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Nierenfibrose besiegen: Startup-Förderung des neuen IBT Niedersachsen

Foto von Prof. Dr. Wolfgang Brück, Prof. Dr. Michael Zeisberg, Dr. Liat Hayardeny-Brück und Prof. Dr. Lutz Ackermann, die den Scheck mit der IBT-Förderung für das Projekt RevOFib zur Bekämpfung der Nierenfibrose erhalten.

Nierenfibrose besiegen: Startup-Förderung des neuen IBT Niedersachsen

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Erschienen in: UroForum

Das neue StartUp-Förderprojekt des Landes Niedersachsen für den Transfer von Forschungsergebnissen gemeinsam mit der Wirtschaft in die klinische Praxis, das Institute for Biomedical Translation (IBT) Lower Saxony, ist Mitte Juni gestartet. Beim ersten Event am 16. Juni 2023 hat eine hochkarätig besetzte Jury nun das erste Förderprojekt bestimmt. Die Wahl für die erste Startup-Förderung aus sechs Anträgen fiel auf das Forschungsvorhaben RevOFib – Reversal of Fibrosis. Eingereicht hatten es Forschende der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und der Universität Göttingen. Sie erhalten für die Bekämpfung der Nierenfibrose eine Anschubfinanzierung von 1,5 Millionen Euro für zwei Jahre.

Foto von Prof. Dr. Wolfgang Brück, Prof. Dr. Michael Zeisberg, Dr. Liat Hayardeny-Brück und Prof. Dr. Lutz Ackermann, die den Scheck mit der IBT-Förderung für das Projekt RevOFib zur Bekämpfung der Nierenfibrose erhalten.
Erstes Transferprojekt des IBT Niedersachsen (v.l.): Prof. Dr. Wolfgang Brück gratuliert zu 1,5 Mio. Euro Förderung für Prof. Dr. Michael Zeisberg, Dr. Liat Hayardeny-Brück und Prof. Dr. Lutz Ackermann.

In der ersten Phase der Förderung durch das IBT erfolgt die zügige wissenschaftliche und marktorientierte Weiterentwicklung unter Beachtung der regulatorischen Rahmenbedingungen, damit aus der Forschungsidee eine Geschäftsidee bzw. ein Medikament wird und mit einem klaren Businessplan zeitnah eine Unternehmensgründung erfolgen kann. Danach liegt der Fokus auf der Aufnahme der Geschäftstätigkeit sowie darauf, die Attraktivität für weitere externe Finanzierung bzw. Investoren zu steigern.

Das Ziel: Nierenfibrose heilbar machen

Einer von zehn Erwachsenen hat eine chronische Nierenerkrankung. Die Fibrose ist dabei der gemeinsame Pathomechanismus, der zum Nierenversagen und Dialysepflichtigkeit führt, ungeachtet der Grunderkrankung. Somit ist die Verhinderung, oder gar Rückbildung, von Fibrose das wichtigste therapeutische Ziel bei allen Patienten mit chronischen Nierenerkrankungen. Fibrose im allgemeinen ist ein pathologischer Vernarbungsprozess, der zur Zerstörung der Organarchitektur und zum Verlust der Organfunktion führt. Sie ist in der Regel mit chronischen Krankheiten verbunden und kann jedes Organ betreffen, einschließlich Herz, Lunge, Leber und Niere. Schätzungen zufolge sind 40 Prozent der natürlichen Todesfälle weltweit auf Fibrose zurückzuführen. Es gibt noch keine spezifischen antifibrotischen Therapien in der klinischen Anwendung. Daher stellen Behandlungen einen großen ungedeckten klinischen Bedarf dar, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen oder sogar bestehender fibrotische Läsionen umzukehren. Es wird zudem angenommen, dass es organübergreifende gemeinsame Mechanismen gibt, die die Fibrose in jedem Organ vorantreiben. Dies eröffnet die attraktive Perspektive, dass ein Medikament gegen Nierenfibrose auch in anderen Organen wirksam wäre. Aktuell gibt es weltweit in der Pharmaforschung, ein großes Interesse daran, solche antifibrotischen Therapien zu finden.

Pilotprojekt „RevOFib, Reversal of Organ Fibrosis (Umkehrung der Organfibrose)“

Die Jury des IBT hat nun für die erste Förderung das Pilotprojekt „RevOFib, Reversal of Organ Fibrosis (Umkehrung der Organfibrose)“ ausgewählt. Es zielt darauf ab, ein Portfolio vier neuartiger antifibrotischer Wirkstoffe bis zur klinischen Reife zu entwickeln. Das vorgeschlagene Portfolio der vier Wirkstoffe ist das Ergebnis von über 20 Jahren Fibroseforschung der Forschungsgruppe um Prof. Michael Zeisberg aus der UMG. Die Forschungen führten zur Entdeckung mehrerer neuartiger Fibrose-Signalwege als therapeutische Ansatzpunkte. Sie zeigten zum ersten Mal, dass Fibrose prinzipiell rückgängig gemacht werden kann. Auf der Grundlage dieser Forschung zielt dieses Wirkstoffportfolio auf drei einzigartige Signalwege ab, die bisher noch von keinem Unternehmen aufgegriffen wurden.

Sobald die im Projektvorhaben beschriebenen Arbeiten erfolgreich abgeschlossen sind, wird für jeden Wirkstoff ein Plan für die klinische Umsetzung durch die Zulassungsbehörden vorliegen. Das Forschungsteam um Prof. Dr. Michael Zeisberg, Direktor der Klinik für Nephrologie und Rheumatologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), Dr. Liat Hayardeny-Brück, Tech Transfer Officer UMG, und Prof. Dr. Lutz Ackermann, Institut für Organische und Biomolekulare Chemie der Georg-August-Universität Göttingen, geht davon aus: Einer dieser Wirkstoffe wird für eine klinische Prüfung der Phase II bereit sein, für zwei Wirkstoffe besteht ein klarer Weg zur klinischen Prüfung der Phase I und ein vierter, neu entdeckter Wirkstoff befindet sich im späten vorklinischen Stadium.

Mit der Unterstützung der vorgeschlagenen Forschung durch das IBT als Startup-Vorhaben können nun zwei Patente für neuartige chemische Einheiten hervorgebracht werden und zwei bereits patentgeschützte Ansätze können zur zeitnahen klinischen Erprobung an Patientinnen und Patienten mit Nierenfibrose weiterentwickelt werden.

Geschäftsmodell für RevOFib

Bisher sind keine Therapien verfügbar, um die Nierenfibrose zu stoppen oder gar rückgängig zu machen. Deshalb besteht ein großer ungedeckter medizinischer Bedarf. Das geförderte Projekt RevOFib zielt darauf ab, diesen Bedarf zu decken. Hauptziel dieses Projekts ist es, ein antifibrotisches Medikament zum Nutzen von Millionen von Patientinnen und Patienten in die Klinik zu bringen. Geplant ist, dass die hier entwickelten, neuen antifibrotischen Wirkstoffe den Patientinnen und Patienten durch eine Partnerschaft oder Lizenzierung mit einem großen Pharmaunternehmen zur Verfügung gestellt werden.

Die Forschungsgruppe RevOFib geht davon aus, dass mindestens eines dieser Präparate, an denen sie arbeitet, die präklinische und klinische Entwicklung erfolgreich abschließen wird. Das würde bedeuten, dass bei entsprechender Einführung innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte Millionen von Menschenleben vor einer Fibrose gerettet werden können.

Quelle: Universitätsmedizin Göttingen – Georg-August-Universität (>> zur Pressemitteilung)

Bildquelle:© umg/jelinek

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