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ASCO 2026: Spannende Daten zu Kombinationsregimen in der Uro-Onkologie

Arzt im Kongresssaal steht vor grosser Leinwand und praesentiert Studiendaten zu Kombinationsregimen in der Uro Onkologie auf dem ASCO 2026

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ASCO 2026: Spannende Daten zu Kombinationsregimen in der Uro-Onkologie

Fachbeitrag

Urologie

Sonstiges

mgb medizin Redaktion

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7 MIN

Erschienen in: UroForum

Auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) wurden über 500 Abstracts allein zu urogenitalen Tumoren präsentiert. Hier finden Sie einige ausgewählte Studiendaten zum Prostata-, Nierenzell- und Urothelkarzinom.

Größte Therapiestudie beim lokal begrenzten Prostatakrebs

Bei Diagnosestellung weisen rund 20 % der Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom trotz potenziell kurativer radikaler Prostatektomie (RP) oder Bestrahlung plus Androgensuppressionstherapie (ADT) ein hohes Risiko für Rückfälle von 50–70 % auf. Die mediane Zeit von der Metastasierung bis zum Tod beträgt nur 3–5 Jahre. „Betroffen sind allein in den USA rund 60.000 Männer jährlich”, konstatierte Prof. Dr. Mary-Ellen Taplin, Boston.

In der Phase-3-Studie PROTEUS wurde geprüft, ob sich die Prognose dieser Hochrisikopatienten durch die perioperative Kombinationstherapie mit dem Androgenrezeptor-Pathway-Inhibitor (ARPI) Apalutamid und ADT zusätzlich zur RP verbessern lässt.

Mit 2.109 in 18 Ländern rekrutierten Teilnehmern handelt es sich bei PROTEUS um die größte Therapiestudie beim lokal begrenzten Prostatakarzinom, erklärte Taplin bei der Vorstellung der Abschlussanalyse während der ASCO Plenary Session. Sie wurden randomisiert 6 Zyklen einer neoadjuvanten Therapie mit Apalutamid + ADT oder Placebo + ADT zugeteilt. Nach der RP wurde die jeweilige Therapie über weitere 6 Zyklen fortgesetzt. Duale primäre Endpunkte waren die Rate pathologischer Komplettremissionen / minimale Resterkrankung (pCR/MRD) und das metastasenfreie Überleben (MFS).

Beide Endpunkte wurden erreicht und sprechen für den Nutzen der perioperativen Therapie mit Apalutamid + ADT, konstatierte Taplin: So stieg die Rate an pCR/MRD von nur 1 % im Placeboarm auf 8,9 % (OR Apalutamid + ADT unter 10,17; p < 0,0001). Nach 5 Jahren waren im Placeboarm noch 73,5 % der Teilnehmer metastasenfrei am Leben, während die Rate im experimentellen Arm 78,2 % betrug, entsprechend einer Reduktion des Metastasierungsrisikos um 20 % (HR 0,20; p = 0,02).

Auch die Ergebnisse zu den sekundären Endpunkten belegen den Nutzen der perioperativen Kombinationstherapie: So war das mediane ereignisfreie Überleben (EFS) unter der Kombination 1,6 Jahre länger als bei alleiniger ADT (57,1 vs. 38,4 Monate; HR 0,71; p < 0,0001). Das mediane therapiefreie Intervall verlängerte sich um fast 3 Jahre – ein Ergebnis, das Taplin für Betroffene als sehr wichtig wertete: Betrug die Zeit bis zur ersten Folgetherapie bei Kontrollpatienten nur median 41,5 Monate, so lag sie unter Apalutamid + ADT bei 74,2 Monaten (HR 0,65; p < 0,0001). Die Kombination wurde insgesamt gut vertragen. Häufiger als im Placeboarm war nur Rash, der jedoch meist leicht und gut kontrollierbar war.

