Onkologie » Hämatoonkologie » Leukämien und MDS

»

AML schädigt sympathische Nervenfasern im Knochenmark

Vereinfachtes Schema des gesunden und leukämischen menschlichen Knochenmarks. Leukämie führt zur Schädigung und zum Verlust von Nerven, was das Gleichgewicht der Blutzellenentwicklung stören kann. Abbildung erstellt mit BioRender. © Tatyana Grinenko and Iryna Kovtun

AML schädigt sympathische Nervenfasern im Knochenmark

Aktuelles

Onkologie

Hämatoonkologie

Leukämien und MDS

3 MIN

Erschienen in: onkologie heute

Forscher der Technischen Universität Dresden haben im Knochenmark von Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML) Schäden am sympathischen Nervensystem entdeckt. Chemotherapien treiben diese Schäden weiter voran. Das Forschungsprojekt wurde von der Wilhelm Sander Stiftung mit 125.000 € gefördert.

Mit modernster Mikroskopie-Technologie ist es einer Arbeitsgruppe um Tatyana Grinenko und Martin Bornhäuser von der TU Dresden gelungen, die 3D-Architektur des menschlichen Knochenmarks sichtbar zu machen. Interessant ist die innovative Technologie u.a. für die Erforschung hämatoonkologischer Erkrankungen. Tatsächlich haben die Wissenschaftler bei akuter myeloischer Leukämie bereits eine überraschende Entdeckung gemacht: Sie fanden bei Patienten mit AML Schäden am sympathischen Nervensystem, die offenbar mit der Krankheit im Zusammenhang stehen und die sich unter dem Einfluss von Chemotherapien weiter ausdehnen.

Das menschliche Knochenmark ist ein komplexes – noch längst nicht in allen Details verstandenes – System, in dem laufend von multipotenten Stammzellen neue Blutzellen produziert werden. Bei Leukämien ist der normale Reifungsprozess der Leukozyten gestört und es entstehen in großer Zahl unreife Blutzellen, die sich unkontrolliert vermehren und die Hämatopoese im Knochenmark behindern.

Anzahl der Nervenfasern dramatisch reduziert

Die Dresdener Forscher wollten besser verstehen, wie Leukämiezellen ihre Umgebung beeinflussen und schauten sich das Mikromilieu im Knochenmark in 3D an – und zwar am Menschen und nicht am Tiermodell. Sie untersuchten Biopsien von gesunden Personen und von AML-Patienten, die im Universitätsklinikum Carl Gustav Carus betreut wurden. Dabei fielen ihnen Schäden am sympathischen Nervensystem der AML-Patienten auf, die vermutlich dem Einfluss der Leukämiezellen zuzuschreiben sind. Die Anzahl intakter Nervenfasern war laut den Wissenschaftlern „dramatisch“ reduziert. Durch Chemotherapien können diese Nervenschäden noch verschlimmert werden, wie die weitere Forschung zeigte. Auch ein Jahr nach der Behandlung hatten sich die Nerven nicht wieder erholt.

Da das sympathische Nervensystem Einfluss auf die Blutbildung nimmt, ist nicht auszuschließen, dass die entdeckten AML-typischen Nervenschäden die Störung der Hämatopoese weiter akzentuieren und eine erfolgreiche Behandlung der Leukämie behindern. Aber auch unabhängig von der Krebserkrankung muss es das Ziel sein, Nervenschäden zu verhindern. Die Dresdner Forscher arbeiten deshalb daran, die Mechanismen der Nervenschädigung aufzuklären, um gezielte neuroprotektive Strategien entwickeln zu können.

Die Wilhelm Sander-Stiftung – eine der bedeutendsten privaten Forschungsstiftungen im deutschen Raum – hat das Projekt mit 125.000 € unterstützt. Stiftungszweck ist die Förderung medizinischer Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung.

Quelle: Pressemitteilung der Wilhelm Sander Stiftung vom 1. August 2024

Bilderquelle: © Tatyana Grinenko and Iryna Kovtun

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Schwarzes Labormikroskop im Vordergrund, im Hintergrund arbeitet ein Wissenschaftler im weißen Kittel an einem Labortisch

Vom Mikroskop zur KI: Heidelberger Neuropathologie im Wandel

Aktuelles

Nach fast 20 Jahren übergibt Professor Dr. Andreas von Deimling die Leitung der Neuropathologie des Universitätsklinikums Heidelberg an Professor Dr. Dr. Felix Sahm. Unter seiner Führung entwickelte die Abteilung neue molekulare Diagnoseverfahren, die die Hirntumordiagnostik weltweit veränderten. Heute zählt sie zu den international führenden Referenzzentren ihres Fachgebiets.

Onkologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Handschlag über einem Schreibtisch als Symbol für eine Kooperation

Krebsprävention: DKFZ und BIPS bündeln ihre vereinten Kräfte

Aktuelles

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) und das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) möchten ihre Zusammenarbeit in der Krebsprävention deutlich ausbauen. Ein Memorandum of Understanding besiegelt erstmals die fünfjährige Partnerschaft ab September 2026. Erste Projekte zum risikoadaptierten Prostatakrebs-Screening starten bereits in diesem Jahr.

Onkologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Referent praesentiert Diagramme auf Leinwand vor Publikum bei Vortrag zu Gender Data Gap

Öffentlicher Vortrag: Gender Data Gap bei Krebs

Kongress

Männer und Frauen erkranken nicht nur unterschiedlich häufig an Krebs, sie sprechen oft auch unterschiedlich auf Therapien an. Dennoch werden geschlechtsspezifische Unterschiede in Forschung und klinischen Studien häufig unzureichend berücksichtigt.

Onkologie

Lungenkarzinom

Allgemeine Aspekte

Beitrag lesen