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Viren gegen Bakterien: EU fördert Phagentherapie mit 15 Millionen Euro

3D Darstellung von mehreren Bakteriophagen, die ein Bakterium angreifen, als Symbol fuer Viren gegen Bakterien und die von der EU gefoerderte Phagentherapie

Quelle: © NongEngEng - stock.adobe.com

Viren gegen Bakterien: EU fördert Phagentherapie mit 15 Millionen Euro

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mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: UroForum

Bakterien werden zunehmend resistent gegenüber Antibiotika. Eine Alternative ist die Therapie mit Viren, die ausschließlich Bakterien befallen, sogenannte Phagen. Ein von der EU gefördertes Forschungsprojekt unter Leitung der Universitätsmedizin Frankfurt untersucht erstmals im Rahmen einer randomisierten klinischen Studie die Kombination aus Phagentherapie und Wiederherstellung des Mikrobioms im Darm, um wiederkehrenden Harnwegsinfektionen vorzubeugen.

Wiederkehrende Harnwegsinfektionen zählen zu den häufigsten bakteriellen Infektionen weltweit und werden durch zunehmende Antibiotikaresistenzen immer schwieriger zu behandeln. Ein internationales Forschungskonsortium, koordiniert von der Universitätsmedizin Frankfurt, will jetzt einen neuen Weg gehen: Das Projekt REPhRAME unter der Leitung von Prof. Dr. Maria J.G.T. Vehreschild wird mit 15 Millionen Euro aus dem europäischen Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon Europe gefördert. Es erprobt erstmals im Kontext einer randomisierten klinischen Studie einen zweistufigen Therapieansatz. Zunächst sollen Phagen – Viren, die gezielt Bakterien abtöten – die Krankheitserreger bekämpfen. Anschließend wird die Darmflora wiederhergestellt, um erneute Infektionen zu verhindern. Das Projekt startete im Juni 2026 und ist auf fünf Jahre angelegt.

Jedes Jahr erkranken weltweit mehr als 400 Millionen Menschen an einer Harnwegsinfektion; bei 30 bis 50 Prozent tritt die Infektion wiederholt auf. Da die Standardbehandlung mit Antibiotika das Risiko von Resistenzen erhöht, stehen Betroffene oft in einem Kreislauf aus Infektion, Antibiotikagabe und erneuter Infektion – ohne dauerhaften Ausweg.

„Die Phagentherapie ist eine der vielversprechendsten Antworten auf die wachsende Herausforderung durch multiresistente Erreger. Dass die Universitätsmedizin Frankfurt dieses internationale Konsortium mit Frau Prof. Vehreschild als Leiterin anführt, zeigt einmal mehr, welche herausragende Rolle unser Haus in der translationalen Infektionsforschung spielt. Ich bin zuversichtlich, dass REPhRAME die klinische Nutzung phagenbasierter Therapien entscheidend voranbringen wird – zum unmittelbaren Nutzen unserer Patientinnen und Patienten“, erläutert Prof. Dr. Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin Frankfurt.

Prof. Dr. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität, sagt: „Mit der Entwicklung neuer Therapien gegen bakterielle Erreger knüpfen wir an das Wirken Paul Ehrlichs an, der in Frankfurt das erste Antibiotikum entdeckte und damit den medizinischen Siegeszug gegen Infektionskrankheiten einleitete. Doch die Biologie bleibt nicht stehen, und gerade angesichts zunehmender bakterieller Resistenzen ist die Goethe-Universität mit Nachdruck auf der Suche nach neuen ganzheitlichen Behandlungskonzepten. REPhRAME ist ein exzellentes Beispiel dieser Strategie und trägt entscheidend zur Profilierung der Goethe-Universität im Forschungsprofilbereich ‚Science for Health‘ bei.“

Neue Strategie gegen einen Teufelskreis aus Infektion und Antibiotikaeinsatz

REPhRAME setzt auf Phagen, weil diese im Gegensatz zu Antibiotika hochspezifisch wirken: Sie greifen nur die Zielbakterien an und schonen große Teile der natürlichen Mikrobiota.