„Damit kann PROTEUS als Durchbruch eines jahrzehntelangen Therapie-Paradigmas gewertet werden und etabliert Apalutamid + ADT als einen neuen Standard beim lokalisierten Hochrisiko-Prostatakarzinom”, resümierte Taplin.

Talazoparib / Enzalutamid beim mCSPC

Für Patienten mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC) und HRR- (homologous recombination repair) Alterationen sind PARP-Inhibitoren in Kombination mit ADT und ARPI heute Standard. In der Studie TALAPRO-3 wurde eine solche Kombination jetzt bei Patienten mit HRR-defizientem metastasiertem kastrationssensitivem Prostatakarzinom (mCSPC) geprüft. Die Phase-III-Studie umfasste knapp 600 Patienten mit mCSPC und HRR-Genalterationen unter laufender ADT, die randomisiert der Kombination Talazoparib + Enzalutamid (TALA/ENZA) oder dem Kontrollarm mit ENZA + Placebo zugeteilt wurden, berichtete Prof. Dr. Neeraj Agarwal, Salt Lake City. Gut ein Drittel der Teilnehmer beider Arme wies BRCA-Mutationen, die übrigen Alterationen in weiteren HRR-Genen wie ATM oder CDK12 auf.

Beim primären Endpunkt, dem von den Prüfärzten ermittelten radiologischen progressionsfreien Überleben (rPFS) war die Kombination nach einem Follow-up von 38 Monaten der ENZA-Monotherapie signifikant überlegen: Das mediane rPFS im Kontrollarm beträgt 45,8 Monate; im Kombinationsarm ist der Median noch nicht erreicht, entsprechend einer Reduktion des Progressionsrisikos um mehr als die Hälfte (HR 0,48; p < 0,0001). Mit einer Risikoreduktion um 63 % profitierten Patienten mit BRCA1/2-Mutationen besonders stark: Die 3-Jahresrate des rPFS stieg von nur 48,5 % im Kontrollarm auf 77,2 % (HR 0,37; p < 0,0001). Bei den Teilnehmern mit anderen HRR-Genalterationen betrugen die 3-Jahresraten 60,2 % bzw. 76,2 % (HR 0,57; p < 0,003). Von der Kombination profitierten alle präspezifizierten Subgruppen und tendenziell auch die meisten HRR-Gen-Subgruppen.

Die Daten zum Gesamtüberleben (OS) sind derzeit noch unreif. Doch spricht die Interimsanalyse bereits für einen tendenziellen Vorteil zugunsten von TALA + ENZA: Die 3-Jahresrate des OS liegt im Kontrollarm bei 71,6 %, im Kombinationsarm bei 77,8 % (HR 0,77; p = 0,0005). Als häufigste Nebenwirkungen der Kombination nannte Agarwal Anämie und Fatigue. Fünf Patienten unter TALA + ENZA entwickelten ein myelodysplastisches Syndrom oder eine akute myeloische Leukämie (Kontrollarm: n = 1). Die Lebensqualität der Teilnehmer war in beiden Armen vergleichbar.

Damit sprechen die Daten für die Kombination als neue Option beim mCSPC, erklärte Agarwal abschließend. Um diese Therapie nutzen zu können, ist die frühe molekulare Testung nach seinen Worten unverzichtbar.

Radium-223: kein Vorteil beim ossär metastasierten RCC

Die randomisierte Phase-2-Studie RADICAL evaluierte die zusätzliche Gabe des knochengerichteten Alphastrahlers Radium-223 zu Cabozantinib bei Patienten mit ossär metastasiertem Nierenzellkarzinom (RCC). Rund 30 % aller RCC-Patienten entwickeln Knochenmetastasen, die mit einer ungünstigen Prognose mit verkürztem OS und schlechter Lebensqualität einhergehen, erinnerte Dr. Rana McKay, San Diego. In einer Pilotstudie hat sich das beim ossär metastasierten CRPC effektive Radium-223 in Kombination mit Sorafenib oder Pazopanib bereits als sicher erwiesen und zu einem Abfall von Markern des Knochenstoffwechsels geführt. In der RADICAL-Studie wurde Radium-223 über 6 Zyklen zusammen mit Cabozantinib bei 98 RCC-Patienten mit mindestens einer Knochenmetastase mit der Cabozantinib-Monotherapie verglichen.

