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33% mehr Schlaganfall-Patienten in Neurovaskulären Netzwerken

Das Klinikum Großhadern in München

Quelle: Chris Redan – stock.adobe.com

33% mehr Schlaganfall-Patienten in Neurovaskulären Netzwerken

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mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: neuro aktuell

Gute Nachrichten: In Deutschland werden immer mehr Patientinnen und Patienten mit Schlaganfällen in einem für sie vorgesehenen Neurovaskulären Netzwerk (NVN) behandelt, etwa 120.000 der geschätzt 250.000 bis 260.000 Betroffenen – rund ein Drittel mehr als bei der letzten Erhebung vor fünf Jahren. Das zeigt ein aktuelles Studien-Update, das im Rahmen des 1. Deutschen Schlaganfallkongresses im September vorgestellt wurde. Das Paper hierzu ist open access in der Zeitschrift Neurological Research and Practice von Springer Nature erschienen.

„Diese Entwicklung ist ein großer Erfolg für die Schlaganfall-Medizin in Deutschland“, betont Prof. Joachim Röther, Chefarzt der Klinik für Neurologie an der Asklepios Klinik Altona. Zusammen mit dem Erstautor der Studie, Dr. med. Tobias Wagner-Altendorf, Geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, präsentierte er die Ergebnisse während des Kongresses in Berlin. „Das zeigt auch, dass sich das Konzept des NVN und die damit einhergehenden Vorteile für die Patientenversorgung bundesweit etabliert haben“, schlussfolgert Tobias Wagner-Altendorf.

Strukturierte Zusammenarbeit für komplexe Krankheitsbilder

Ein NVN besteht aus einem oder mehreren sogenannten koordinierenden Zentren – großen Kliniken mit Fachabteilungen für Neurologie, Neurochirurgie, Neuroradiologie, Gefäßchirurgie und Kardiologie – sowie mindestens drei Partnerkliniken mit zertifizierten Stroke Units. Ziel ist es, komplexe Krankheitsbilder, wie verschlossene Hirnarterien, Aneurysmen oder verengte Halsgefäße, optimal und nach höchsten Qualitätsstandards zu behandeln. Kann eine erstversorgende Klinik eine entsprechende Therapie nicht anbieten, wird die betroffene Person schnellstens innerhalb des Netzwerks in die Abteilung mit entsprechender Expertise verlegt. Für seltene und komplexe medizinische Konstellationen besteht zudem die kontinuierliche Möglichkeit des fachlichen Austausches über Standorte hinweg zur interdisziplinären Festlegung des weiteren Prozedere.

Die nun veröffentlichte Studie wertete Auditberichte von 19 NVN aus, die zwischen 2021 und 2024 zertifiziert wurden, und verglich sie mit Daten aus den Jahren 2017 bis 2019. Das Ergebnis: Insbesondere bei komplexen Eingriffen wie der mechanischen Thrombektomie, die bei schweren Schlaganfällen eingesetzt wird, stiegen die Zahlen der in NVN behandelten Patientinnen und Patienten deutlich. Während im ersten Untersuchungszeitraum weniger als 2.500 solcher Eingriffe in den koordinierenden Zentren durchgeführt wurden, waren es zuletzt über 4.400 pro Jahr. Auch die Zahl der chirurgischen Behandlungen bei intrazerebralen Blutungen stieg spürbar.

Bessere Qualität durch engen Austausch und klare Prozesse

Die Studienautorinnen und -autoren unterstreichen die Bedeutung strukturierter Abläufe innerhalb der Netzwerke. So sind etwa Ansprechpartnerinnen und -partner, Transportwege und Kooperationsmechanismen zwischen Kliniken klar geregelt – ein Vorteil, der besonders bei Engpässen zählt und Zeit spart. Auch die enge Abstimmung mit Rettungsdiensten und der Feuerwehr gehöre dazu, sagt Prof. Joachim Röther, sodass die NVN auch die prähospitale Schlaganfall-Versorgung verbessern. „Früher musste man im Zweifel erst einmal herausfinden, wer gerade eine freie Intensivkapazität oder einen verfügbaren Katheterplatz hat“, so Röther. „Heute haben alle beteiligten Netzwerkkliniken die entsprechenden Kontaktdaten voneinander und stehen in engem Austausch. Die Behandlungspfade sind ganz klar geregelt.“

Potenziale für die Zukunft sehen die Studienautorinnen und -autoren in der weiteren Optimierung der Prozess- und Transferzeiten: So hat sich die „Door-to-Needle-Time“ im Vergleichszeitraum geringfügig verschlechtert, was allerdings auch mit den veränderten Abläufen in der Notfallversorgung im Rahmen der Corona-Pandemie zusammenhängen kann, die in den Beobachtungszeitraum gefallen ist.

Blick nach vorn: Weitere NVN sind geplant

Mehrere neue Netzwerke befinden sich bereits im Zertifizierungsprozess. „Wir sehen das langfristige Potenzial von 25 bis 30 zertifizierten NVN in Deutschland“, sagt Prof. Darius Nabavi, 2. Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und ebenfalls Mitautor der Studie.
„Ziel ist – und muss immer bleiben –, dass langfristig alle Schlaganfall-Betroffenen in jeder Region in Deutschland Zugang zu einer strukturierten und qualitätsgesicherten Versorgung haben“, unterstreicht das DSG-Vorstandsmitglied. Das Motto lautet: Time is brain – je mehr Zeit verstreicht, bis ein Gefäßverschluss wiedereröffnet wird, desto mehr Hirnzellen gehen zugrunde. „Die Schlaganfall-Versorgung innerhalb eines NVN ist der besten Weg, um unnötigen Zeitverzögerungen zu begegnen“, betont Nabavi.


Quelle: Pressemeldung Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft e.V. (idw, 23.10.25)


Zur Originalpublikation kommen Sie hier.

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