Neurologie und Psychiatrie » Schlaf

»

Zufällig abgespielte Töne im Schlaf beeinträchtigen die Gedächtnisbildung

zufällige Töne stören Schlaf

Quelle: David_stock.adobe.com

Zufällig abgespielte Töne im Schlaf beeinträchtigen die Gedächtnisbildung

Aktuelles

Neurologie und Psychiatrie

Schlaf

mgb medizin Redaktion

Verlag

2 MIN

Erschienen in: neuro aktuell

Die Schlafforschung beschäftigt sich seit einigen Jahren intensiv mit der Frage, ob gezielte akustische Stimulation im Schlaf die Festigung neuer Erinnerungen verbessern kann. Ein Freiburger Forschungsteam um die Neuropsychologinnen Prof. Dr. Monika Schönauer und Dr. Nora Roüast hat in einer neuen Studie herausgefunden, dass akustische Reize während des Schlafs auch unerwünschte Folgen haben können.

Zufällig eingespielte Töne während des Schlafs verschlechtern die Festigung neuer Erinnerungen, weil sie den Tiefschlaf stören und so die Ausbreitung langsamer Hirnwellen verändern. Letztere gelten als wichtiger Bestandteil der Gedächtnisbildung, weil sie den Informationsaustausch zwischen den Hirnregionen maßgeblich fördern. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass zufällig eingespielte Töne wichtige Prozesse im Schlaf stören können. Für die Gedächtnisbildung ist nicht nur entscheidend, dass langsame Hirnwellen auftreten, sondern auch, wie sie sich im Gehirn ausbreiten. Genau diese Ausbreitung wird durch die Töne beeinträchtigt“, sagt Roüast.

Langsame Hirnwellen erreichen weniger Hirnregionen

An der Studie nahmen 20 Erwachsene teil. An zwei Versuchstagen lernten sie vor einem dreistündigen Mittagsschlaf sowohl faktisches Wissen als auch eine Fingerbewegungsfolge. Während des Schlafs zeichneten die Forschenden mithilfe einer Elektroenzephalografie (EEG) die Hirnaktivität und die Schlafstadien auf. An einem Versuchstag hörten die Teilnehmenden während des Schlafs zufällig eingespielte Töne in Form von einer Folge kleiner Klicks, am anderen blieb es still. Nach dem Schlaf überprüften die Forschenden, wie gut sich die Teilnehmenden an die Lerninhalte erinnern konnten.

Die zufällig eingespielten Töne verkürzten die gesamte Schlafdauer kaum. Stattdessen veränderten sie vor allem die Zusammensetzung des Schlafs: Die Teilnehmenden verbrachten deutlich weniger Zeit im Tiefschlaf und mehr Zeit in leichteren Schlafphasen. Außerdem traten langsame Hirnwellen seltener auf und erreichten weniger Hirnregionen. Besonders diese veränderte Ausbreitung war für die signifikant schlechtere Gedächtnisleistung ausschlaggebend. „Gerade weil derzeit intensiv daran geforscht wird, Gedächtnisprozesse mithilfe schlafbasierter Stimulation zu verbessern oder therapeutisch zu nutzen, zeigen unsere Ergebnisse, dass wir mögliche Nebenwirkungen sorgfältig berücksichtigen müssen. Schon die Töne selbst, ohne Melodie oder sprachlichen Inhalt, können die Schlafphysiologie und die komplexen Prozesse, die der Gedächtnisbildung zugrunde liegen, beeinflussen und stören“, betont Schönauer.

Quelle: Pressemitteilung der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg vom 9.7.2026

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Fatigue bei Multipler Sklerose

Fachbeitrag

Die Multiple Sklerose (MS) ist mit über 300.000 Betroffenen in Deutschland die häufigste chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS) und wird durch eine fehlgeleitete Immunreaktion autoreaktiver Zellen gegenüber den Myelinscheiden, aber auch den Axonen ausgelöst; zusätzlich spielen neurodegenerative Veränderungen eine Rolle.

Neurologie und Psychiatrie

Demyelinisierende Erkrankungen

Multiple Sklerose

Beitrag lesen

Für eine schnelle und bessere Versorgung chronischer Schmerzpatienten

Aktuelles

Das Münchner Biopharmaunternehmen VERTANICAL hat heute den Abschluss einer Co-Promotion-Vereinbarung mit Viatris Inc. (Nasdaq: VTRS), einem global tätigen Gesundheitsunternehmen, zur Markteinführung von Exilby® in Deutschland bekannt gegeben. Gemeinsam wollen die Partner das Arzneimittel nach dem Marktstart am 01.09. in die Versorgung bringen.

Neurologie und Psychiatrie

Schmerz

Beitrag lesen

Charta der Rechte für eine lückenlose Versorgung bei Epilepsie

Aktuelles

Die „Charta der Rechte für eine lückenlose Versorgung bei seltenen und komplexen Epilepsien (The Rare and Complex Epilepsies Continuity of Care Rights Charter)“ wurde heute vorgestellt und unterstreicht die dringende Notwendigkeit einer besseren Versorgungskontinuität für Menschen, die mit seltenen und komplexen Epilepsien leben.

Neurologie und Psychiatrie

Epilepsie

Beitrag lesen