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Schwere therapierefraktäre Epilepsie: Epikranielle Neurostimulation als Alternative zur tiefen Hirnstimulation

Schwere therapierefraktäre Epilepsie: Epikranielle Neurostimulation als Alternative zur tiefen Hirnstimulation

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Erschienen in: neuro aktuell

Neurostimulationsverfahren für Patienten mit schwerer therapierefraktärer Epilepsie sind trotz vielversprechender Studiendaten in Deutschland bisher nicht weit verbreitet. Hoffnungen ruhen jetzt auf neuen, weniger invasiven epikraniellen Stimulationsverfahren.

Vor kurzem zugelassen wurde das EASEE-Device zur fokalen Kortexstimulation. „Das Device wird nicht im Schädel, sondern in der Fokusregion unter der Schädelhaut implantiert“, betonte Professor Dr. Andreas Schulze-Bonhage vom Universitätsklinikum Freiburg.

Die Wirksamkeit des Verfahrens wurde in zwei multizentrischen prospektiven Studien bei insgesamt 32 Patienten mit schwerer therapierefraktärer Epilepsie nachgewiesen. Die Studienteilnehmer waren im Schnitt knapp 35 Jahre alt, seit rund 20 Jahren an Epilepsie erkrankt und hatten im Median zwölf epileptische Anfälle pro Monat. Im Schnitt waren die Patienten bereits mit fast acht Antiepileptika ohne Erfolg behandelt worden.

Der Stimulationsort werde bei dem neuen Verfahren individuell in Abhängigkeit des prädominanten Fokus gewählt, erklärte Schulze-Bonhage. Die Implantion des Device dauerte im Mittel 1,2 Stunden und erfolgte ohne Komplikationen. Der Einfluss der Neurostimulation auf die Anfallsfrequenz wurde bis zu sieben Monate nach Implantation dokumentiert.

Die unverblindete Behandlung führte im Verlauf zu einer allmählichen Reduktion der Anfallsfrequenz. Im 6. Behandlungsmonat war bei etwa der Hälfte der Patienten die Anfallsfrequenz um mehr als 50 % im Vergleich zu den Ausgangswerten reduziert. Einige Behandelte seien sogar anfallsfrei gewesen, berichtete Schulze-Bonhage. Die Wirksamkeit sei besonders deutlich bei fokalen kortikalen Dysplasien gewesen, zeigte sich aber auch bei anderen Anfallstypen und unterschiedlichen Lokalisationen.

Häufigste unerwünschte Wirkungen waren Schmerzen/Beschwerden an der Implantationsstelle und Kopfschmerzen (jeweils 18 %). Schwere unerwünschte Ereignisse wurden im Studienverlauf bei sieben Patienten dokumentiert – darunter zwei Status epileptici (einer unter Stimulationsbehandlung) – , die aber laut Schulze-Bonhage wahrscheinlich nicht mit der Implantation oder Stimulationsbehandlung in Zusammenhang standen.

Neurostimulationsverfahren sind bisher nur die letzte Option in der Behandlung von Patienten mit schwerer Epilepsie – nach medikamentöser Austherapie und Ausschluss eines chirurgischen Eingriffs zur Resektion des Fokusherdes.

Roland Fath

Quelle: „Neue Entwicklungen von Neurostimulationsverfahren in der Epileptologie“ im Rahmen der Neurowoche 2022, am 3. November 2022 in Berlin

Bildquelle: Kateryna_Kon – stock.adobe.com

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