Konkret kommt zunächst SNIPR001 zum Einsatz, ein mithilfe der CRISPR-Genschere entwickelter Phagencocktail, der gezielt gegen die häufigsten Auslöser von Harnwegsinfektionen – bestimmte Stämme des Darmbakteriums Escherichia coli – vorgeht und dabei die Entstehung neuer Resistenzen erschwert. Im zweiten Schritt soll das Darmmikrobiom wiederhergestellt werden: Mit INTESTIFIX 001, einem Produkt der Cologne Microbiota Bank, werden Stuhlbakterien von gesunden Spenderinnen und Spendern übertragen, um das natürliche Gleichgewicht im Darm zu reaktivieren. Ziel ist es, den Körper langfristig vor erneuten Infektionen zu schützen.

Klinische Studie soll Weg für Phagentherapie in Europa ebnen

Kern des Projekts ist eine klinische Studie in mehreren europäischen Zentren, die Sicherheit und Wirksamkeit der neuen Behandlung systematisch untersucht. Verglichen werden drei Ansätze: Phagentherapie allein, Phagen in Kombination mit Antibiotika sowie Phagentherapie mit anschließender Wiederherstellung des Mikrobioms.

„Rezidivierende Harnwegsinfektionen stellen eine erhebliche Belastung für Patientinnen und Patienten sowie für Gesundheitssysteme dar – für viele Betroffene reichen die bisherigen Behandlungsmöglichkeiten allerdings schlicht nicht aus“, sagt Prof. Dr. Maria J.G.T. Vehreschild, Leiterin des Schwerpunkts Infektiologie der Universitätsmedizin Frankfurt und Gesamtverantwortliche des Projekts. „REPhRAME soll die Phagentherapie von einem vielversprechenden Forschungsansatz zu einer klinisch erprobten Behandlungsoption machen – mit belastbaren Daten zu Sicherheit, Wirksamkeit und Implementierung. Damit wollen wir das Fundament legen, auf dem die Phagentherapie europaweit in die medizinische Praxis einzieht.“

Frankfurt koordiniert internationales Konsortium

Das Konsortium unter Leitung der Universitätsmedizin Frankfurt vereint 16 Partner aus Wissenschaft, klinischer Forschung und Industrie in acht europäischen Ländern. Gemeinsam bündeln sie Expertise in den Bereichen Infektionskrankheiten, klinische Studien, Phagentherapie, Mikrobiomforschung, Mikrobiologie, Bioinformatik, regulatorische Wissenschaften, Arzneimittelentwicklung und patientenzentrierte Forschung.

Zu den Partnern zählen SNIPR Biome in Dänemark, die Fraunhofer-Gesellschaft, das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung, die Medizinische Hochschule Hannover, die LINQ management GmbH und die Uniklinik Köln in Deutschland, das HUN-REN Biological Research Centre in Ungarn, die Riga Stradiņš University in Lettland, das Leiden University Medical Center in den Niederlanden, Jafral in Slowenien, das Swiss Institute of Bioinformatics, die Universität Bern und die Universität Zürich in der Schweiz sowie die University of Leicester und die University of Reading im Vereinigten Königreich.

Forschung über die Studie hinaus

REPhRAME plant eine Reihe begleitender Untersuchungen. Vorgesehen sind unter anderem Analysen dazu, wie Phagen im Körper wirken und abgebaut werden, welche Abwehrreaktionen sie auslösen und wie sich das Mikrobiom im Behandlungsverlauf verändert. Darüber hinaus sollen KI-gestützte Modelle entwickelt werden, die vorhersagen, bei welchen Patientinnen und Patienten die Therapie besonders gut anschlägt. Geplant sind zudem gesundheitsökonomische Berechnungen sowie eine systematische Erhebung der Patientenperspektive – etwa zu Beschwerden, Lebensqualität und der Akzeptanz der neuen Behandlung.

Über REPhRAME

REPhRAME steht für Recurrent Urinary Tract Infection: Efficacy and Safety of Phage Therapy and Microbiota Transfer. Das Projekt wird durch Horizon Europe gefördert. Es hat das Potenzial, den Antibiotikaeinsatz signifikant zu reduzieren, die Zahl wiederkehrender Infektionen zu senken und die Lebensqualität vieler Betroffener nachhaltig zu verbessern. Zugleich schafft REPhRAME die wissenschaftlichen und regulatorischen Grundlagen, um phagenbasierte Therapien künftig breiter in die klinische Versorgung zu überführen.

Quelle: Pressemitteilung der Universität Frankfurt

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