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Aktuelle Daten aus dem Nationalen Register Urothelkarzinom UroNAT von d-uo

Medizinische Fachkraft zeigt auf Diagramme und Statistiken in einer Mappe als Symbol fuer aktuelle Daten aus dem Nationalen Register Urothelkarzinom UroNAT von d-uo

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Aktuelle Daten aus dem Nationalen Register Urothelkarzinom UroNAT von d-uo

Fachbeitrag

Urologie

Urogenitale Tumoren

Urothelkarzinom und Harnblasenkarzinom

mgb medizin Redaktion

Verlag

5 MIN

Erschienen in: UroForum

Das Urothelkarzinom ist nach dem Prostatakarzinom der zweithäufigste urologische Tumor und in Deutschland der 5. häufigste Tumor bei Männern bzw. der 12. häufigste bei Frauen. Etwa 17.000 Personen erkrankten im Jahr 2022 an einem invasiven Harnblasenkarzinom, gut ein Viertel davon sind Frauen; es verstarben über 6.000 Menschen am Urothelkarzinom. Hinzu kamen noch rund 13.700 Erkrankte an nicht invasiven papillären Karzinomen (Ta) und in situ-Tumoren (Tis) der Blase.

Viele Fragen der ambulanten Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Urothelkarzinoms in Deutschland sind bisher unzureichend untersucht. Auch wenn über die Krebsregister in Deutschland als auch in der VERSUS-Studie von d-uo eine Versorgungsforschung zum Urothelkarzinom existiert, fehlen bis dato viele Antworten bzgl. ambulanter Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Urothelkarzinoms in Deutschland. Um diese Fragen beantworten zu können, wurde das Nationale Register Urothelkarzinom UroNAT von d-uo im Oktober 2021 initiiert.

UroNAT untersucht neben dem Basisdatensatz zusätzliche Fragestellungen und bietet erstmals in Deutschland die Möglichkeit, Daten über das gesamte Therapiespektrum zu analysieren, vom operativen Eingriff über die medikamentösen Therapien bis hin zu komplexen multimodalen Therapieansätzen. Auf dem 71. NRWGU-Kongresses in Essen haben wir interessante Auswertungen des UroNAT Registers präsentiert. Zudem können wir mitteilen, dass wir 5/26 mit aktuell 2.477 Patienten einen Meilenstein unserer Studie erreicht haben, nämlich 40 % der erwarteten Gesamtkohorte.

Material und Methoden

Seit Oktober 2021 besteht über die Plattform von d-uo für alle Interessierten (d-uo Mitglieder, Urologen, Onkologen sowohl in Praxis und Klinik) die Möglichkeit, am Nationalen Register Urothelkarzinom „UroNAT” von d-uo teilzunehmen. Weiterhin können die Basisdaten der einzuschließenden Patienten durch die laufende nicht interventionelle, prospektive, multizentrische Studie „Verbesserung der Versorgungsqualität durch standardisierte Dokumentation” (VERSUS-Studie) erfasst werden, die auch ermöglicht, die Basisdaten den Krebsregistern zur Verfügung zu stellen.

Stand 4/2026 sind bei VERSUS 35.643 Patienten rekrutiert, davon 8.482 mit Urothelkarzinom, bei UroNAT 2.383. Beide Studien sind als AUO Studien ausgewiesen, UroNAT ist als AP 94/24 gelistet. Die aktuelle Auswertung stammt aus dem April 2026. Es wurden 1.933 von 2.383 Patienten ausgewertet. Aktuell nehmen 103 Zentren aktiv teil (davon 73 Praxen und 30 Kliniken).

Das Nationale Register Urothelkarzinom von d-uo „UroNAT” bietet die Möglichkeit, neben dem Basisdatensatz zusätzliche Fragestellungen zu untersuchen. Hierzu gehören Einhaltung der Leitlinien, Risikofaktoren, Entstehung, Progression und Therapie des nicht muskelinvasiven, muskelinvasiven und metastasierten Urothelkarzinoms. Außerdem werden Aspekte der multidisziplinären Betreuung evaluiert.

Patientendaten

Bei den aktuell auswertbaren Patienten (n = 1.933 von 2.383) zeigt sich, dass bei Alter/Geschlecht keine wesentliche Abweichung von den Daten von RKI und der VERSUS-Studien bestehen: der Anteil der Männer bei 77 %, das mediane Alter liegt bei Männern und Frauen bei 72,2 Jahren.

ParameterUroNAT
Patienten (n)1.933
Patienten M/F (%)77/23
Alter (Jahre)72,2 (24,4–104,6)
ECOG 0/1/2/3/4 (%)64,4/27/6,6/1,5/0,2
Raucher M/F (%)30/32
Pack years M/F (n)35/22,5
Beruf M/F (%)11/3
Tab. 1: Patientendaten, 2.383 Patienten mit BCa (Stand 4/2026)

Es liegen bei UroNAT nun sehr viele zusätzliche Basisdaten vor, die Tabelle 1 entnommen werden können. Bei dem ECOG-Status sind bei Diagnosestellung ca. 90 % weitestgehend ohne größere körperliche Einschränkung (ECOG 0–1), knapp 10 % Status 2–4. 30 % der Männer und 32 % der Frauen sind Raucher, bei den Rauchern sind im Median 35 Pack-Years bei Männern und 22,5 Jahre bei Frauen vorliegend. Es konnte bei 11 % der Männer und 3 % der Frauen eine mögliche Berufsexposition festgestellt werden.