Beim primären Endpunkt, dem Überleben ohne symptomatisches skelettales Ereignis (SSE-FS), erwies sich die Kombination in der Interimsanalyse der Cabozantinib-Monotherapie nicht als überlegen, sodass das Data Safety Monitoring Committee den Abbruch der Studie empfahl. Zu diesem Zeitpunkt waren bei 90 Teilnehmern 17 SSE und 33 Todesfälle aufgetreten. Nach einem Follow-up der insgesamt 98 Teilnehmer über 13 Monate lag das SSE-FS im experimentellen Arm bei 16,7 Monaten, im Arm mit Cabozantinib mono bei 17,6 Monaten (HR 1,46; p = 0,12).

Laut McKay ist dieses enttäuschende Resultat vermutlich dadurch bedingt, dass die meisten Teilnehmer bereits vor Studieneinschluss ein SSE erlitten hatten und die SSE-Rate im Verlauf sehr niedrig war. Auch konnte in einer Subgruppenanalyse kein Vorteil zugunsten eines Subkollektivs beim SSE-FS zugunsten von Cabozantinib + Radium-223 ermittelt werden. Beim PFS ergab sich mit 10,3 Monaten ebenfalls kein Benefit zugunsten der Kombination (vs. 10,9 Monate; HR 1,37). Das OS dagegen wurde in der unstratifizierten Analyse durch die Addition von Radium-223 numerisch verlängert: von 19,7 Monaten auf 28,3 Monate (HR 0,82; p = 0,50). McKay wies darauf hin, dass die OS-Kurven in den ersten Monaten zu Ungunsten der Kombination verliefen, sich aber nach einem Jahr überkreuzten und bis Studienende kontinuierlich auseinander liefen.

Langzeitdaten beim Harnblasenkarzinom zu Enfortumab-Vedotin

Die Kombination des Antikörper-Drug-Konjugats Enfortumab-Vedotin (EV) mit Pembrolizumab hat die Erstlinientherapie des lokal fortgeschrittenen und metastasierten Harnblasenkarzinoms grundlegend verändert. Prof. Dr. Thomas Powles, London, stellte auf der ASCO-Tagung Langzeitdaten der Studie EV-302 über 3,5 Jahre zu diesem Ansatz vor.

In der Phase-III-Studie waren fast 900 Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Karzinom randomisiert der Doublette EV/Pembrolizumab oder einer platinbasierten Chemotherapie (Cis-/Carboplatin + Gemcitabin) als damaligem Erstlinienstandard zugeteilt worden. Das mediane OS wurde durch die Doublette mehr als verdoppelt – von nur 15,9 Monaten im Kontrollarm auf 33,9 Monate, entsprechend einer Reduktion des Sterberisikos um 47 % (HR 0,53). Auch die Gesamtansprechrate war im Arm mit EV + Pembrolizumab erheblich höher als unter der Chemotherapie (67,5 % vs. 44,2 %). 10,3 % der Responder auf die Doublette erreichten direkt eine komplette Remission (CR), weitere 20,1 % sprachen zunächst partiell und danach mit einer CR an. Bei den Patienten in CR ist der OS-Median bislang noch nicht erreicht.

Somit geht die Kombinationstherapie mit EV + Pembrolizumab beim fortgeschrittenen Harnblasenkarzinom mit einem anhaltenden und klinisch relevanten Benefit einher, resümierte Powles. Er erklärte das Zweierregime daher zum bevorzugten Erstlinienstandard beim lokal fortgeschrittenen und metastasierten Urothelkarzinom.

Quelle: ASCO Annual Meeting, Chicago, 29. Mai bis 2. Juni 2026

Dr. Katharina Arnheim

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