Bei Repeats handelt es sich um genetische Sequenzen der DNA, die aus repetitiven Abfolgen kurzer Basensequenzen mit variabler Länge bestehen. Übersteigt die Anzahl dieser Wiederholungen einen kritischen Grenzwert, spricht man von Repeat-Expansions-Erkrankungen, wie Dr. med. Hannes Erdmann, München, berichtete.
Mit Hilfe der fortschreitenden Diagnosemöglichkeiten konnten bislang mehr als 60 Repeat-Expansions-Erkrankungen mit primär neurologischem Phänotyp detektiert werden. Da eine Lokalisation in allen Bereichen des Genoms möglich ist, ist ein Ende noch nicht in Sicht, war sich der Experte sicher. Ein charakteristisches Merkmal der Repeats ist eine somatische Instabilität sowie weitere gewebsspezifische Expansionen im Verlauf des Lebens. Diese Dynamik beeinflusst die Erkrankungsschwere. Je länger ein Repeat, umso früher ist das Erkrankungsalter und umso schwerer der Phänotyp. Der Effekt ist jedoch auch abhängig vom Geschlecht des weitergebenden Elternteils, wobei auch eine Kontraktion des Repeats mit scheinbarem Überspringen einer Generation möglich ist, so der Experte. Die Sequenzierung von Repeats ist technisch aktuell noch limitiert, sodass eine gesonderte molekulardiagnostische Diagnose notwendig ist. Diese richtet sich primär nach der Repeatlänge, wobei der Phänotyp noch durch weitere Parameter beeinflusst wird. Daran schließt sich die Frage an, wie man von der genetischen Diagnose zu einer messbaren Krankheitsaktivität gelangen kann, ergänzte Dr. med. Alexander Mensch, Halle. Die genetische Zuordnung wird immer präziser und das pathophysiologische Verständnis nimmt zu. Darauf bauen sich kausal wirkende Therapien auf, die zunehmend die Klinik erreichen. Doch bei einem langsamen und heterogenen Krankheitsverlauf ist die Messung eines Therapieeffekts eine Herausforderung. Ziel von Biomarkern sollte die Abschätzung von Risiko und Verlauf, das Monitoring der Progression sowie die Bestimmung des Therapieeffektes sein. Aktuell stehen klinische Parameter wie die Tagesform, Fluktuationen, Komorbiditäten und Patienten-Reported Outcomes im Zentrum der Messungen. Darüber hinaus bedarf es jedoch noch objektiver, komplementärer Messgrößen. Dafür kommen Muskelmessungen, MRT und Blutparameter in Frage, zeigte der Experte auf. Im Muskel sind Therapieeffekte nachweisbar – der klinische Nutzen ist jedoch noch nicht abschließend gesichert. Bisher kann das MRT die strukturelle Progression am sensitivsten erfassen. Die klinische Relevanz muss jedoch noch validiert werden, fasste Mensch zusammen.
Leoni Burggraf
Quelle: Wissenschaftliches Symposium „Expanding Knowledge: Fortschritte bei neurologischen Repeat-Expansions-Erkrankungen“ am 06.09.2026 im Rahmen des DGN-Kongress in Berlin





