Neurologie und Psychiatrie » Bewegungsstörungen » Parkinson-Krankheit

»

Wirkfluktuationen bei Parkinson frühzeitig gezielt adressieren

Quelle: © Iuliia - stock.adobe.com

Wirkfluktuationen bei Parkinson frühzeitig gezielt adressieren

Aktuelles

Neurologie und Psychiatrie

Bewegungsstörungen

Parkinson-Krankheit

mgb medizin Redaktion

Verlag

6 MIN

Erschienen in: neuro aktuell

Die Parkinson-Krankheit ist gekennzeichnet durch einen fortschreitenden Verlauf, bei dem es mehr und mehr zu
Wirkfluktuationen im Tagesverlauf kommen kann. Im Rahmen eines BIAL-Pressegesprächs diskutierten Prof. Dr. Monika Pötter-Nerger, Prof. Dr. Alexander Storch und Dr. Peter Themann in diesem Zusammenhang über die Bedeutung eines ganzheitlichen Managements der OFF-Zeit mit Ongentys® und Kynmobi® und warfen gemeinsam einen Blick in die Praxis.


Nach mehreren Jahren mit gutem Ansprechen auf Levodopa (L-Dopa), um den für Parkinson charakteristischen Dopaminmangel zu ersetzen, kann es mit Fortschreiten der Erkrankung vermehrt zu Schwankungen oder Fluktuationen der Symptome im
Tagesverlauf kommen. „Solche Wirkfluktuationen treten deutlich früher auf, als wir häufig denken“, betonte Prof. Dr. Monika Pötter-Nerger, Neurologin und Oberärztin an der Klinik und Poliklinik für Neurologie, Uniklinikum Hamburg-Eppendorf.

Wirkfluktuationen: zwischen ON und OFF

Prof. Pötter-Nerger verwies auf große Kohortenstudien wie „ELLDOPA“ [1], wonach bereits nach neun Monaten Erkrankung rund 20 % der Patienten an Wirkfluktuationen litten; in „STRIDE-PD“ [2] waren es nach 3 Jahren 75 % und in der „SYDNEY“-Studie [3]
nach 15 Jahren Erkrankung sogar 95 % [4]. „Fluktuationen mit wechselnden ON- und OFF-Phasen lassen das Zeitfenster einer guten Beweglichkeit immer kleiner werden. Für die Patienten ist dies ein drastischer Einschnitt in die eigene Autonomie und
reduziert deren Lebensqualität deutlich“, so die Neurologin. Umso wichtiger ist daher eine möglichst frühzeitige Behandlung. Wichtige Faktoren in diesem Zusammenhang sind einerseits gastrointestinale Limitationen wie Magenentleerungsstörungen,
Gastroparese oder Dysphagie, wovon ein Großteil der Parkinson-Patienten betroffen ist [5]. Ebenso spielt die reduzierte striatale Speicherkapazität in Folge der fortschreitenden Neurodegeneration eine entscheidende Rolle. Der Effekt von L-Dopa wird dadurch beeinträchtigt, zudem ist er wegen des pharmakokinetischen Profils nicht stabil: So werden trotz Kombination mit einem DDCI noch ca. 90 % einer L-Dopa-Dosis über die Catechol-O-Methyltransferase (COMT) abgebaut und sind somit therapeutisch nicht verfügbar [6].

Kontinuierliche dopaminerge Stimulation als Therapieprinzip der Wahl

„Das Erkennen von motorischen und nicht-motorischen Fluktuationen sowie deren zeitlicher Zusammenhang zur Medikation sind entscheidend für die Therapieoptimierung“, verdeutlichte Prof. Dr. Alexander Storch, Neurologe und Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsmedizin Rostock. Eine kontinuierliche dopaminerge Stimulation sei hier das Therapieprinzip der Wahl, um den Dopaminspiegel im therapeutischen Fenster zu halten und eine längere ON-Phase zu erreichen [7, 8, 9]. Oftmals wird zunächst eine Fraktionierung der L-Dopa-Therapie angewendet, die allerdings dann ihre Grenzen findet, wenn sie aufgrund der häufigen Einnahmen für die betroffenen Patienten nicht mehr praktikabel ist. Relevante Vorteile bietet hier die Add-on-Gabe von Ongentys® (Opicapon) [10]. Die einmal tägliche Add-on-Gabe dieses COMT-Hemmers der dritten Generation verlangsamt den Abbau des bereits im System vorhandenen L-Dopa, erhöht dessen Bioverfügbarkeit und glättet die L-Dopa-Plasmaspiegel [11, 12]. So gelingt es, die OFFZeit zu verkürzen und die ON-Zeit zu verlängern [13].

