Am Beispiel der progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML) erläuterten Fachmediziner im Rahmen der Neurowoche 2026 in Berlin die aktuellen Möglichkeiten der Liquordiagnostik.
Der Krankheitsverlauf von ZNS-Infektionen wäre sehr unterschiedlich und auf individueller Ebene schwer vorherzusagen, so die Einschätzung von PD Dr. med. Samir Abu Rumeileh, Facharzt für Neurologie in Halle (Saale). Zu den diagnostischen Verfahren zählen, eine MRT-Bildgebung sowie Liquor-Untersuchungen, einschließlich PCR- oder Antikörper-Analysen zur Erregerdiagnostik. Dr. med. Lea Grote-Levi, Fachärztin für Neurologie in Hannover, betonte, für eine bestmögliche Testqualität darauf zu achten, bei der Punktion mindestens 10 ml Liquor und Blutserum-Proben möglichst zeitgleich zu entnehmen und beides zeitnah auszuwerten. Die Sensitivität des jeweiligen PCR-Assays im CSF/Liquor könne ebenfalls variieren, was die Expertin am Beispiel einer gezielten JCPyV-PCR verdeutlichte, dessen Sensitivität zwischen 60-90 % schwanken könne. Ein positiver JCPyV-PCR-Nachweis im Liquor stütze eine definitive Diagnose der progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML), sofern es in das klinisch-radiologische Bild passe, gab Grote-Levi zu bedenken. Als einen vielversprechenden Ansatz der Liquordiagnostik hob Grote-Levi noch die aktuellen Forschungsaktivitäten im Bereich metagenomische Next-Generation-Sequenzierung (mNGS) hervor.
Als seltene, opportunistische Viren-Erkrankung geht PML oft mit schweren Infektionen des Gehirns und hoher Mortalität innerhalb von wenigen Monaten einher, schilderte PD Dr. med. Nora Möhn, Fachärztin für Neurologie in Bonn. Betroffene wären in der Regel schwer immunsupprimiert, wohingegen im immunkompetenten Körper asymptomatische aber persistierende Infektionen bei etwa 60-80% aller Menschen ab 60 Jahre überdauern können. Bei den meisten immunsupprimierten Personen kommt es in Folge einer Reaktivierung des Virus zu einer Infektion im Gehirn (PML), so die Einschätzung von Möhn. Abgesehen von erhöhten Zellzahlen vor allem bei HIV-assoziierter PML wären andere Liquor-Veränderungen zum Beispiel hinsichtlich Routineparameter oder Metabolom nicht PML-spezifisch. Erst ein Virusnachweis im Liquor mit sensitiver PCR in Kombination mit klinischen Befunden und typischen MRT-Veränderungen ermöglichen in der Gesamtschau die Diagnose PML, schlussfolgerte die Expertin.
Dr. rer. nat. Christine Willen
Quelle: Symposium DGN-Wissenschaft: „Von Liquor zu Blut: Biomarker in der Diagnostik und Prognose von ZNS-Infektionen“ am 05.11.2026 anlässlich der Neurowoche in Berlin.





