Neurologie und Psychiatrie » Epilepsie

»

EEG auf Intensivstation: Alter, lahmer Hut oder aktuell und wichtig?

Quelle: Rungruedee- stock.adobe.com

EEG auf Intensivstation: Alter, lahmer Hut oder aktuell und wichtig?

Kongress

Neurologie und Psychiatrie

Epilepsie

mgb medizin Redaktion

Verlag

2 MIN

Erschienen in: neuro aktuell

In den letzten Jahren war ein relevanter Wissenszuwachs in Bezug auf das EEG auf Intensivstationen zu verzeichnen. Dieser Fortschritt wurde in einem interaktiven Symposium dargestellt und diskutiert.

Nicht-konvulsive Anfälle treten in der Intensivmedizin häufig auf und ohne EEG bleiben sie unerkannt. Dr. Leona Möller, Marburg, ging auf die Therapiesteuerung des Status epilepticus (SE) mittels EEG ein. Während das Routine-EEG (20-30 min) eine rasche und ressourcenschonende Momentaufnahme ist, liefert ein kontinuierliches EEG (cEEG; 24-48h) sehr viel genauere Daten inklusive zirkadianen Schwankungen und Therapieansprechen. Aber aufgrund des hohen Personalaufwands kann nicht jeder ein cEEG erhalten, so Möller. Der 2HELPS2B-Score hilft diejenigen zu identifizieren, bei denen ein cEEG sinnvoll ist, d.h. die mit hohem Risiko für Anfälle. Wichtig ist die frühzeitige EEG-Ableitung, denn zeitliche Verzögerung erhöht die Mortalität. Die EEG-Ableitung soll in Leitlinien-gerechter Therapie münden, mit dem Ziel, den SE zu beenden. Mit dem EEG kann auch die Reagibilität des Patienten getestet werden, und es hilft beim Deeskalieren, wenn der Status vorbei ist. Adäquate Therapie gelingt nur unter guter Steuerung, betonte Möller. Ein häufiges EEG-Muster sind generalisierte periodische Entladungen (GPDs, generalized periodic discharges). Mithilfe der Salzburg-Kriterien kann zwischen Encephalopathie versus Status epilepticus unterschieden und somit festgestellt werden, wann eine Status-Therapie einzuleiten ist, so Prof. Hajo M. Hamer, Erlangen. GPDs, die schneller als 2,5 Hz sind, deuten in der Regel auf einen Status hin. Für GPDs < 2,5Hz sind zusätzliche Kriterien (z. B. Anfallsmuster, klinische Zeichen) erforderlich. Ähnliches gilt für LPDs (lateralized periodic discharges). Auch hier gelten die Salzburg-Kriterien zur Unterscheidung zwischen Interiktal versus SE. Hamers Fazit: Viel EEG hilft viel! Wichtig dabei, das EEG nicht alleine, sondern immer in Kombination mit der Klinik und Therapieantwort zu betrachten.

Dr. Daniela Leopoldt

Quelle: Wissenschaftliches Symposium „EEG auf Intensivstation: Alter, lahmer Hut oder aktuell und wichtig?“ am 05. November 2026 im Rahmen des DGN-Kongress in Berlin

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Repeat-Expansions-Erkrankungen: Neue Forschungserkenntnisse

Kongress

Bei Repeats handelt es sich um genetische Sequenzen der DNA, die aus repetitiven Abfolgen kurzer Basensequenzen mit variabler Länge bestehen. Übersteigt die Anzahl dieser Wiederholungen einen kritischen Grenzwert, spricht man von Repeat-Expansions-Erkrankungen.

Neurologie und Psychiatrie

Forschung

Beitrag lesen

Das Fenster zum Gehirn – OCT in der Neurologie

Kongress

Die optische Kohärenztomographie (OCT) kann über hochauflösende Messungen der Netzhaut präzise Einblicke in den Zustand des zentralen Nervensystems für die Neurologie liefern. Die Messungen hinsichtlich des Verlusts von Nervenfasern (pRNFL) und Glanglienzellen (GCIPL) lassen Rückschlüsse zu, auch wenn noch keine klinischen Symptome vorliegen.

Neurologie und Psychiatrie

Demyelinisierende Erkrankungen

Multiple Sklerose

Beitrag lesen

Diagnostik in der Epileptologie – heute und in der Zukunft

Kongress

Fundierte Diagnostik ist die Basis jeder Epilepsiebehandlung. Die Rubrik „Junge Neurologie“ stellte beim DGN-Kongress drei zentrale Verfahren vor: EEG, MRT und genetische Diagnostik, jeweils mit leitliniengerechter Anwendung und Ausblick.

Neurologie und Psychiatrie, Unkategorisiert

Epilepsie

Beitrag lesen