Geschmacks- und Geruchsempfindungen entstehen bereits vor der Geburt. Fruchtwasser, Muttermilch und Beikost prägen die sensorische Entwicklung bei Kindern. Wiederholte Exposition ohne Druck, gemeinsame Mahlzeiten und positives Modelllernen fördern die Akzeptanz vielfältiger Lebensmittel. Ernährungsempfehlungen sollten daher neben Nährstoffen auch sensorische Erfahrungen, Beziehungsgestaltung und familiäre Esskultur berücksichtigen.
Zusammenfassung
Geruchs- und Geschmackswahrnehmungen entwickeln sich bereits vor der Geburt und werden durch frühe Ernährungserfahrungen nachhaltig geprägt. Fruchtwasser, Muttermilch und Geschmacksvariation der frühen Beikost vermitteln sensorische Erfahrungen, die spätere Präferenzen beeinflussen können. Wiederholte Exposition, familiäre Esskultur und positive emotionale Erfahrungen während des Essens fördern die Akzeptanz vielfältiger Lebensmittel.
Die sensorische Entwicklung ist eng mit Bindungsprozessen verknüpft. Gerüche, Geschmack und soziale Interaktion wirken gemeinsam auf Essverhalten, Emotionsregulation und Wohlbefinden. Für die Praxis bedeutet dies, dass Ernährungsempfehlungen nicht ausschließlich auf Nährstoffe fokussieren sollten, sondern auch sensorische Erfahrungen, Beziehungsgestaltung und familiäre Esskultur berücksichtigen müssen. Die Förderung positiver sensorischer Erfahrungen in den ersten Lebensjahren stellt somit einen wichtigen Baustein der Prävention ernährungsmitbedingter Erkrankungen dar.
Autoren und Autorin: H. Kalhoff1,2, M. Kersting2, T. Lücke2,3 (1Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Westfälisches Kinderzentrum, Klinikum Dortmund gGmbH; 2Forschungsdepartment Kinderernährung, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin, St. Josef-Hospital, Ruhr-Universität Bochum; 3Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Ruhr-Universität Bochum)
Der Originalbeitrag zu diesem Thema wurde veröffentlicht in pädiatrische praxis 2026; 105 (1): 1–7.
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