Bei 95 % handelte es sich um primäre Tumoren, bei 64 % um lediglich einen Tumor und 66 % hatten einen Tumordurchmesser von weniger als 3 cm.

Tumordaten

In 95,5 % der Fälle lag ein Tumor der Blase vor, in 1,8 % in Harnleiter und 2,4 % der Fälle im Nierenbeckenkelchsystem, in 0,2 % gab es Tumoren der Harnröhre. Diese Tumoren konnten entsprechend der ICD-10 Klassifikation weiter aufgeschlüsselt werden.

Lokalisation (C67)UroNAT (%)
Trigonum (C67.0)8,2
Apex (C67.1)0,5
lateral (C67.2)16,9
anterior (C67.3)1,4
posterior (C67.4)4,9
Hals (C67.5)1,8
Ostium (C67.6)2,6
Urachus (C67.7)< 1
überlappend (C67.8)22,9
n.n. bez. (C67.9)40,8
Tab. 2: Lokalisation der Tumoren in der Blase

Die meisten (40,8 %) sind nicht näher bezeichnet (C67.9) und bei ca. 23 % bestehen multifokale Tumoren. 57 % der Patienten hatten einen Ta-Tumor, 3,6 % reines CIS, werden somit „nur” als D41.4 bzw. D09.0 verschlüsselt, 21,7 % hatten T1-Tumoren, der Rest (19,5 %) ist muskelinvasiv bzw. metastasiert.

Wertet man die Daten nach EAU-Rezidiv-Score und EAU-Progressionsscore aus, ergeben sich bei etwa 5 % der Patienten aufgrund der Rezidivhäufigkeit, bei 36 % aufgrund der Tumoranzahl und bei 34 % aufgrund der Größe des Tumors ein erhöhtes Risiko zu rezidivieren oder zum Progress.

ParameterUroNAT (%)EAU Rezidiv-ScoreEAU Progressions-Score
Primärer TU95,000
Rezidiv (0–1/Jahr)2,822
Rezidiv (2+/Jahr)2,242
Tumorzahl (1)6400
Tumorzahl (2–7)3423
Tumorzahl (8+)243
TU-DM (< 3 cm)6600
TU-DM (3+ cm)3433
Tab. 3: Auswertung nach EAU Rezidiv- und Progressionsscore, 1.933 Patienten mit Urothelkarzinom (Stand 4/2026)

Eine Frühinstillation wurde bei 35 % der Patienten mit TUR B vorgenommen. Weitere Auswertungen sind aufgrund der geringen Fallzahl noch nicht aussagekräftig.

Diskussion

Die Alleinstellung des nationalen UroNAT-Registers ist die stadienübergreifende Erfassung der Versorgung von Patientinnen und Patienten mit einem Urothelkarzinom und die im Vergleich zu den Krebsregistern erweiterte Abfrage von Items, die auch zeitnah mehrfach im Jahr aktualisiert, aufgearbeitet, analysiert und publiziert werden. Mit aktuell 2.383 durch Praxen und Kliniken dokumentierte Patienten ermöglicht UroNAT von d-uo zunehmend, die Versorgung von Patienten mit Urothelkarzinom in Deutschland zu analysieren.

Wir hoffen auf weiterhin gute Rekrutierung, so dass in Zukunft auch vermehrt Verläufe vorliegen werden, deren Auswertung zur Verbesserung der Versorgung und Gesundheit unserer Patienten mit Urothelkarzinom beitragen könnten. Entscheidend ist die rege Teilnahme von Urologen, Onkologen, Kliniken und Praxen überall in Deutschland, um zu einer breiteren Datenbasis zu kommen.

Wir möchten hiermit erneut unsere Kolleginnen und Kollegen aufrufen, an UroNAT und den weiteren Studien von d-uo teilzunehmen. Zertifizierungswillige Kliniken können durch eine Teilnahme bei UroNAT ihre Studienaktivität nachweisen. Eine Mitgliedschaft bei d-uo ist dafür nicht notwendig. Für vollständige Datensätze erhalten die dokumentierenden Ärzte für UroNAT eine jährliche Aufwandsentschädigung in Höhe von bis zu 275 € pro Fall.

Mehr Informationen: www.d-uo.de

Literatur unter https://mgb-medizin.de/literatur/

Korrespondenzadresse: Dr. med. Rolf Eichenauer, Urologikum Hamburg MVZ GbR, Harksheider Str. 3, 22399 Hamburg, r.eichenauer@d-uo.de

Autoren: Rolf Eichenauer, Christian Doehn, Jörg Klier, Frank König, Robert Schönfelder, Jörg Schröder, Elke Hempel, Manfred Johannsen

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