COMT-Hemmung mit Ongentys®: früher Einsatz zahlt sich aus

Die Daten des „ADOPTION“-Studienprogramms [14] bei Patienten mit motorischen Fluktuationen von weniger als zwei Jahren und mit täglich drei L-Dopa-Einnahmezeitpunkten belegen eine signifikante Überlegenheit von Ongentys® gegenüber der zusätzlichen Gabe von 100 mg L-Dopa/DDCI: Unter Opicapon erzielten die Studienteilnehmer eine signifikante zusätzliche Reduktion der absoluten OFF-Zeit (primärer Endpunkt) um -45,4 Minuten nach 4 Wochen Therapie (-62,1 min vs. -16,7 min; p = 0,0015), während die ON-Zeit signifikant um zusätzliche 34,5 Minuten gesteigert werden konnte (70,2 min vs. 35,6 min; p = 0,0338) [14]. Im Vergleich zu Placebo und Entacapon erzielten COMT-Hemmer-naive Patienten mit frühen motorischen Fluktuationen von ≤ einem Jahr unter Opicapon zudem eine stärkere Reduktion der OFF-Zeit sowie einen erhöhten Gewinn an ON-Zeit [15, 16].

Aktuelle Interimsdaten einer Real-World-Studie mit Opicapon bei Patienten mit motorischen Fluktuationen seit durchschnittlich 0,6 Jahren bestätigen ebenfalls, dass ein früher Einsatz sinnvoll sein kann [17]: So verringerte sich etwa die mittlere OFF-Zeit gegenüber dem Ausgangswert auf 2,2 ± 2,3 Stunden pro Tag, wobei 20,6 % der Patienten keine OFF-Episoden mehr erlebten. Dabei war Ongentys® allgemein gut verträglich. Wichtig: Dyskinesien treten seltener auf, wenn Ongentys® frühzeitig bei LDopa-bedingten Wearing-OFFs eingesetzt wird [18, 19].

Persistierende OFF-Episoden schnell und zielgerichtet addressieren

Trotz einer optimierten Basistherapie können bestimmte OFF-Episoden weiterhin bestehen. Jeder zweite Betroffene berichtet darüber hinaus mindestens einmal pro Woche über ein Dosisversagen. Auch unter L-Dopa und Parkinson-Basismedikation
warten Patienten pro Einnahme im Schnitt immer noch 45 bis 60 Minuten bis zum ON [20]. „Hier ist etwa an das Early Morning-OFF, das Delayed-ON oder No-ON zu denken. Auch wenn die Mechanismen, die dahinter stecken, noch teilweise unklar
sind, spielen gastrointestinale Faktoren und Resorptionsstörungen dabei sicher eine wichtige Rolle“, erklärte Prof. Storch. Es bedarf daher einer Therapie, die Patienten schnell und zuverlässig ins ON bringt – unabhängig von gastrointestinalen
Limitationen. Der Apomorphin-Sublingualfilm Kynmobi® kann helfen, diese therapeutische Lücke zu schließen. Kynmobi® wird einfach unter die Zunge gelegt und über die Mundschleimhaut aufgenommen, wodurch es den First-Pass-Stoffwechsel
umgeht.
Dies kann zu einer schnellen und anhaltenden Wirkung führen, die unabhängig von der Art der sonstigen Therapie und der Ursache des OFF-Zustandes ist [21, 22]. So wurden signifikante Verbesserungen versus Placebo (-6,4 vs. -3,0; p = 0,039; gemessen mittels MDS-UPDRS Part III) bereits nach 15 Minuten beobachtet. Innerhalb von 30 Minuten können etwa 80 % der OFF-Episoden beendet und in einen vollständigen ON-Zustand überführt werden. Dabei hält die Wirkung bis zu 90 Minuten an [22]. In der Langzeitanwendung über 48 Wochen wurde in mehr als Dreiviertel der Fälle ein Full-ON erreicht [23]. Kynmobi® ist im Allgemeinen gut verträglich [21].

