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Weniger Demenz mit Hörgeräten bei Epilepsie

Quelle: Alexander Raths - adobe stock

Weniger Demenz mit Hörgeräten bei Epilepsie

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Neurologie und Psychiatrie

Epilepsie

mgb medizin Redaktion

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3 MIN

Erschienen in: neuro aktuell

Erwachsene, die an Epilepsie und Hörverlust leiden, können durch das Tragen von Hörgeräten ihr Demenzrisiko um 23 % senken. Die aktuellen Forschungsergebnisse dazu wurden auf dem diesjährigen Kongress der Europäischen Akademie für Neurologie (EAN) 2026 vorgestellt [1]. Obwohl Hörverlust als größter beeinflussbarer Risikofaktor für Demenz eingestuft wird, gilt der Zusammenhang zwischen Hörgeräten und Senkung des Demenzrisikos als umstritten. Insbesondere ist unklar, ob ein etwaiger Nutzen bei Menschen mit neurologischen, metabolischen oder kardiovaskulären Erkrankungen, die ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Demenz bergen, gegeben ist [2].

Um dies zu untersuchen, analysierten Forscher des Universitätsspitals Zürich und der Universität Liverpool elektronische Gesundheitsakten von mehr als 250 Millionen Patientinnen und Patienten im TriNetX-Netzwerk. Sie verglichen Erwachsene mit Hörverlust, die Hörgeräte trugen, mit ähnlich zusammengesetzten Erwachsenen, die keine Hörgeräte trugen. Die Analyse umfasste sowohl die Gesamtpopulation mit Hörverlust als auch Menschen, die mit Epilepsie, Schlaganfall, Typ-2-Diabetes, chronischer Nierenerkrankung, Herzinsuffizienz, Migräne und Arthrose leben. Ergebnis: Es wurde kein signifikanter Zusammenhang zwischen der Nutzung von Hörgeräten und dem Demenzrisiko in der Gesamtpopulation mit Hörverlust festgestellt, ebenso wenig bei Menschen mit Schlaganfall, Migräne, Typ-2-Diabetes, chronischer Nierenerkrankung, Herzinsuffizienz oder Arthrose. Bei Erwachsenen mit Epilepsie und Hörverlust war die Nutzung von Hörgeräten jedoch mit einem um 23 % geringeren Demenzrisiko verbunden. Anders formuliert: über einen Zeitraum von fünf Jahren, gibt es einen Fall weniger von Demenz pro 37 Personen, wenn Hörgeräte genutzt werden. Hauptautorin Dr. Carolina Ferreira-Atuesta zu den Ergebnissen: „Was uns am meisten überraschte, war, wie spezifisch der Befund für Epilepsie war. Wir hatten erwartet, einen geringen Nutzen bei mehreren der von uns untersuchten Risikogruppen zu beobachten. Stattdessen zeigten die meisten keinen signifikanten Zusammenhang, während der Zusammenhang bei Epilepsie in allen unseren Analysen konsistent zu beobachten war.“ 

Die Forscher glauben, dass sich die Ergebnisse durch Unterschiede in der kognitiven Reserve erklären lassen – der Fähigkeit des Gehirns, trotz altersbedingter Veränderungen oder durch Krankheiten verursachter Schäden weiterhin effektiv zu funktionieren [3]. Dr. Ferreira-Atuesta erklärte: „Die meisten Menschen mit Hörverlust verfügen über genügend kognitive Reserve, um den durch die Hörbeeinträchtigung verursachten zusätzlichen Aufwand aufzufangen, sodass eine Korrektur des Hörverlusts möglicherweise keinen großen Einfluss auf das Demenzrisiko hat. Bei Epilepsie ist das anders, da die kognitive Reserve oft bereits eingeschränkt ist, was bedeutet, dass die Beseitigung einer weiteren Belastungsquelle einen größeren Einfluss haben könnte.“ Die Expertin weiter: „Es gibt mehrere biologisch plausible Gründe, warum wir diesen Effekt bei Epilepsie beobachten könnten. Die Erkrankung geht mit einem beschleunigten kognitiven Verfall einher, die Temporallappenepilepsie betrifft Bereiche des Gehirns, die am Hören beteiligt sind. Zudem können einige Antiepileptika das Hörvermögen verschlechtern“.

Elke Engels

Quelle: 12th Congress of the European Academy of Neurology vom 27. -30. Juni 2026 online und in Genf

Referenzen:

1. Ferreira-Atuesta C. et al. (2026). Hearing Aid Use and Risk of Dementia in Adults with Hearing Loss and Comorbid Neurological, Metabolic, or Cardiovascular Conditions. Abstract A-26-18825. Presented at the 12th EAN Congress (Geneva, Switzerland).

2. NIHR. Biomedical Research Centre. (2025). Certain chronic health conditions associated with increased risk of dementia – new study. https://oxfordhealthbrc.nihr.ac.uk/certain-chronic-health-conditions-associated-with-increased-risk-of-dementia-new-study/

3. Alzheimer’s Research UK. (2024). Cognitive reserve and dementia risk. https://www.alzheimersresearchuk.org/dementia-information/dementia-risk/cognitive-reserve-and-dementia-risk/

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