Kardiologie » Koronare und Gefäßerkrankungen

»

UKSH: Schonende Aorten-OP ohne Herz-Lungen-Maschine

Zwei PEARS-Patienten (Geschwister Severin) mit Prof. Ensminger und Pflegekraft Claudia Krieger nach erfolgreicher Aortenwurzel-Operation am UKSH Lübeck

Quelle: Dagna Severin (2.v.l.) und ihr Bruder Iwo Severin (l.) zählen zu den ersten Patienten, die von Prof. Ensminger (2.v.r.) mit der neuen PEARS-Operationsmethode versorgt wurden. Auch Pflegekraft Claudia Krieger (r.) freute sich über den Behandlungserfolg. © UKSH

UKSH: Schonende Aorten-OP ohne Herz-Lungen-Maschine

Aktuelles

Kardiologie

Koronare und Gefäßerkrankungen

mgb medizin Redaktion

Verlag

3 MIN

Erschienen in: herzmedizin

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein gehört zu den Vorreitern in Deutschland beim PEARS-Verfahren – einer minimalinvasiven Alternative zur klassischen Hauptschlagader-Operation, die die eigene Aorta und Herzklappe erhält.

Großer Eingriff war bislang Standard

Wenn die Hauptschlagader gefährlich weit wird, musste bislang meist ein großer chirurgischer Eingriff her: Aorta öffnen, den betroffenen Abschnitt ersetzen, Herzklappe austauschen – und das mit Herz-Lungen-Maschine. Am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Lübeck, steht nun eine deutlich schonendere Option zur Verfügung: die sogenannte PEARS-Operation.

Stütze von außen statt Ersatz von innen

PEARS steht für „Personalized External Aortic Root Support“ – zu Deutsch: personalisierte äußere Aortenwurzelunterstützung. Das Verfahren stabilisiert die Aortenwurzel nicht von innen, sondern von außen: Eine maßgefertigte, elastische Netzprothese wird auf Basis von CT-Daten individuell für jede Patientin und jeden Patienten hergestellt und während des Eingriffs von außen um die Aortenwurzel gelegt. Die eigene Aorta bleibt dabei ungeöffnet, die Herzklappe erhalten – und eine Herz-Lungen-Maschine ist nicht erforderlich.

Vier erfolgreiche Eingriffe am UKSH

Am UKSH wurde das Verfahren inzwischen viermal erfolgreich eingesetzt. Alle vier Eingriffe verliefen komplikationsfrei, alle Operierten haben sich gut erholt. „Mit PEARS können wir die Aortenwurzel stabilisieren, bevor sie sich gefährlich weiter ausdehnt“, sagt Prof. Dr. Stephan Ensminger, Direktor der Klinik für Herz- und thorakale Gefäßchirurgie am Universitären Herzzentrum Lübeck. „Das Besondere ist, dass wir die natürliche Struktur der Hauptschlagader und die Aortenklappe erhalten und den Eingriff dadurch deutlich schonender durchführen können.“

Option auch bei Marfan-Syndrom

Das Verfahren eignet sich für ausgewählte Patientinnen und Patienten mit einer Erweiterung der Aorta – darunter auch Menschen mit angeborenen Bindegewebserkrankungen wie dem Marfan-Syndrom. Ziel ist es, ein weiteres Wachstum der Hauptschlagader zu verhindern und so das Risiko eines lebensbedrohlichen Risses deutlich zu senken.

Patientin empfiehlt Verfahren ihrem Bruder

Wie groß das Vertrauen in das neue Verfahren bereits ist, zeigt eine besondere Geschichte: Nachdem eine Patientin im Februar 2025 in Lübeck erfolgreich mit PEARS behandelt worden war, empfahl sie das Team ihrem Bruder – der im Oktober 2025 ebenfalls dort operiert wurde.

Langzeitdaten und Kostenübernahme noch offen

Die Methode wurde Anfang der 2000er Jahre in Großbritannien entwickelt und weltweit bisher bei rund 1.000 Patientinnen und Patienten angewendet. Da Langzeitdaten noch begrenzt sind, plant das UKSH, alle behandelten Personen langfristig in einem Register zu erfassen und medizinisch nachzuverfolgen. Die Kostenübernahme wird derzeit noch individuell mit den Krankenkassen abgestimmt; das UKSH setzt sich dafür ein, das Verfahren perspektivisch in die Regelversorgung zu überführen.

Quelle: Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Lübeck

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Tablet mit dem Schriftzug „Bluthochdruck“, daneben ein Stethoskop und Diagnoseunterlagen.

Hilo-Report: Hypertonie bei fast einem Viertel der Betroffenen unkontrolliert

Aus der Industrie

Zum Welt-Herz-Tag am 29.10. stand die Blutdruckkontrolle erneut im Fokus. Eine Anbieterbefragung weist auf Lücken bei der Hypertoniekontrolle hin. Kontinuierliche Messsysteme könnten zusätzliche Verlaufsdaten liefern – ihre klinische Aussagekraft ist jedoch geräte- und validierungsabhängig.

Kardiologie

Hypertonie

Beitrag lesen
Medizinische Illustration eines menschlichen Herzens mit blau hervorgehobener Aortenklappe.

Aortenklappeninsuffizienz: Transkathetertherapie versus Operation

Aktuelles

Die europäischen Leitlinien von 2025 befürworten bei hohem Operationsrisiko eine kathetergestützte Therapie der isolierten Aortenklappeninsuffizienz mit dafür entwickelten Klappen wie der JenaValve Trilogy (JVT); Vergleichsdaten zum chirurgischen Aortenklappenersatz (SAVR) sind jedoch rar. Die retrospektive, multizentrische EROICA-Studie verglich daher die klinischen Ergebnisse beider Verfahren.

Kardiologie

Kongresse

Beitrag lesen
Medizinische Illustration eines menschlichen Herzens mit einem aufgelegten Stethoskop.

ESC-Leitlinien setzen neue Akzente bei Herzinsuffizienz und ATTR-CM

Aus der Industrie

Bei einem Bayer-unterstützten Symposium im Rahmen der DGK Herztage 2026 standen die Basistherapie bei HFpEF, Acoramidis bei ATTR-CM und neue Auswertungen zu Vericiguat im Fokus. Die vorgestellten Daten stammen aus Studien mit unterschiedlichem Evidenzgrad und sind entsprechend einzuordnen.

Kardiologie

Kongresse

Beitrag lesen