthasen begünstigt werden sowie bei Meningeosis neoplastica und beim paraneoplastischen neurologischen Syndrom (PNS) durch Fernwirkung von Malignomen in Erscheinung treten, nannte der Experte.
Bei Verdacht auf PNS kann eine MRT-Bildgebung sowie eine Liquordiagnostik Hinweise auf entsprechende Entzündungsprozesse (antineuronale Autoimmunität) geben und zu vereinbarende Befunde liefern. Die Liquordiagnostik dient als eine Unterstützung bei der Einstufung der klinischen Präsentation und kann auch zum Ausschluss von Alternativursachen herangezogen werden, fasste Prof. Dr. med. Jan Lewerenz, Facharzt für Neurologie in Ulm, zusammen. In der Regel wäre ein entzündlicher Liquor nachweisbar u.a. mit Pleozytose, Proteinerhöhungen und isolierten oligoklonalen Banden (OKB). Wenn Hochrisiko Antikörper, wie Yo (PCA-1) oder Hu (ANNA-1), nachgewiesen werden können, wäre laut Lewerenz eine Tumorerkrankung als Ursache einer PNS sehr wahrscheinlich.