Blick in die Praxis: Was kann Kynmobi® leisten?

Dass sich die positiven Effekte unter Kynmobi® auch im Praxisalltag widerspiegeln, zeigte Dr. Peter Themann, Neurologe und Psychiater sowie Senior Ärztlicher Direktor der Klinik „Am Tharandter Wald“ in Halsbrücke, anhand einiger Fälle aus der Klinik.
„Gerade wenn es um plötzliche OFF-Episoden geht, muss die Therapie schnell und zuverlässig wirken“, so Dr. Themann. Er berichtete von einer Erfahrung mit einem Parkinson-Patienten, den er begleitete und der am Flughafen plötzlich in ein OFF
geriet: „Dank Kynmobi® war das OFF schnell überwunden. Andernfalls hätten wir unseren Flieger vermutlich verpasst. Das hat mir nochmal gezeigt, wie wichtig es ist, den Patienten eine schnell wirksame Therapie an die Hand zu geben.“
Dr. Themann stellte zudem den Fall eines 74-jährigen Patienten vor, der seit sechs Jahren an Parkinson litt. Zum Zeitpunkt der Aufnahme erhielt der Patient fünfmal täglich L-Dopa sowie einmal täglich morgens 8 mg Ropinirol retard. In den vergangenen vier Monaten war es zu zwei Stürzen gekommen. Darüber hinaus nahmen Early Morning-OFF, Wearing-OFF und Random-OFF bis zu 50 % der Wachphase am Tag ein. Nach Einstellung auf Kynmobi® 20 mg hatte sich die Mobilität deutlich gebessert. Bei einer ein- oder zweimal täglichen bis zweimal wöchentlichen Anwendung des Sublingualfilms sowie einer einmal täglichen Gabe von Ongentys® trat nahezu kein Early Morning-OFF mehr auf sowie selten Random-OFF und Wearing-OFF. Der Patient erlangte dadurch seine Autonomie zurück und fühlte sich deutlich sicherer im Alltag.

Quelle: Virtuelle Pressekonferenz „Praxis-Check Parkinson-Therapie: Mit KYNMOBI® und ONgentys® den ganzen Patienten im Blick“, 07.05.2025 (Veranstalter: BIAL Deutschland GmbH, Mörfelden-Walldorf); Pressemittelung der BIAL Deutschland GmbH vom 25.06.2026

Pressekontakt:
Gunnar Lühring

m:werk GmbH & Co. KG

Healthcare Communication

Humboldtstr. 11

65189 Wiesbaden

Telefon: 0611 / 16086 20

E-Mail: luehring@m-werk.de

Denise Lichotka

m:werk GmbH & Co. KG

Healthcare Communication

Humboldtstr. 11

65189 Wiesbaden

Telefon: 0611 / 16086 34

E-Mail: lichotka@m-werk.de

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Grundlegende Erkenntnisse zur Bewegungsplanung im Gehirn

Aktuelles

Welche Neuronen im Gehirn steuern wie Bewegungen? Das haben Forschende aus Neurowissenschaften und KI im interdisziplinären Forschungszentrum BrainLinks-BrainTools der Universität Freiburg untersucht.

Neurologie und Psychiatrie

Beitrag lesen

Anti-IgLON5: Autoimmunologische Genese und degenerativer Prozess

Fachbeitrag

Die anti-IgLON5-Erkrankung ist eine seltene neurologische Erkrankung die mit Autoantikörpern gegen das Oberflächenprotein IgLON5 assoziiert ist und durch einen neurodegenerativen Prozess vor allem im Hypothalamus und Hirnstamm gekennzeichnet ist.

Neurologie und Psychiatrie

Beitrag lesen

Gestörter Schlaf und Demenzrisiko

Fachbeitrag

Demenzen betreffen weltweit mehr als 55 Millionen Menschen [1]. Die häufigste Form ist die Alzheimer-Krankheit, die durch die Akkumulation von neurotoxischen Amyloid-β-Plaques und Tau-Neurofibrillen charakterisiert ist.

Neurologie und Psychiatrie

Demenz-Erkrankungen

Beitrag lesen