Ein einfacher Augentest am Krankenbett könnte dazu beitragen, die Wiedererlangung des Bewusstseins bei Patientinnen und Patienten mit schweren Hirnverletzungen vorherzusagen, wie neue Forschungsergebnisse, vorgestellt anlässlich des diesjährigen EAN-Kongresses, zeigen [1]. Die Studie der Forscher des Kopenhagener Universitätskrankenhauses Rigshospitalet und der Dänischen Technischen Universität ergab, dass eine bisher übersehene Phase der Pupillenreaktion auf Licht, bekannt als „Late Light-Off Response“ (LOR), bei Patientinnen und Patienten mit akuter Hirnverletzung eine Verbesserung des Bewusstseins sieben Tage später vorhersagen kann. Weit verbreitete Standardmessungen der Pupillenreaktion auf der Intensivstation (ICU) können dagegen spätere Bewusstseinsverbesserungen nicht vorhersagen.
Bei der Studie wurden 250 Patientinnen und Patienten mit Bewusstseinsstörungen nach traumatischen und nicht-traumatischen Hirnverletzungen sowie 30 alters- und geschlechtsgleiche gesunde Kontrollpersonen untersucht. Die Patientinnen und Patienten wurden auf der Intensivstation bis zu 20 Tage lang täglich einer automatisierten Pupillometrie und neurologischen Untersuchungen unterzogen. Die Untersuchung ergab, dass die Latenzzeit der späten LOR eine Verbesserung des Bewusstseins sieben Tage später vorhersagte, selbst nach Berücksichtigung des neurologischen Ausgangszustands, der Zeit seit der Verletzung, der Sedierung und der Art der Verletzung. Bemerkenswerterweise stand dieser Messwert nicht im Zusammenhang mit dem Reaktionsniveau der Patientinnen und Patienten am selben Tag, was ein Genesungspotenzial aufzeigen könnte. Dr. Poul Laigaard, Hauptautor vom Kopenhagener Universitätsklinikum Rigshospitalet, erklärte: „Aktuelle Tests der Pupillenfunktion geben Aufschluss darüber, wie das Gehirn im Moment reagiert, aber die späte Licht-Aus-Reaktion könnte Hinweise auf das Erholungspotenzial des Gehirns liefern. Dies könnte uns helfen, besser zu verstehen, bei welchen Patienten in den kommenden Tagen eine Besserung eintreten könnte.“ Der Zusammenhang schien am stärksten bei Patientinnen und Patienten zu sein, die keine sedierenden Medikamente erhielten, sowie bei Patientinnen und Patienten mit einer anoxisch-ischämischen Hirnschädigung, einem Zustand, bei dem dem Gehirn Sauerstoff und Durchblutung entzogen werden [2]. Die Forscher weisen jedoch darauf hin, größere, multizentrische Studien erforderlich seien, um diese Ergebnisse zu bestätigen.
Quelle: 12th Congress of the European Academy of Neurology vom 27. -30. Juni 2026 online und in Genf
Referenzen:
- Laigaard P et al. (2026). Pupillary light-off latency predicts 7-day improvement in consciousness in patients with acute disorders of consciousness. Abstract A-26-17842. Presented at the 12th EAN Congress (Geneva, Switzerland).
- Messina Z. et al. (2023). Anoxic Encephalopathy. StatPearls. NCBI. Available at: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK539833/.



