E-Paper

Neurologie und Psychiatrie » Rare Diseases

»

Seltene neurologische Erkrankungen und ihre Therapie

Seltene neurologische Erkrankungen und ihre Therapie

News

Neurologie und Psychiatrie

Rare Diseases

3 MIN

Erschienen in: neuro aktuell

Im Rahmen des DGN-Kongresses werden auch Erkrankungen jenseits der neurologischen Hauptdiagnosen wissenschaftlich präsentiert und diskutiert. So zum Beispiel seltene Entitäten wie hereditäre spastische Paraparesen und mitochondriale Erkrankungen.

Die hereditäre spastische Paraparese (HSP) ist eine Gruppe vererbter neurodegenerativer Erkrankungen, die das obere Motoneuron betreffen. Als klinisches Hauptmerkmal gelten zunehmende spastische Lähmungen vor allem der unteren Extremität, erläuterte Prof. Dr. med. Rebecca Schüle, Heidelberg. Es gebe eine große Bandbreite an Ausprägung und Schweregrad der Erkrankung. Die Koordinatorin des TreatHSP.net-Konsortiums erklärte, dass für eine adäquate Therapie eine molekulare Diagnostik benötigt werde ­– die Genetik werde aktuell immer unübersichtlicher. Die Gendefekte, die zu einer HSP führen, werden mit der Abkürzung SPG (“spastic gait gene”) bezeichnet.

Die Therapie der HSP ist derzeit noch symptomatisch orientiert: „Das Wirksamste, dass uns aktuell zur Verfügung steht, ist die Physiotherapie“, so Schüle. Hinzu kämen antispastische Behandlungen. Erste kausale Therapieansätze sind derzeit in der klinischen Erprobung (Phase III). In diesem Zusammenhang wies die Expertin darauf hin, dass es wie bei so vielen anderen sehr seltenen Erkrankungen privater Initiative von Betroffenen bedarf, um die Forschung anzustoßen und voranzubringen. Die Tools seien alle vorhanden, doch die Vielzahl der Erkrankungen sei eine Herausforderung.

In ihrer Gesamtheit seien mitochondriale Erkrankungen mit einer Prävalenz von 1:5.000 gar nicht so selten, jedoch seien mehr als 400 unterschiedliche Gene assoziiert, führte Prof. Dr. med. Thomas Klopstock, München, aus. Klinisch kann jedes Gewebe oder Organ betroffen sein. Bei mitochondrialen Erkrankungen habe laut dem Experten die therapeutische Ära begonnen: Bei der chronisch-progressiven externen Ophthalmoplegie (CPEO) sei man bei krankheitsmodifizierenden Ansätzen noch ganz am Anfang: Eine klinische Phase-III-Studie habe aktuell leider negative Ergebnisse gezeigt. Auch beim MELAS-Syndrom (Mitochondriale Enzephalomyopathie, Laktatazidose und schlaganfallähnliche Episoden) ist bislang keine kausale Therapie verfügbar. „Eine anti-epileptische Therapie ist hier das A und O, da epileptische Anfälle die schlaganfallähnlichen Episoden begünstigen“, so Klopstock.

Die Hereditäre Leber-Optikus-Neuropathie (LHON) ist eine klassisch maternal vererbte Erkrankung, die sich häufiger bei Männern manifestiert. Östrogen scheine hier ein protektiver Faktor zu sein, meinte Klopstock. Die charakteristische Symptomatik besteht aus einer das zentrale Gesichtsfeld betreffenden Visusminderung. Seit 2015 ist Idebenon für die LHON-Therapie zugelassen. Gentherapeutische Ansätze mit adenoassoziierten Viren-Vektoren befinden sich in Phase III der klinischen Prüfung.

Martha-Luise Storre

Quelle: Wissenschaftliches Symposium „Seltene neurologische Erkrankungen und ihre Therapie“ im Rahmen des DGN-Kongresses am 10. November 2023 in Berlin

Bilderquelle: © Bungon_stock.adobe.com

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Illustrierte Ei-Figur mit goldener Krone als Symbol für Narzissmus und Selbstüberschätzung

Narzissmus in Familien überwiegend genetisch bedingt

News

Gemeinsame Faktoren innerhalb der Familie, etwa allgemeine Erziehungsbedingungen oder das soziale Umfeld, das Geschwister teilen, tragen laut einer neuen Studie kaum zur Erklärung von Unterschieden im Narzissmus bei.

Neurologie und Psychiatrie

Persönlichkeitsstörungen

Beitrag lesen
Menschen in Kongresssaal

Vom Gen zum System: Schlaf, KI und kontinuierliche Therapie

Kongressberichte

Der Kongress markierte eine besondere Premiere: Erstmals wurde die Veranstaltung gemeinsam von der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG), dem Arbeitskreis Botulinumtoxin und der Arbeitsgemeinschaft Tiefe Hirnstimulation organisiert.

Neurologie und Psychiatrie

Bewegungsstörungen

Parkinson-Krankheit

Beitrag lesen
Illustration eines Arztgesprächs: Ein Arzt klärt eine Patientin über Epilepsie auf, die Patientin hält sich die Hände an den schmerzenden Kopf.

Epilepsie und Multiple Sklerose

News

Epilepsie ist eine häufige Komorbidität der Multiplen Sklerose (MS), mit einer signifikant höheren Prävalenz als in der Allgemeinbevölkerung. Dieses gleichzeitige Auftreten deutet auf gemeinsame pathophysiologische Mechanismen hin, darunter kortikale Demyelinisierung, chronische Entzündungen und Neurodegeneration, die MS-Patientinnen und -Patienten für Anfälle prädisponieren.

Neurologie und Psychiatrie

Demyelinisierende Erkrankungen

Multiple Sklerose

Beitrag lesen