In den letzten Jahren war ein relevanter Wissenszuwachs in Bezug auf das EEG auf Intensivstationen zu verzeichnen. Dieser Fortschritt wurde in einem interaktiven Symposium dargestellt und diskutiert.
Nicht-konvulsive Anfälle treten in der Intensivmedizin häufig auf und ohne EEG bleiben sie unerkannt. Dr. Leona Möller, Marburg, ging auf die Therapiesteuerung des Status epilepticus (SE) mittels EEG ein. Während das Routine-EEG (20-30 min) eine rasche und ressourcenschonende Momentaufnahme ist, liefert ein kontinuierliches EEG (cEEG; 24-48h) sehr viel genauere Daten inklusive zirkadianen Schwankungen und Therapieansprechen. Aber aufgrund des hohen Personalaufwands kann nicht jeder ein cEEG erhalten, so Möller. Der 2HELPS2B-Score hilft diejenigen zu identifizieren, bei denen ein cEEG sinnvoll ist, d.h. die mit hohem Risiko für Anfälle. Wichtig ist die frühzeitige EEG-Ableitung, denn zeitliche Verzögerung erhöht die Mortalität. Die EEG-Ableitung soll in Leitlinien-gerechter Therapie münden, mit dem Ziel, den SE zu beenden. Mit dem EEG kann auch die Reagibilität des Patienten getestet werden, und es hilft beim Deeskalieren, wenn der Status vorbei ist. Adäquate Therapie gelingt nur unter guter Steuerung, betonte Möller. Ein häufiges EEG-Muster sind generalisierte periodische Entladungen (GPDs, generalized periodic discharges). Mithilfe der Salzburg-Kriterien kann zwischen Encephalopathie versus Status epilepticus unterschieden und somit festgestellt werden, wann eine Status-Therapie einzuleiten ist, so Prof. Hajo M. Hamer, Erlangen. GPDs, die schneller als 2,5 Hz sind, deuten in der Regel auf einen Status hin. Für GPDs < 2,5Hz sind zusätzliche Kriterien (z. B. Anfallsmuster, klinische Zeichen) erforderlich. Ähnliches gilt für LPDs (lateralized periodic discharges). Auch hier gelten die Salzburg-Kriterien zur Unterscheidung zwischen Interiktal versus SE. Hamers Fazit: Viel EEG hilft viel! Wichtig dabei, das EEG nicht alleine, sondern immer in Kombination mit der Klinik und Therapieantwort zu betrachten.
Dr. Daniela Leopoldt
Quelle: Wissenschaftliches Symposium „EEG auf Intensivstation: Alter, lahmer Hut oder aktuell und wichtig?“ am 05. November 2026 im Rahmen des DGN-Kongress in Berlin





